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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Söhlde-Formation
ID: 2008023
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Wiese, Hiss, Voigt (2007)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Plänerkalk-Gruppe, Obere Plänerkalk-Untergruppe
Chronostratigraphie: Turonium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Oberturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Mittelturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Unterturonium (Turonium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Obercenomanium (Cenomanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: In Niedersachsen und Sachsen-Anhalt entspricht die Söhlde-Formation etwa den Rotplänern bzw. den labiatus-Schichten (= „Rothe Brogniarti-Schichten“ sensu von Strombeck 1857) und den lamarcki-Schichten, wie sie traditionell in der geologischen Landesaufnahme verwendet werden.
Lithologie: Lithologisch extrem heterogene Kalk- und Mergelsteine mit engräumigen lateralen Lithofazies-Übergängen. Typisch sind rote und weiße knollige Kalksteine, rote und weiße gebankte Mergelkalksteine (Plänerkalke) und Kalk-/Mergelstein-Wechselfolgen, Mergelsteinlagen und blättrige Mergelsteinpakete mit dünnen Kalksteinbänkchen im cm-Bereich. Die Sedimente weisen häufig Intraklasten-Horizonte und Rinnenstrukturen variabler Dimensionen auf. Fossilschutt aus vorwiegend Inoceramen-Schalen kann in Lagen angereichert sein.
Untergeordnete Einheit: Die Söhlde-Formation kann in folgende Member unterteilt werden: Unterer, Mittlerer und Oberer Rotpläner. Markante Bänke sind die plenus-Bank (SP-Peak 10 in Eigenpotential-Bohrlochmessungen), die Weiße Grenzbank (Leitbank 25 bei Karpe 1973; SP-Peak 13) sowie die Tuffhorizonte TC, TC2 und TD.
Liegendgrenze: Die Liegendgrenze ist durch den „Fazieswechsel“ am Top der Brochterbeck-Formation scharf markiert.
Hangendgrenze: Die Hangendgrenze verläuft diachron und wird durch das Einsetzen massiger, weißer Kalksteine der Salder-Formation definiert.
Mittlere Mächtigkeit: Zur mittleren Mächtigkeit ist keine Angabe möglich, da diese in Abhängigkeit vom Paläeorelief starken Schwankungen unterliegt.
Maximale Mächtigkeit: Aufgeschlossen in Söhlde-Loges: ca. 45 m, Bohrung Quedlinburg ca. 80 m.
Typusprofile, etc.: Typusregion und namengebend ist der Raum um Söhlde bei Salzgitter (Lesser Mulde, TK 3827 Lebenstedt-West). Zahlreiche Referenzprofile der Steinbrüche Loges und Damman erschließen dort alle typischen Lithologien. Ein einzelnes Typusprofil, das die gesamte Formation umfasst, existiert nicht.
Verbreitung (Bundesländer): Niedersachsen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Aufschlüsse der Söhlde-Formation finden sich in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Die geographische Ausdehnung im Untergrund von Norddeutschland ist bisher nicht bekannt.
Zeitgleiche Einheiten: Die Söhlde-Formation korreliert etwa mit der Büren- und Oerlinghausen-Formation im Münsterländer Kreide-Becken. In ihrem tiefsten Abschnitt verzahnt sie lateral mit der Hesseltal-Formation.
Alterseinstufung: Die Söhlde-Formation reicht vom Obercenomanium bis in das Oberturonium. Die Alterseinstufung erfolgt biostratigraphisch hauptsächlich mit Inoceramen sowie eventstratigraphisch (Ernst et al. 1998, Wiese et al. 2000). Das event- und isotopenstratigraphische Gerüst (Voigt & Hilbrecht 1997) ermöglich die zweifelsfreie Applikation der in Westfalen etablierten Ammoniten-Stratigraphie (Kaplan 1986, Kaplan & Kennedy 1996) in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.
Kommentar: Die Tufflagen Tc, TC2 und TD ermöglicht eine überregionale Korrelation nach England (Wray & Wood 1995).
Versch./Sonstiges: In Bohrungen ist der Fazieswechsel und damit die Basis der Söhlde-Formation durch einen starken Abfall im Widerstandslog erkennbar. In Eigenpotentialmessungen norddeutscher Bohrungen liegt die Basis oberhalb von SP-Peak 9. Der deutlichste Markerhorizont ist der SP-Peak 13, der der Weißen Grenzbank zuzuordnen ist und überregionale Korrelationen ermöglicht (vgl. Baldschuhn & Jaritz 1977, Niebuhr et al. 1999, Niebuhr et al. 2001).
Literatur: Baldschuhn, R.; Jaritz, W. (1977): Stratigraphie der Oberkreide in Nordwestdeutschland (Pompeckjsche Scholle). Teil 1: Korrelation der Bohrlochdiagramme und des Kernmaterials. – Geol. Jb., A 38: 7 – 9; Hannover.
Ernst, G.; Wood, C. J.; Rehfeld, U. (1998): Cenomanian-Turonian of Söhlde. – In: Mutterlose, J.; Bornemann, A.; Rauer, S.; Spaeth, C.; Wood, C. J. [Hrsg.]: Key localities of the northwest European Cretaceous. – Bochumer geol. u. geotechn,. Arb., 48: 102 – 120; Bochum.
Kaplan, U.; Kennedy, W. J. (1996): Upper Turonian and Coniacian ammonite stratigraphy of Westphalia, NW-Germany. – Acta Geologica Polonica, 46: 305 – 352; Warschau.
Kaplan, U. (1986): Ammonite stratigraphy of the Turonian of NW-Germany. – Newsletters on Stratigraphy, 17: 9 – 20; Stuttgart.
Karpe, W. (1973): Zur Feinstratigraphie der oberkretazischen Karbonatgesteine in der östlichen subherzynen Kreidemulde. – Z. geol. Wiss., 1: 269 – 292; Berlin.
Niebuhr, B.; Baldschuhn, R.; Ernst, G.; Walaszcyk, I.; Weiss, W.; Wood, C. J. (1999): The Upper Cretaceous succession (Cenomanian – Santonian) of the Staffhorst Shaft, Lower Saxony, northern Germany: integrated biostratigraphic, lithostratigraphic and downhole geophysical log data. – Acta Geologica Polonica, 49: 175 - 213; Warschau.
Niebuhr, B.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (2001): The cored Konrad 101 borehole (Cenomanian – Lower Coniacian, Lower Saxony): calbration of surface and subsurface log data for the lower Upper Cretaceous of northern Germany. – Cret. Res., 22 (5): 643 – 674; London.
Strombeck, A. v. (1857): Gliederung des Pläners im nordwestlichen Deutschland nächst dem Harze. – Z. dt. geol. Ges., 9: 415 – 419; Berlin.
Voigt, S.; Hilbrecht, H. (1997): Late Cretaceous carbon isotope stratigraphy in Europe: Correlation and relations with sea level and sediment stability. – Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 134: 39 – 59; Amsterdam.
Wiese, F.; Hilbrecht, H.; Wood, C. J. (2000): Turon. – In: Stratigraphische Kommission Deutschlands [Hrsg.]: Stratigraphie von Deutschland III. Die Kreide der Bundesrepublik Deutschland. – Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 226: 27 – 31; Frankfurt/M.
Wiese, F.; Hiss, M.; Voigt, S. (2007): Söhlde-Formation. – In: Niebuhr, B.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Tröger, K.-A.; Voigt, S.; Voigt, T.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (Hrsg.): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 55: 40 - 41; Hannover.
Wray, D. S.; Wood, C. J. (1995): Geochemical identification and correlation of tuff layers in Lower Saxony. – Berliner geowissenschaftliche Abhandlungen, E16: 215 – 225; Berlin.
Autor des Datenblattes: Wiese, F.; Hiss, M.; Voigt, S.
Erstellt am: 10.05.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 13.06.2006
Änderung Datensatz: 12.03.2010

Anzahl Litho alt: 1

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Litholex Recherche vom 24.04.2017, 07:26:02.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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