litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Essen-Grünsand-Formation
ID: 2008009
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Römer (1854) (Grünsand von Essen)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Plänerkalk-Gruppe, Untere Plänerkalk-Untergruppe
Chronostratigraphie: Cenomanium (Oberkreide, Kreide, Mesozoikum)
Synonyme: Essener Grünsand einschließlich Transgressions- und Toneisensteinkonglomerat (Bärtling 1921, Kukuk 1938), Essener Grünsand (z. B. Rabitz & Hewig 1987), Tourtia (pars, z.B. von Strombeck 1857).
Lithologie: Glaukonitische Sande (schwach verfestigt) oder Sandsteine, teils konglomeratisch (häufig mit Lagen von Brauneisensteinkonglomerat), übergehend in glaukonitische Sandmergelsteine, Gesteinsausbildung lokal sehr stark wechselnd.
Untergeordnete Einheit: Häufig zu beobachten ist ein basales Transgressionskonglomerat mit teils groben Sandsteingeröllen und z. T. Sandsteinblöcken. Im Ruhrgebiet folgt darüber vielfach das Braun- oder Toneisensteinkonglomerat als konglomeratischer, glaukonitischer, brauneisenreicher Sandstein mit Kiesen aus aufgearbeiteten karbonischen Toneisensteinen (östlich des Ruhrgebiets fehlt dieses in der Regel). Der „Essener Grünsand“ im engeren Sinne ist der darauf folgende, stark glaukonitische, meist grüne Sand, Sandstein oder Sandmergelstein. Neben der beschriebenen normalen Abfolge im Ruhrgebiet zeigt sich eine starke Abhängigkeit vom Paläorelief, verbunden mit starken Mächtigkeitsschwankungen und gelegentlichen Sonderbildungen, z. B. stark kondensierte Sedimente in Kolken auf Karbon-Sandsteinklippen (z.B. „Klippenkalke“) oder als Strandwallbildungen gedeutete, grobe Konglomeratlagen. Im Ohmgebirge (Thüringen, Eichsfeld) auch als Sonderfazies mit phosphoritisierten Spongien (Tröger & Schubert 1993, Tröger 2000).
Liegendgrenze: Im Ruhrgebiet ist die Essen-Grünsand-Formation meist transgressiv auf dem paläozoischen Unterlager verbreitet, nach Norden auch über glaukonitischen Sand- und Mergelsteinen des Oberalbium. Dort ist sie durch einen in der Sedimentfolge erkennbaren Hiatus sowie biostratigraphisch abgrenzbar. Im Salzgitterer Raum, Subherzyn und Ohmgebirge lagert die Einheit meist transgressiv auf mesozoischen Einheiten (z. B., Muschelkalk, Keuper, Neokom-Sandsteinen).
Hangendgrenze: Die Hangendgrenze verläut diachron und wird durch das Aussetzen der Glaukonitführung definiert.
Mittlere Mächtigkeit: Stark schwankend, da sehr stark vom Untergrundrelief abhängig. Mittlere Werte liegen häufig um 5 m.
Maximale Mächtigkeit: Im Raum Dortmund im Schacht Minister Stein 6 sind bis 17,8 m nachgewiesen (Rabitz & Hewig 1987).
Typusprofile, etc.: Typusregion ist das Ruhrgebiet zwischen der namengebenden Stadt Essen und der Stadt Dortmund. Es ist kein Typusprofil festgelegt. Die Essen-Grünsand-Formation war durch zahlreiche, zum Teil auch gut dokumentierte Bergbau- und auch Tagesaufschlüsse erschlossen, die aber fast alle nicht mehr zugänglich sind. Als Referenzprofile können folgende, dauerhaft zugängliche Profile gelten: Kassenberg in Mülheim-Broich (TK 25: 4507 Mülheim/Ruhr, vgl. Scheer & Stottrop 1995; hier ist die sogenannte Klippenfazies erschlossen), Geologischer Garten in Bochum (TK 25: 4509 Bochum, vgl. Mutterlose 2003; hier ist der tiefere Teil der Essen-Grünsand-Formation erschlossen), Aufgelassene Steinbrüche östlich von Fröndenberg-Frömern (TK 25: 4412 Unna, vgl. Hiss 1998).
Verbreitung (Bundesländer): Niedersachsen
Nordrhein-Westfalen
Sachsen-Anhalt
Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Norddeutsches Tiefland, Börden am Fuß der Mittelgebirge
Norddeutsches Tiefland, Westfälische Bucht
Norddeutsches Tiefland, Niederrheinische Bucht
Mittelgebirge
Mittelgebirge, Thüringer Becken
Verbreitung (Ergänzung): Wesentliche Verbreitungsgebiete sind in Nordrhein-Westfalen das Ruhrgebiet sowie das südliche und südwestliche Münsterland (Westfälische Tieflandsbucht und Rand der Niederrheinischen Bucht). In Thüringen (Eichsfeld) sind es der Holunger und Worbiser Graben im Ohmgebirge. In Niedersachsen und Sachsen-Anhalt ist die Essen-Grünsand-Formation insbesondere im Raum Salzgitter verbreitet. Im Subherzyn ist die Einheit oft in geringen Mächtigkeiten an der Basis der Herbram-Formation vorhanden, kartiertechnisch jedoch nicht gesondert darstellbar.
Zeitgleiche Einheiten: Die Essen-Grünsand-Formation bildet die proximale, flachmarine Fazies des transgredierenden Cenoman-Meeres (Frieg et al. 1990, Wilmsen et al. 2005). Beckenwärts schließen sich die Herbram-, Baddeckenstedt- und Brochterbeck-Formationen an.
Alterseinstufung: Die Alterseinstufung erfolgt biostratigraphisch hauptsächlich mit Ammoniten und Belemniten (vgl. Kaplan et al. 1998) sowie anhand von benthischen Foraminiferen (Frieg et al. 1989).
Kommentar: Während die Essen-Grünsand-Formation in der proximalen Randfazies im westlichen Ruhrgebiet das komplette Cenomanium umfasst, ist sie weiter östlich und nördlich auf tiefere Abschnitte des Cenomanium beschränkt. In ihrem distalen Bereich am östlichen Haarstrang und in der Paderborner Hochfläche umfasst sie lediglich das tiefste Untercenomanium, währen darüber im höheren Untercenomanium bereits Herbram-Formation und Wamel-Member der Baddeckenstedt-Formation vorhanden sind. Im Salzgitterer Raum, Subherzyn und Ohmgebirge ist die Essen-Grünsand-Formation ebenfalls meist auf das tiefere Untercenomanium beschränkt.
Versch./Sonstiges: Geringmächtige glaukonitische Basissedimente der Herbram-Formation sind ein (nicht kartierbares) Äquivalent der Essen-Grünsand-Formation.
Literatur: Bärtling, R. (1921): Transgressionen, Regressionen und Faziesverteilung in der Mittleren und Oberen Kreide des Beckens von Münster. – Z. dt. geol. Ges., 72 (Abh.): 161 – 217; Berlin.
Frieg, C.; Kemper, E.; Owen, H. G. (1989): Die stratigraphische Gliederung des Alb und Cenoman im südwestlichen Münsterland nach Ammoniten, Foraminiferen, Ostrakoden und Bohrlochmessungen. – Geol. Jb., A 113: 7 – 49; Hannover.
Frieg, C., Hiss, M., Keaver, M. (1990): Alb und Cenoman im zentralen und südlichen Münsterland (NW-Deutschland) – Stratigraphie, Fazies, Paläogeographie. – N. Jb. Geol. Paläont., Abh., 181(1-3): 325 - 363; Stuttgart.
Hiss, M. (1998): Cenomanian-Turonian of Frömern. – In: Mutterlose, J.; Bornemann, A.; Rauer, S.; Spaeth, C.; Wood, C. J. [Hrsg.]: Key localities of the northwest European Cretaceous. – Bochumer geol. u. geotech. Arb., 48: 170 – 173; Bochum.
Kaplan, U., Kennedy, W. J., Lehmann, J., Marcinowski, R. (1998): Stratigraphie und Ammonitenfaunen des westfälischen Cenoman. – Geol. Paläont. Westf., 51: 236 S.; Münster.
Kukuk, P. (1938): Geologie des Niederrheinisch-Westfälischen Steinkohlengebietes. – 706 S., 743 Abb.; Berlin (Springer).
Mutterlose, J. (2003): Geologischer Garten Bochum, Exkursionsführer durch ein Naturdenkmal. – 44 S.; Bochum (Umweltamt der Stadt Bochum).
Rabitz, A.; Hewig, R. (1987), mit Beitr. von Erkwoh, F.-D.; Kalterherberg, J.; Kamp, H. von; Rehagen, H.-W.; Vieth-Redemann, A.: Erläuterungen zu Blatt 4410 Dortmund. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1 : 25 000, Erl., 4410, 2. Aufl.: 159 S.; Krefeld.
Römer, F. (1854): Die Kreidebildungen Westphalens. – Verh. naturhist. Ver. preuß. Rheinld. u. Westf., 11: 29 – 180; Bonn.
Scheer, U.; Stottrop, U. (1995): Die Kreide am Kassenberg. – In: Weidert, W. [Hrsg.]: Klassische Fundstellen der Paläontologie, 3: 140 – 141; Korb (Goldschneck-Verlag).
Strombeck, A. von (1857): Gliederung des Pläners im nordwestlichen Deutschland nächst dem Harze. – Z. dt. Geol. Ges., 9: 415 – 419; Berlin.
Tröger, K.-A.; Schubert, J. (1993): Bemerkungen zur Ausbildung und Biostratigraphie des Oberkreide-Profils im nördlichen Teil des Holunger Grabens (Thüringer Becken). – Z. geol. Wiss., 21(3/4): 403 – 415; Berlin.
Tröger, K.-A. (2000): Thüringen (Eichsfeld). – In: Stratigraphische Kommission Deutschlands [Hrsg.]: Stratigraphie von Deutschland III. Die Kreide der Bundesrepublik Deutschland. – Courier Forschungsinstitut Senckenberg, 226: 132; Frankfurt a. M.
Wilmsen, M.; Niebuhr, B.; Hiss, M. (2005): The Cenomanian of northern Germany: facies analysis of a transgressive biosedimentary system. – Facies, 51: 242 – 263; Berlin, Heidelberg, New York (Springer).
Autor des Datenblattes: Hiss, M.
Erstellt am: 31.03.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Kreide
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 22.06.2006
Änderung Datensatz: 22.06.2006


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 27.03.2017, 22:29:44.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID