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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Manebach-Formation
ID: 20
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Beyschlag (1895, S. 602), mit veränderter Abgrenzung Lützner (1969) („Manebacher Schichten“).
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Rotliegend / Unterrotliegend Thüringer Wald
Chronostratigraphie: Asselium (Unterperm (Cisuralium), Perm, Paläozoikum)
Synonyme: Synonym: Obere Manebacher Schichten sensu Haubold (1985).
Obsolet: Manebach-Gruppe und Kammerberg-Formation sensu Haubold & Katzung (1980).
Lithologie: Die Manebach-Formation besteht aus einer Abfolge von grauen Konglomeraten, Sandsteinen und grauen bis schwarzen Schluff-(Silt-) und Tonsteinen, lokal mit geringmächtigen Kohleflözen. In Bohrungen wurden selten geringmächtige Tufflagen gefunden (Gebiet Manebach: Deubel 1948; Bohrung Zella-Mehlis 1: Andreas 2006). Die Konglomerate haben polymikte Zusammensetzung einschließlich von charakteristischem Detritus aus dem Grundgebirgsrahmen. Das Bildungsmilieu ist fluviatil bis palustrisch-lakustrin.
Untergeordnete Einheit: Im Typusgebiet bei Manebach unterschied Deubel (1930, 1960) Grundkonglomerat (heute Ilmenau-Formation), Untere Sandsteine, Flözführende Schichten, Obere Sandsteine und Konglomerat mit lachsfarbenen Geröllen (heute Goldlauter-Formation). In anderen Teilen des Verbreitungsgebietes ist diese Unterteilung nur teilweise nachzuvollziehen oder nicht gegeben.
Liegendgrenze: Der Beginn fluviatiler Sedimentation mit polymiktem Geröllspektrum markiert die Liegendgrenze. In vielen Lokalprofilen ist die Untergrenze zugleich ein Korngrößensprung, der eine gröberkörnige Schüttung einleitet.
Hangendgrenze: Auflagerung basaler Konglomerate der Goldlauter-Formation mit „lachsfarbenen“ bis orangeroten Vulkanitgeröllen.
Mittlere Mächtigkeit: Im Typusgebiet bei Manebach 150-180 m, Bohrung Zella-Mehlis 1: 130 m, Schleusinger Randzone ca. 80 m, südliches Vorland >200 m (Bohrung Dreisbach 1) bis 370 m (Bohrung Thüringen Süd 1), Gebiet Winterstein 20-30 m, im zentralen Thüringer Wald stellenweise nicht entwickelt.
Maximale Mächtigkeit: Ca. 180 m (Typusgebiet), >300 m im südlichen Vorland des Thüringer Waldes
Typusprofile, etc.: Umgebung von Manebach bei Ilmenau (Kartierung Deubel 1930, 1960, Lützner 1964, Bohrungen Manebach 1, 4, 5a). Aufschlüsse: Straßenanschnitt in Manebach, Stützerbacher Straße.
Verbreitung (Bundesländer): Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Thüringer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Im südöstlichen Thüringer Wald ist die Manebach-Formation durchgehend verbreitet, wenn auch der Ausstrich zwischen Manebach und südwestlichem Gebirgsrand durch jüngere Lagerungsstörungen unterbrochen wird. Die Verbreitung setzt sich im südwestlichen Vorland fort und erreicht hier offenbar maximale Mächtigkeiten (Andreas 2006). Im nordwestlichen Thüringer Wald ist die Verbreitung bis zur Ostflanke des Ruhlaer Kristallins gesichert. Im nordöstlichen Vorland fehlen Informationen (Gebiet intrarotliegender Abtragung).
Zeitgleiche Einheiten: Nach der Lithologie und paläoklimatischen Indizien (Kohlebildung) liegt eine Korrelation mit der Döhlen-Formation im Döhlen-Becken nahe. Nach der erhöhten Humidität des Bildungsmilieus kann die Manebach-Formation auch mit der Wahnwegen-Formation im Saar-Nahe-Gebiet verglichen werden.
Alterseinstufung: Die Flora der Manebach-Formation in den flözführenden Schichten von Manebach (FH 5 Thüringer Wald) gilt als typische, formenreichste und wissenschaftsgeschichtlich bedeutendste Rotliegendflora schlechthin (Barthel 1982, 2001). Eine differenziertere biostratigraphische Einstufung liefert jedoch die Fauna. Unter den Fischresten charakterisieren die Haifischzähne die Bohemiacanthus-Zone Om (Schneider 1996) bzw. die Bohemiancanthus palatinus-Zone nach Hampe (1989). Die Insektenreste lassen sich der Sysciophlebia ilfeldensis- bis S. balteata-Zone (Schneider & Werneburg 1993) zuordnen. Die Conchostracen fallen in die Lioestheria lallyiensis-Assemblagezone von Martens (1883) bzw. die Lioestheria paupera-Zone von Holub & Kozur (1981).Radiometrische Daten liegen aus der Manebach-Formation nicht vor.Magnetostratigraphische Untersuchungen (Menning et al. 1988) weisen auf ein fragliches normal polarisiertes Event zur Ablagerungszeit der Manebach-Formation hin. Da die Proben aus den pelitischen Grausedimenten sehr schwache und wahrscheinlich subrezent überprägte Signale lieferten, sind weitere Messungen erforderlich.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Im Typusgebiet stellt die Manebach-Formation einen Sedimentationszyklus dar, der von sandig-kiesigen zu dunklen Peliten mit Kohleflözen und schließlich wieder zu sandigen Ablagerungen verläuft. In anderen Gebieten ist die zyklische Tendenz zumindest partiell zu erkennen.
Literatur: Andreas, D. (2006): Die strukturelle und lithostratigraphische Permokarbon-Entwicklung des Thüringer Wald-Gebietes im asturisch kompressiven Reaktionsraum einer frühkollisional vorgeprägten Intraplatten-Geosutur (Thüringisch-Nordostbayerische Scherzone). – Diss. in Vorber., TU Freiberg.
Barthel, M. (1982): Die Pflanzenwelt. - In: Haubold et al. (eds.): Die Lebewelt des Rotliegenden: 63-131. Wittenberg Lutherstadt: A.Ziemsen Verl.
Barthel, M. (2001): Pflanzengruppen und Vegetationseinheiten der Manebach-Formation. - Beitr. Geol. Thüringen, N. F. 8: 93-123, Jena.
Beyschlag, F. (1895): Überblick über die geologische Zusammensetzung des Thüringer Waldes, in Sonderheit des Rotliegenden desselben, unter Vorlegung einer neuen geologischen Übersichtskarte im Maßstab 1 : 100 000. – Z. dt. geol. Ges. 47: 596-607, Berlin.
Deubel, F. (1930): Geologische Karte 1 : 25 000, Blatt Ilmenau 5331, 2. Aufl., unveröff. Grenzandruck, abgeschlossen 1930.
Deubel, F. (1960): Das Untere Perm in Thüringen und angrenzenden Gebieten. - Wiss. Z. Univ. Jena, math.-naturwiss. R. 9: 409-448, Jena.
Hampe, O. (1989): Revision der Triodus-Arten (Chondrichtthyes: Xenacanthida) aus dem saarpfälzischen Rotliegenden (Oberkarbon-Perm, SW-Deutschland) aufgrund ihrer Bezahnung. – Paläont. Z. 63: 79-101.
Haubold, H. (1985): Stratigraphische Grundlagen des Stefan C und Rotliegenden im Thüringer Wald. – Schriftenr. geol. Wiss. 23: 1-110, Berlin.
Holub, V. & Kozur, H. (1981): Revision einiger Conchostracen-Faunen des Rotliegenden und biostratigraphische Auswertung der Conchostracen des Rotliegenden. – Geol. Paläont. Mitt. Innsbruck 11: 39-94, Insbruck.
Lützner, H. (1964): Die saalische Phase bei Ilmenau. - Abh. dt. Akad. Wiss. Berlin, Kl. Bergb., Hüttenw., Montangeol. 2 (Deubel-Festschrift): 287-308, Berlin.
Lützner, H. (1969): Über die Verbreitung der Manebacher Schichten im Rotliegenden des Thüringer Waldes. - Z. Geologie 18: 815-827, Berlin.
Lützner, H., Andreas, D., Mädler, J., Michael, J., Voigt, H., Werneburg, R., Judersleben, G. & Katzschmann, L. (2003): Siles und Rotliegend. – In: Seidel, G. (Hrsg.): Geologie von Thüringen, 215-301, Stuttgart.
Martens, T. (1983): Zur Taxonomie und Biostratigraphie der Conchostraca (Phyllopoda, Crustacea) des Jungpaläozoikums der DDR. – Freiberger Forsch.H. C 382: 7-105, Leipzig.
Menning, M., Katzung, G., Lützner, H. (1988): Magnetostratigraphic investigation of the Rotliegendes (300-252 ma) of Central Europe. - Z. geol. Wiss. 16: 1045-1063, Berlin.
Schneider, J. (1996): Xenacanth teeth - a key for taxonomy and biostratigraphy. - Modern Geology 20: 321-340.
Schneider, J & Werneburg, R. (1993): Neue Spiloblattinidae (Insecta, Blattodea) aus dem Oberkarbon und Unterperm von Mitteleuropa sowie die Biostratigraphie des Rotliegend. – Veröff. Naturhist. Mus. Schleusingen 7/8: 31-52, Schleusingen.
Autor des Datenblattes: H. Lützner, e-mail: Harald.Luetzner@uni-jena.de
Erstellt am: 16.08.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 06.05.2006
Änderung Datensatz: 26.10.2006


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Litholex Recherche vom 24.06.2017, 19:09:34.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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