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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Hesseltal-Formation
ID: 2008036
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Hiss, Kaplan & Wiese (2007)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Plänerkalk-Gruppe, Obere Plänerkalk-Untergruppe
Chronostratigraphie: Unterturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Obercenomanium (Cenomanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Rotpläner (in Westfalen, z. B. Stille 1903, Skupin 1989), Scharzschiefer-Fazies (Ernst & Schmid 1979), Schwarzweiße Wechselfolge (Meyer 1990), Schwarzbunte Wechselfolge (Kaplan et al. 1998).
Lithologie: In der Hesseltal-Formation werden schwarzbunte (= Schwarzschiefer) und rot gefärbte (= Rotpläner) Sedimente zusammengefasst, die sich lateral vertreten können:
Dunkelgraue bis schwarze, z. T. auch grünlichgraue und untergeordnet rotbraune tonige Mergelsteine, wechsellagernd mit grünlichgrauen und weißen bis weißgrauen Kalkstein- oder Mergelkalksteinbänken sowie selten mit gelblichen oder rötlichen Mergelkalksteinen, charakterisieren den bisher als „Schwarzbunte Wechselfolge“, „Schwarzweiße Wechselfolge“ oder „Schwarzschiefer“ bekannt gemachten Teil der Formation.
In Westfalen kommen in Teilbereichen ausschließlich blassrote Mergelsteine mit Mergelkalksteinlagen ohne Schwarzschiefer vor (Rotpläner) die allerdings nie die Mächtigkeit wie in der Söhlde-Formation in Niedersachsens und Sachsen-Anhalt haben.
Untergeordnete Einheit: Die 0,3 bis 1 m mächtige plenus-Bank tritt wie in der Söhlde-Formation im unteren Teil der Formation auf und ermöglicht eine Korrelation zwischen beiden Formationen. Die plenus-Bank entspricht dem SP-Peak 10 in den aus vielen Bohrungen Norddeutschlands vorliegenden Eigenpotentialmessungen (SP-Log, vgl. Niebuhr et al. 1999).
Liegendgrenze: Die Liegendgrenze ist durch den „Fazieswechsel“ am Top der Brochterbeck-Formation scharf markiert und liegt biostratigraphisch an der Wende Calycoceras (P.) guerangeri- zu Metoicoceras geslinianum-Zone. Übertragen auf Bohrlochmessungen entspricht dieser "Fazieswechsel" der auffälligen Einschnürung bei Eigenpotential- und Widerstandskurven zwischen den Peaks 9 und 10. Er ist auch in Gamma- und Sonic-Logs immer klar zu erkennen.
Hangendgrenze: Die Hangendgrenze wird im Typusprofil mit der letzten markanten Schwarzschieferlage gezogen. Dort wo die Hesseltal-Formation im Münsterländer Kreide-Becken durch vorwiegend rot gefärbte Sedimente vertreten wird, liegt sie am Top des (meist geringmächtigen) Rotpläners.
Mittlere Mächtigkeit: Um 15 m, im südöstlichen Teil des Münsterländer Kreide-Beckens auch deutlich geringer.
Maximale Mächtigkeit: Ca. 17 m im Typusprofil Hesseltal, ca. 21 m im Raum Lengerich (Lehmann 1999), 26,5 m in der Bohrung Wunstorf.
Typusprofile, etc.: Das Typusprofil liegt im Steinbruch Komplex DIMAC im Hesseltal in Halle (Westf.), Ortsteil Hesseln (TK 25: 3916 Halle; vgl. Kaplan & Schmid 1983, Kaplan et al. 1998).
Weitere Referenzprofile: Lengerich, Dykerhoff Zementwerke AG, Bohrung Wunstorf bei Hannover, Hannover-Misburg (HPCF II, heute weitgehend verschüttet, untere Partien noch aufgeschlossen), Schneeberg bei Dörnten.
Verbreitung (Bundesländer): Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Norddeutsches Tiefland, Westfälische Bucht
Verbreitung (Ergänzung): Die Hesseltal-Formation ist im Münsterländer Kreide-Becken insbesondere in der östlichen Hälfte verbreitet und tritt an dessen Rand vom nördlichen Münsterland bis zur östlichen Paderborner Hochfläche zutage. In Niedersachsen kommt sie in Salzstruktur-Randsenken im Raum um Hannover vor (z. B. bei Wunstorf und Misburg).
Zeitgleiche Einheiten: Die in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt deutlich stärker und mit größerem zeitlichen Umfang als in Westfalen ausgeprägten Rotpläner werden dort in die Söhlde-Formation einbezogen.
Alterseinstufung: Die Hesseltal-Formation reicht vom höheren Obercenomanium (M. geslinianum Zone) bis in das tiefere Unterturonium (basale M. nodosoides Zone). Die Schwarzschiefer der Hesseltal-Formation repräsentieren das weltweit nachgewiesene und mittels d13C-Kurven korrelierbare OAE II. Die biostratigraphische Einstufung erfolgt mit Ammoniten , Inoceramen und untergeordnet mit planktonischen Foraminiferen.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Die Hesseltal-Formation dünnt im südöstlichen Westfalen aus. Zunächst fehlen rot- oder schwarz gefärbte Sedimente oberhalb der plenus-Bank, dort beginnt die Büren-Formation meist mit einem Hiatus unmittelbar über dieser Bank. Wo die Mergelstein-Folge unter der plenus-Bank ausdünnt, ist kartiertechnisch keine Abtrennung der Hesseltal-Formation mehr möglich. Die bis weit nach Westen in das Ruhrgebiet verfolgbare und in Tiefbohrungen nachgewiesene, zum Teil als knollige Kalksteinbank entwickelte plenus-Bank (sog. Kalkknollenbank) wird dort mit den lithologisch ähnlichen Kalksteinen der unterlagernden Brochterbeck-Formation zusammengefasst.
In Niedersachsen treten lokal (Schneeberg bei Dörnten, Sackmulde) sehr geringmächtige, der Hesseltal-Formation entsprechende Sedimente auf, die aufgrund ihrer geringen Mächtigkeit in geologischen Karten nicht gesondert dargestellt werden.
Literatur: Hiss, M.; Kaplan U.; Wiese, F. (2007): Hesseltal-Formation. – In: Niebuhr, B.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Tröger, K.-A.; Voigt, S.; Voigt, T.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (Hrsg.): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 55: 37 - 38; Hannover.
Kaplan, U.; Kennedy, W. J.; Lehmann, J.; Marcinowski, R. (1998): Stratigraphie und Ammonitenfaunen des westfälischen Cenoman. – Geol. Paläont. Westf. 51: 236 S.; Münster.
Kaplan, U.; Kennedy, W. J. (in Vorb.): Stratigraphie und Ammonitenfaunen des westfälischen Turon. – Geol. Paläont. Westf.; Münster.
Kaplan, U.; Schmid, F. (1983): Der Großammonit Pachydesmoceras denisonianum (STOLICZKA) und die Feinstratigraphie des hohen Ober-Cenoman im Hesseltal bei Halle in Westfalen (NW-Deutschland). - Veröff. Naturkde.-Mus. Bielefeld, 5: 20 S.; Bielefeld.
Lehmann, J. (1999): Integrated stratigraphy and palaeoenvironment of the Cenomanian – Lower Turonian (Upper Cretaceous) of Northern Westphalia, North Germany. – Facies, 40: 25 – 70; Erlangen.
Meyer, T. (1990): Biostratigraphische und sedimentologische Untersuchungen in der Plänerfazies des Cenoman von Nordwestdeutschland. – Mitt. geol. Inst. Univ. Hannover, 30: IV + 114 S.; Hannover.
Niebuhr, B.; Baldschuhn, R.; Ernst, G.; Walaszcyk, I.; Weiss, W.; Wood, C. J. (1999): The Upper Cretaceous succession (Cenomanian – Santonian) of the Staffhorst Shaft, Lower Saxony, northern Germany: integrated biostratigraphic, lithostratigraphic and downhole geophysical log data. – Acta Geologica Polonica, 49: 175 - 213; Warschau.
Skupin, K. (1989), mit Beitr. von Dahm-Arens, H.; Michel, G.; Vieth-Redemann, A.; Weber, P.: Erläuterungen zu Blatt 4418 Wünnenberg. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf 1 : 25 000, Erl., 4418: 151 S.; Krefeld.
Stille, H. (1903): Geologisch-hydrologische Verhältnisse im Ursprungsgebiet der Paderquellen zu Paderborn. - Abh. kgl. preuß. L.-Anst. u. Bergakad., N. F., 38: 129 S.; Berlin.
Autor des Datenblattes: Hiss, M.; Kaplan, U.; Wiese, F.
Erstellt am: 16.05.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.06.2006
Änderung Datensatz: 16.03.2010
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Litholex Recherche vom 25.05.2017, 14:31:56.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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