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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Baumberge-Formation
ID: 2008027
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Arnold (1964) (Baumberger Schichten)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Obercampanium (Campanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Zone des Heteroceras polyplocum und Ammonites Wittekindi und Scaphites pulcherrimus (Untere Mucronaten-Schichten) (Schlüter 1876); Baumberger Schichten (Arnold 1964; Hilden & Thiermann in Anderson et al. 1987); Baumberge-Schichten (Fesl et al. 2005; Dölling, im Druck)
Lithologie: Vorwiegend detritische Kalkmergelsteine, häufig schluffig bis feinsandig, z. T. Feinsandmergelsteine, selten Tonmergelsteine; Einlagerungen fester bis harter, sandiger Mergelkalkstein- Sandmergel- oder Kalksandsteinbänke; einzelne feinkörnige Mergelkalksteinbänke mit homogener Textur (= Werksteinbänke des Baumberger Sandsteins); an der Basis z. T. stark glaukonitisch (= Billerbecker Grünsand), sonst zum Teil schwach glaukonitisch.
Untergeordnete Einheit: Im Sinne eines Member ist der Billerbecker Grünsand an der Basis der Baumberge-Formation aufzufassen. Seine genaue Abgrenzung und laterale Ausdehnung ist aber bisher zu wenig bekannt, sodass eine sichere formale Festlegung als Member bisher nicht möglich ist. Die Werksteinbänke des Baumberger Sandsteins mit dem überlagernden Flammenmergel sind als Bank aufzufassen. Sie sind nicht horizontbeständig und können in ähnlicher lithologischer Ausbildung mehrfach im Profil vorkommen.
Liegendgrenze: Die Liegendgrenze der Baumberge-Formation ist durch den lithologischen Übergang von den Kalkmergelsteinen der Coesfeld-Formation zu einer Folge aus Kalkmergelsteinen und Kalksteinen mit hoher Festigkeit und dadurch bedingter Reliefversteilung gekennzeichnet. Auf der Westseite der Baumberge tritt dort zudem der Billerbecker Grünsand als markanter Leithorizont auf. Auf der Ostseite der Baumberge fehlt der Billerbecker Grünsand teilweise aufgrund einer Schichtlücke, dort ist die lithologische Abgrenzung gegenüber der liegenden Coesfeld-Formation teils schwierig, biostratigraphisch aber meist gut zu belegen (vgl. Kaplan et al. 2005; Dölling, im Druck).
Hangendgrenze: Die Hangendgrenze ist erosiv.
Mittlere Mächtigkeit: Im Nordteil der Baumberge (Schöppinger Berg) bis 55 m (nach Hiss 2001), im Zentralteil (Westerberg) 25 - >100 m, je nach Grad der Erosion (nach Dölling im Druck).
Maximale Mächtigkeit: > 100 m (in der Bohrung Longinusturm 1, TK 25: 4010 Nottuln)
Typusprofile, etc.: Typusregion sind die namengebenden Baumberge, insbesondere das Plateau um den Westerberg zwischen Nottuln, Havixbeck und Billerbeck. Als gut untersuchtes Typusprofil kann die Bohrung Longinusturm 1 (TK 25: 4010 Nottuln) gelten, die allerdings die Basis der Baumberge-Formation nicht erreicht hat (vgl. Dölling, im Druck). Die Basis wird durch die Bohrung Oberdarfeld 1 (TK 25: 3909 Horstmar) dokumentiert (vgl. Hiss 2001). Weitere Referenzprofile sind für den Bereich des Baumberger Sandsteins (Werksteinbänke) die Steinbrüche Dirks und Fark auf dem Westerberg (TK 25: 4010 Nottuln) sowie für den Billerbecker Grünsand der aufgelassene Steinbruch an der Freilichtbühne in Billerbeck (TK 25: 4009 Coesfeld) (vgl. Fesl et al. 2005, Kaplan et al. 2005, Riegraf 1995).
Verbreitung (Bundesländer): Nordrhein-Westfalen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Norddeutsches Tiefland, Westfälische Bucht
Verbreitung (Ergänzung): Münsterländer Kreide-Becken, zentrales Münsterland, Baumberge und Schöppinger Berg.
Zeitgleiche Einheiten: Die Baumberge-Formation ist die jüngste Einheit der Münsterländer Oberkreide. Zeitgleiche Einheiten kommen erst wieder nördlich des Wiehengebirges (Stemwede-Formation), im Raum Hannover (Ahlten-Formation) sowie in der norddeutschen Schreibkreide-Gruppe (Teile der Dägeling- und Kronsmoor-Formation) vor.
Alterseinstufung: Die Baumberge-Formation umfasst das obere Obercampanium von der polyplocum- bis zur grimmensis/granulosus-Zone im Sinne der borealen Standard-Zonierung. Mikro- und Makrofaunen erlauben Einstufungen nach Cephalopoden (Belemniten und Ammoniten) und benthischen Foraminiferen. Eine zusammenfassende Darstellung bisheriger biostratigraphischer Ergebnisse geben Kaplan et al. (2005). Die Obergrenze der Baumberge-Formation wird magnetostratigraphisch an die Grenze Campanium/Maastrichtium gestellt (Hambach & Krumsiek 2000)
Kommentar: In Geologischen Karten wird traditionell eine Zweigliederung der Baumberge-Formation in Untere und Obere Baumberge-Schichten vorgenommen. Die Grenze wird mit dem Flammenmergel über den derzeit in den zuvor genannten Referenzsteinbrüchen aufgeschlossenen Werksteinen (Baumberger Sandstein) gezogen. Da vergleichbare Werkstein- und Flammenmergel-Horizonte aber zum Teil mehrfach auftreten und in anderen Bereichen vollständig fehlen, bilden diese kein geeignetes Kriterium, um darauf eine Unterteilung der Baumberge-Formation in verschiedene Member zu begründen.
Versch./Sonstiges: Die Baumberge-Formation ist eine durchgehend marine Sedimentfolge. Ein genetisches Modell der turbiditischen Entstehung der Werksteinbänke und Flammenmergelhorizonte geben Fesl et al. (2005).
Literatur: Anderson, H. J.; Bosch, M. van den; Braun, F. J.; Drozdzewski, G.; Hilden, H. D.; Hoyer, P.; Knapp, G.; Rehagen, H.-W.; Stadler, G.; Teichmüller, R.; Thiermann, A.; Vogler, H. (1987): Erläuterungen zu Blatt C 4306 Recklinghausen. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 100 000, Erl., C 4306, 2. Aufl.: 164 S.; Krefeld.
Arnold, H. (1964): Die höhere Oberkreide im nordwestlichen Münsterland. – Fortschr. Geol. Rheinld. u. Westf., 7: 649 – 678; Krefeld.
Dölling, B. (im Druck), mit Beitr. von Heuser, H.: Erläuterungen zu Blatt 4010 Nottuln. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 25 000, Erl., 4010; Krefeld.
Fesl, S.; Bornemann, A.; Mutterlose, J. (2005): Die Baumberge-Schichten (Ober-Campan) im Nordwestlichen Münsterland – Biostratigraphie und Ablagerungsraum. – Geol. Paläont. Westf., 65: 95 – 116; Münster.
Hambach, U.; Krumsiek, K. (2000): Magnetische Polaritätsstratigraphie in der Kreide. – In: Stratigraphische Kommission Deutschlands (Hrsg.): Stratigraphie von Deutschland III. Die Kreide der Bundesrepublik Deutschland. Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 226: 51 – 59; Frankfurt a. M.
Hiss, M. (2001), mit Beitr. von Elfers, H.; Suchan, K.-H.; Schraps, W.-G.: Erläuterungen zu Blatt 3909 Horstmar. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 25 000, Erl., 3909: 183 S.; Krefeld.
Kaplan, U.; Kennedy, W. J.; Hiss, M. (2005): Stratigraphie und Ammonitenfaunen des Campan im nordwestlichen und zentralen Münsterland. – Geol. Paläont. Westf., 64: 171 S; Münster.
Riegraf, W. (1995): Radiolarien, Diatomeen, Cephalopoden und Stratigraphie im pelagischen Campanium Westfalens (Oberkreide, NW-Deutschland). – N. Jb. Geol. Paläont. Abh., 197: 192 – 200; Stuttgart.
Schlüter, C. (1876): Die Cephalopoden der oberen deutschen Kreide, 2. – Palaeontographica, 24 (1 – 4): 1 – 144; Kassel.
Autor des Datenblattes: Hiss, M.
Erstellt am: 10.05.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.06.2006
Änderung Datensatz: 22.06.2006


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Litholex Recherche vom 26.04.2017, 11:53:53.

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Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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