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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Baddeckenstedt-Formation
ID: 2008011
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Wilmsen & Hiss (2007)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Plänerkalk-Gruppe, Untere Plänerkalk-Untergruppe
Chronostratigraphie: Cenomanium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Mittelcenomanium (Cenomanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Untercenomanium (Cenomanium, Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Varians-Pläner oder Varians-Schichten, Cenoman-Pläner oder Plänerkalke (Stille 1903, Eisenlohr 1980, und in zahlreichen geologischen Karten), Plattige Mergelkalkfolge (Karpe 1973).
Lithologie: Im Dezimeterbereich rhythmisch gebankte Wechselfolge von grauen Kalkmergelsteinen und hellgrauen mergeligen Kalksteinen, meist sehr fossilreich (besonders Inoceramen, Ammonoideen, Schwämme, Brachiopoden, Echiniden) und bioturbat.
Untergeordnete Einheit: Das Wamel-Member charakterisiert ein stark spiculitisches, proximales Äquivalent der Formation. Die rhytmische Bankung ist dort zugunsten von mehrere Dezimeter- bis Meter mächtigen, kieseligen, z.T. Flint führenden, stark bioturbaten Mergelkalksteinbänken mit dünneren Kalkmergelstein-Zwischenlagen verschoben.
Im Sinne von Bänken sind folgende Leithorizonte zu verstehen:
Sponge Beds: Schwamm- und Inoceramenschill-reiche Schichten nahe der Basis der Formation (Ernst & Rehfeld 1997);
Schloenbachia/virgatus-Event: vier bis sechs sehr karbonatische Kalk/Mergel-Bankpaare mit massenhaft Inoceramus ex gr. virgatus (Ernst et al. 1983);
primus-Event: fossilreicher Belemnitenhorizont (Ernst et al. 1983).
Liegendgrenze: Die z. T. diachrone Liegendgrenze wird von den Kalkmergelsteinen der Herbram-Formation (ohne, bzw. nur mit einzelnen, dünnen Mergelkalksteineinlagerungen), bzw. den glaukonitischen Sandmergel- und Mergelsteinen der Essen-Grünsand-Formation gebildet.
Hangendgrenze: Mergelkalk- und Kalksteine der Brochterbeck-Formation mit nur wenigen dünnen Kalkmergelstein-Zwischenlagen bilden die Hangendgrenze der Einheit.
Mittlere Mächtigkeit: Etwa 24 m am Typusprofil in Baddeckenstedt (s. Abb.); das Wamel-Member erreicht am östlichen Haarstrang und in der Paderborner Hochfläche bis zu 70 m (Skupin 1989).
Maximale Mächtigkeit: Bis über 80 m (Wunstorf bei Hannover).
Typusprofile, etc.: Aufgelassener Steinbruch am südlichen Hang des Raster Berges, am NW-Rand des namengebenden Ortes Baddeckenstedt, östlich der Bundestrasse 6 zwischen Hildesheim und Goslar; TK 25: 3927 Ringelheim (Wilmsen & Niebuhr 2002; Wilmsen 2004; s. Abb.). Referenzprofil ist der ebenfalls aufgelassene Steinbruch Wunstorf, ca. 20 km westlich von Hannover an der A2 gelegen (s. Wilmsen 2003).
Verbreitung (Bundesländer): Brandenburg
Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Norddeutsches Tiefland, Westfälische Bucht
Verbreitung (Ergänzung): In Westfalen ist die Baddeckenstedt-Formation vom östlichen Ruhrgebiet an nach Osten und Norden verbreitet, auch im Untergrund des Münsterlandes. Vom Haarstrang bis zur Paderborner Hochfläche wird sie durch das Wamel-Member vertreten. Von Niedersachsen bis Sachsen-Anhalt (Subherzyn) sowie in Brandenburg ist die Einheit oberflächig bzw. im Untergrund weit verbreitet. Es existieren keine gesicherten Erkenntnisse darüber, ob die Baddeckenstedt-Formation auch im tieferen Untergrund von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern verbreitet ist.
Zeitgleiche Einheiten: Essen-Grünsand-Formation als proximale Randfazies, z.T. auch Herbram- und Brochterbeck-Formation.
Alterseinstufung: Die biostratigraphische Einstufung erfolgt hauptsächlich nach Inoceramen und Ammoniten, daneben werden mehrere weitere Parastratigraphien angewendet, z. B. benthische und planktische Foraminiferen. Event-, Zyklo- und sequenzstratigraphische Gliederungen sowie Isotopen-Untersuchungen liegen ebenfalls vor (z. B. Wilmsen 2003). Es existieren zahlreiche stratigraphische Arbeiten, Literaturübersichten finden sich in Stratigraphische Kommission Deutschlands (2000) und Wilmsen et al. (2005).
Kommentar: Mittels höchstauflösender multistratigraphischer Einstufungen sind weitreichende Korrelationen auf Bankniveau möglich.
Versch./Sonstiges: Die Liegendgrenze zur Herbram- und Essen-Formation und die Hangendgrenze zur Brochterbeck-Formation sind graduell, verlaufen diachron und sind von der paläogeographischen Position abhängig. Bei den Ablagerungen handelt es sich um orbital gesteuerte Mittelschelfsedimente eines offenen Epikontinentalmeeres (cf. Wilmsen et al. 2005).
Literatur: Eisenlohr, H. (1980): Dreigliederung des varians-Pläners (Kc2) am Teutoburger Wald zwischen Iburg und Rheine. - N. Jb. Geol. Paläont., Mh, 1980(5): 272 – 276; Stuttgart.
Ernst, G.; Rehfeld, U. (1997): Transgressive development in the Early Cenomanian of the Salzgitter area (northern Germany) recorded by sea level controlled eco- and litho-events. – Freiberger Forschungshefte, C 468: 79 – 107; Freiberg.
Ernst, G.; Schmid, F.; Seibertz, E. (1983): Event-Stratigraphie im Cenoman und Turon von NW-Deutschland. – Zitteliana, 10: 531 – 554; München.
Karpe, W. (1973): Zur Feinstratigraphie der oberkretazischen Karbonatgesteine in der östlichen subherzynen Kreidemulde. – Z. geol. Wiss., 1: 269 – 292; Berlin.
Skupin, K. (1989), mit Beitr. von Dahm-Arens, H.; Michel, G.; Vieth-Redemann, A.; Weber, P.: Erläuterungen zu Blatt 4418 Wünnenberg. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf 1 : 25 000, Erl., 4418: 151 S.; Krefeld.
Stratigraphische Kommission Deutschlands [Hrsg.] (2000): Stratigraphie von Deutschland III. Die Kreide der Bundesrepublik Deutschland. – Courier Forschungsinstitut Senckenberg, 226: 1 – 207; Frankfurt a. M.
Stille, H. (1903): Geologisch-hydrologische Verhältnisse im Ursprungsgebiet der Paderquellen zu Paderborn. - Abh. kgl. preuß. L.-Anst. u. Bergakad., N. F., 38: 129 S.; Berlin.
Wilmsen, M. (2003): Sequence stratigraphy and palaeoceanography of the Cenomanian Stage in northern Germany. – Cretaceous Research, 24(5): 525 – 568; Amsterdam.
Wilmsen, M. (2004): Steinbruch Baddeckenstedt (Untercenoman bis Mittelturon). – In: Mutterlose, J.; Steffahn, J (Hrsg.): Exkursionsführer: Die Kreide des Subherzynen und östlichen Niedersächsischen Beckens. – Bochumer geowiss. Arb., 4: 72 – 84; Bochum.
Wilmsen, M.; Hiss, M. (2007): Baddeckenstedt-Formation. – In: Niebuhr, B.; Hiss, M.; Kaplan, U.; Tröger, K.-A.; Voigt, S.; Voigt, T.; Wiese, F.; Wilmsen, M. (Hrsg.): Lithostratigraphie der norddeutschen Oberkreide. – Schriftenr. dt. Ges. Geowiss., 55: 32 - 33; Hannover.
Wilmsen, M.; Niebuhr, B. (2002): Stratigraphic revision of the upper Lower and Middle Cenomanian in the Lower Saxony Basin (northern Germany) with special reference to the Salzgitter area. – Cretaceous Research, 23(4): 445 – 460; London.
Wilmsen, M.; Niebuhr, B.; Hiss, M. (2005): The Cenomanian of northern Germany: facies analysis of a transgressive biosedimentary system. – Facies, 51: 242 – 263; Berlin, Heidelberg, New York (Springer).
Autor des Datenblattes: Wilmsen, M.; Hiss, M.
Erstellt am: 31.03.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.06.2006
Änderung Datensatz: 16.03.2010
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Litholex Recherche vom 27.03.2017, 04:44:02.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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