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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Schreibkreide-Gruppe
ID: 2008072
Hierarischer Rang: Gruppe
Erstbeschreibung: Niebuhr (2006)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Maastrichtium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Campanium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Santonium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Coniacium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Standard section for the Upper Cretaceous white chalk of NW Germany (Lägerdorf–Kronsmoor–Hemmoor) (Schulz et al. 1984)
Lithologie: Eine Schreibkreide besteht überwiegend aus biomikritischem Niedrig-Magnesium-Kalzit, ist durch einen Karbonatgehalt über 90% und ein Porenvolumen von ca. 40% charakterisiert. Letzteres und besondere bodenmechanische Eigenschaften unterscheidet sie von einem (diagenetisch verfestigten) Kalkstein. Lithologische Unterscheidungsmerkmale für eine Untergliederung in untergeordnete Einheiten sind Flinte, grobkörnige Bestandteile, Nicht-Karbonat-Anteile und Sedimentationsanomalien.
Untergeordnete Einheit: Im Schreibkreide-Standardprofil Lägerdorf–Kronsmoor–Hemmoor–Basbeck lassen sich vom Liegenden ins Hangende folgende sechs Formationen ausscheiden:
Krempe-Formation = Schreibkreide reich an Ton-, Tonschlieren- und Grabganglagen, mit weißen und hellgrauen Flinten (Unterconiacium bis Obersantonium).
Lägerdorf-Formation mit Grobkreide-1-Bänken = Schreibkreide mit wenigen Mergel- und Grabganglagen, reich an schwarzen Flinten (höchstes Obersantonium bis höchstes Untercampanium).
Dägeling-Formation mit Meerdorf-Member = Schreibkreide mit Zoophycos-Spreiten und sehr wenigen mergeligen Bereichen, Mergel- und Grabganglagen, nur an der Basis und am Top wenige schwarze Streuflinte, der mittlere Abschnitt ist flintfrei (höchstes Untercampanium bis oberes Obercampanium).
Kronsmoor-Formation mit Grobkreide-2-Bänken = flintfreie Schreibkreide mit vielen mergeligen Bereichen und Grabganglagen und den niedrigsten Karbonatgehalten im Schreibkreide-Standardprofil (oberes Obercampanium bis Untermaastrichtium).
Hemmoor-Formation mit Rügen-Member und Paramoudra-Flintbänken = Schreibkreide mit vielen Zoophycos-Spreiten und dünnen Mergellagen, sehr viele und große, schwarze Streuflinte, Flintlagen und auch Paramoudra-Flinte (Untermaastrichtium bis Obermaastrichtium).
Reitbrook-Formation mit Unterem, Mittlerem und Oberem Reitbrook-Member = flintreiche, glaukonitischische und poröse Kalkarenite (Obermaastrichtium in Norddeutschland, Obermaastrichtium bis tiefstes Unterdanium in Süddänemark).
Liegendgrenze:  Das Einsetzen der Schreibkreide-Sedimentation. Die Liegendgrenze wurde im Schreibkreide-Standardprofil Lägerdorf–Kronsmoor–Hemmoor–Basbeck nicht erreicht. Bohrungen direkt über der Salzstruktur Krempe–Lägerdorf durchteuften weder die Basis der Schreibkreide noch erreichten sie den Gipshut (Baldschuhn et al. 2001). In Bohrlochmessungen befindet sich die Liegendgrenze der Schreibkreide-Gruppe sicher unterhalb von SP-Peak 26 (Niebuhr 2006).
Hangendgrenze: Das Aussetzen der Schreibkreide-Sedimentation. Dieser Bereich fällt in Norddeutschland überall in eine Schichtlücke, die an einigen Lokalitäten durch ein Konglomerat aus grün umrindeten Flinten markiert wird. In Bohrlochmessungen ist der Übergang von der Reitbrook-Formation der Schreibkreide-Gruppe in die hangende lithostratigraphische Einheit ("Dan-Kalk", Gürs et al. 2002) durch einen markanten Anstieg in der Widerstandskurve gekennzeichnet, die Eigenpotentialkurve zeigt zwischen SP-Peak 83 (Obermaastrichtium) und SP-Peak 84 (Danium) keine Veränderung (Baldschuhn & Jaritz 1977, Baldschuhn 1979). In durchgehenden Kreide/Paleozän-Grenzprofilen (außerhalb von Norddeutschland, z.B. Stevns Klint, Süddänemark) endet die Schreibkreide-Gruppe nach der hier gegebenen Definition maximal 0,90 m im Hangenden des "Fischschiefers" oberhalb des "Cerithiumkalks", also im tiefsten Danium (Paleozän).
Mittlere Mächtigkeit: Die Schreibkreide-Gruppe umfasst in den mächtigsten Profilen Bremen E 2 und Taaken-Ottersberg 1 bei Bremen (Niedersachsen) mehr als 1000 m (vgl. Badschuhn & Jaritz 1977). In der Standard-Bohrung Offenseth 1 (Schleswig-Holstein) erreicht sie ca. 720 m.
Maximale Mächtigkeit: --
Typusprofile, etc.: Typusregion ist Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, wo die Schreibkreide-Fazies flächendeckend erhalten ist und auch die Typusprofile der sechs Formationen der Schreibkreide-Gruppe liegen. Das Typusprofil ist das Schreibkreide-Standardprofil Lägerdorf–Kronsmoor–Hemmoor–Basbeck (vgl.Schulz et al. 1984) in Schleswig-Holstein (TK 25: 2123 Lägerdorf, 2023 Itzehoe) und Niedersachsen (TK 25: 2220 Marne). Das Referenzprofil ist die Standard-Bohrung Offenseth 1 (Schleswig-Holstein, TK 25: 2124 Brande-Hörnerkirchen), die nur ca. 12 km südöstlich von Lägerdorf und Kronsmoor und ca. 40 km nordöstlich von Hemmoor und Basbeck abgeteuft wurde (vgl.Baldschuhn, Jaritz 1977, Koch 1977, Niebuhr 2006). Sie zeigt ein ungestörtes Profil in flacher Lagerung.
Verbreitung (Bundesländer): Brandenburg
Bremen
Hamburg
Mecklenburg-Vorpommern
Niedersachsen
Schleswig-Holstein
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Im gesamten Gebiet von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie im nördlichen Niedersachsen und nördlichen Brandenburg. Geotektonisch liegt ein großer Teil des Ablagerungsgebietes der Schreibkreide-Gruppe auf der Pompeckj-Scholle und der sich östlich anschließenden Nordmecklenburg-Scholle.
Zeitgleiche Einheiten: Der Schreibkreide-Gruppe sind ca. 30 verschiedene Formationen aus proximaleren Ablagerungsräumen südlich vorgelagert.
Alterseinstufung: Makrobiostratigraphisch ist bis heute eine Schreibkreide-Sedimentation in Norddeutschland vom Unterconiacium (Cremnoceramus deformis-Zone) bis an den Top des erosiv abgeschnittenen Obermaastrichtium (Tylocidaris baltica / Oxytoma danica-Zone) gesichert. Sie umfasst in den Bohrlochmessungen die SP-Peaks 26 bis 83 (vgl.Baldschuhn & Jaritz 1977; Niebuhr 2006).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Environment: Pelagische Sedimente eines offenen Epikontinentalmeeres mit 50-200 m Wassertiefe.
Fossilien: Wichtige Makrofossilien der Schreibkreide-Gruppe sind: Belemniten, Echiniden, Muscheln, Ammoniten und Crinoiden (Schulz et al. 1984); stratigraphisch wichtige Mikro- und Nannofossilien sind: Coccolithen, Calcisphären, Foraminiferen und Ostrakoden.
Abgrenzungsprobleme: Es ist nicht bekannt, inwieweit das Einsetzen der Schreibkreide-Sedimentation im gesamten norddeutschen Ablagerungsraum isochron erfolgte. In der Rügen- und Mecklenburg-Senke setzt nach Diener et al. (2004) schon im Oberturonium die Sedimentation von kreidigen Kalksteinen und Schreibkreide mit grauen, braunen und schwarzen Feuersteinen ein. Auch Hoth et al. (1993) erwähnen Schreibkreide bereits aus dem Oberturonium, während in den ursprünglichen Tabellen von Diener (1966) Schreibkreide erstmals im Unterconiacium erscheint. Schreibkreide-ähnliche Gesteine, allerdings ohne Flinte, treten auch im Mittel- und Oberturonium der brandenburgischen Bohrung Gransee 7 / 63 nördlich von Oranienburg (TK 25: 2944 Gransee, Tröger & Ulbrich 1985) und in der Wüllen-Formation im westlichen Nordrhein-Westfalen auf. Diese Diskrepanzen sind vermutlich einerseits in den unterschiedlichen lithologischen Definitionen von Schreibkreide der verschiedenen Autoren begründet. Turone Profile mit schreibkreideähnlichen Gesteinen inmitten typischer Kalk- und Mergelkalksteine der Plänerkalk-Gruppe werden daher nicht in der Schreibkreide-Gruppe geführt. Andererseits sind die Stufen- und Unterstufen in makrostratigraphisch eingestuften Tagesaufschlüssen (wie das Schreibkreide-Standardprofil) und mikrostratigraphisch eingestuften Bohrungen sicher unterschiedlich definiert (vgl. Niebuhr 2006). Beispielsweise hat eine Neu-Definition der Turonium/Coniacium-Grenze im Schachtprofil Staffhorst bei Bremen zu einer Verschiebung dieser Grenze von 80 m ins Liegende geführt (Niebuhr et al. 1999).
Literatur: Baldschuhn, R, (1979): Stratigraphie und Verbreitung des Dan (Tertiär) in Nordwestdeutschland. – Z. dt. geol. Ges., 130: 201-209; Hannover.
Baldschuhn, R. & Jaritz, W. (1977): Stratigraphie der Oberkreide in Nordwestdeutschland (Pompeckjsche Scholle). Teil 1: Korrelation der Bohrlochdiagramme und des Kernmaterials. – Geol. Jb., A 38: 7-9, Hannover.
Diener, I. (1966): Stratigraphisches Korrelationsschema für die Kreide der Deutschen Demokratischen Republik und angrenzender Gebiete. – Abh. ZGI, 5: 137 S.; Berlin.
Diener, I., Petzka, M., Reich, M., Rusbült, J. & Zagroa, I. (2004): Oberkreide. – In: Katzung, G. (Hrsg.): Geologie von Mecklenburg-Vorpommern: 173-186; Stuttgart.
Hoth, K., Rusbühlt, J., Zagora, K., Beer, H. & Hartmann, O. (1993): Die tiefen Bohrungen im Zentralabschnitt der Mitteleuropäischen Senke. Dokumentation für den Zeitabschnitt 1962–1990. – Schriftenr. Geowiss., 2: 145 S.; Berlin.
Koch, W. (1977): Stratigraphie der Oberkreide in Nordwestdeutschland (Pompeckjsche Scholle). Teil 2: Biostratigraphie in der Oberkreide und Taxonomie von Foraminiferen. – Geol. Jb., A 38: 11-123, Hannover.
Niebuhr, B. (2006): Multistratigraphische Gliederung der norddeutschen Schreibkreide (Coniac bis Maastricht), Korrelation von Aufschlüssen und Bohrungen. – Z. dt. Ges. Geowiss., 157 (2): 245-262; Stuttgart.
Niebuhr, B. (2007): Schreibkreide-Gruppe. – In: Niebuhr, B.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Tröger, K.-A.; Voigt, S.; Voigt, T.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (Hrsg.): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 55: 67 - 69; Hannover.
Niebuhr, B., Baldschuhn, R., Ernst, G., Walaszczyk, I., Weiss, W. & Wood, C,J. (1999): The Upper Cretaceous succession (Cenomanian – Santonian) of the Staffhorst Shaft, Lower Saxony, northern Germany: integrated biostratigraphic, lithostratigraphic and downhole geophysical log data. – Acta Geologica Polonica, 49 (3): 175-213; Warszawa.
Tröger, K.-A. & Ulbrich, H. (1985): Megapaläontologische Bearbeitung von Oberkreide-Faunen zur Vervollständigung des Korrelationsschemas unter Berücksichtigung des Santons. – Unveröff. Ber., Bergakademie Freiberg, 90 S., Freiberg.
Schulz, M.-G., Ernst, G., Ernst, H. & Schmid, F. (1984): Coniacian to Maastrichtian stage boundaries in the standard section for the Upper Cretaceous white chalk of NW Germany (Lägerdorf–Kronsmoor–Hemmoor): Definitions and proposals. – Bull. geol. Soc. Denmark, 33: 203-215, Copenhagen.
Autor des Datenblattes: Niebuhr, B.
Erstellt am: 27.09.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 20.11.2006
Änderung Datensatz: 12.03.2010

Anzahl Litho alt: 1

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Litholex Recherche vom 23.06.2017, 10:31:23.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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