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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Georgenthal-Formation
ID: 18
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Andreas et al. 1990 („Georgenthal-Folge“)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Stefanium (Oberkarbon (Silesium), Karbon (Euro.), Paläozoikum)
Stefanium C (Stefanium, Oberkarbon (Silesium), Karbon (Euro.), Paläozoikum)
Synonyme: Untere Gehrener Schichten (Remy et al. 1963, Andreas et al. 1974) im nordwestlichen Thüringer Wald.
Lithologie: Die Georgenthal-Formation umfaßt eine Abfolge von z.T. aphanitischen, trachyandesitisch-latitischen Vulkaniten mit pyroklastisch-vulkanoklastischen Einschaltungen im nordwestlichen und zentralen Thüringer Wald. Sedimente sind an der Basis und (im Erfurter Grund bei Georgenthal) etwa in der Mitte der Formation entwickelt. Die Abfolge der Vulkanite lässt sich nach petrographischen Merkmalen (Einsprenglingen, Grundmasse) in mehrere <200 bis 500 m mächtige, petrographisch einheitliche Vulkanitdecken gliedern, die durch pyroklastisch-vulkanoklastische Einschaltungen in eine Vielzahl von Ergüssen weiter unterteilt sind.
Der gesamte Georgenthaler Vulkanitkomplex bildete innerhalb einer grabenförmigen Senke wahrscheinlich ein flaches, subaerisch exponiertes Lavaplateau, wobei nachweislich die jeweils jüngeren Ergüsse die älteren übergreifend überlagern.
Untergeordnete Einheit: Profilkorrelationen der petrographisch charakterisierten Vulkanitdecken (Voigt 1972) ergeben folgende generelle Untergliederung:Hangendes: Ilmenau-Formation - Erosion und übergreifende Auflagerung -obere Georgenthal-Formation: trachytisch-andesitische Vulkanite und PyroklastiteErfurter-Grund- und basale Zella-Mehlis-Sedimente - Erosion und übergreifende Auflagerung bis auf Granit -untere Georgenthal-Formation: trachytisch-andesitische Vulkanite und PyroklastiteBasissedimente Öhrenkammer – Ilmtal- Variszische Diskordanz, Erosion, tiegründige Verwitterung -Liegendes: Thüringer Hauptgranit und Ruhlaer KristallinDie Basissedimente beginnen mit konglomeratischen bis grobsandigen Arkosen, die in sandige und siltig-pelitische Sedimente übergehen. Sie liegen teils in Rotfazies und teils in Graufazies vor, in der auch geringmächtige Steinkohlenflöze auftreten. Das Ablagerungsmilieu ist fluviatil bis palustrisch.
Liegendgrenze: Einsetzen der Basissedimente über Gesteinen des Ruhlaer Kristallins bzw. über verwittertem Thüringer Hauptgranit (variszische Diskordanz).
Hangendgrenze: Ende des trachyandesitisch-latitischen Vulkanismus im nordwestlichen und zentralen Thüringer Wald und nach Erosion und Schichtlücke diskordant übergreifende Auflagerung der Ilmenau-Formation über Gesteinen der unteren und oberen Georgenthal-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: ca. 500 m (<200 m - >1500 m)
Die Mächtigkeitsunterschiede beruhen hauptsächlich auf der unterschiedlichen Anzahl und Verbreitung der einzelnen trachyandesitisch-latitischen Deckenergüsse im Georgenthaler Vulkanitkomplex. Generell sind die Mächtigkeiten auf der Achse Georgenthal - Zella-Mehlis am höchsten und nehmen gegen W ab.
Maximale Mächtigkeit: >1500 m
Typusprofile, etc.: Typusprofil ist die Forschungsbohrung Georgenthal 1/60 in Verbindung mit einer Neukartierung der Umgebung von Georgenthal (Andreas et al. 1974, S. 356-365). Ein wichtiges Nebenprofil erbrachte Voigt (1972) mit einem Richtschnitt durch Aufschlüsse bei Schmalkalden und Zella-Mehlis.
Verbreitung (Bundesländer): Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Thüringer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge
Mittelgebirge, Thüringer Becken
Verbreitung (Ergänzung): Im Thüringer Wald ist die Georgenthal-Formation zwischen dem Ruhlaer Kristallin und der Linie Suhl - Goldlauter - Gehlberg verbreitet. Im nördlichen Vorland belegt die Bohrung Gotha 1/63 ihre Ausbreitung etwa bis zur Gotha - Saalfelder Störungszone. Im südlichen Vorland ist die Begrenzung der Formation nicht erschlossen, sie reicht jedoch sicherlich noch in das südliche Vorland hinein.
Zeitgleiche Einheiten: In der Gesamtabfolge von Stefan C und Rotliegend im Thüringer Wald haben Georgenthal-Formation und Möhrenbach-Formation als unterste Einheit eine adäquate Stellung. Nach Andreas et al. (2005) setzen sich die basalen Öhrenkammer-Sedimente der Georgenthal-Formation in den Ilmtal-Sedimenten im tieferen Teil der Möhrenbach-Formation fort. Damit ist das gegenüber der Möhrenbach-Formation spätere Einsetzen der Georgenthal-Formation belegt. Der Erosionsdiskordanz mit nachfolgend übergreifenden Erfurter Grund-/Zella-Mehlis-Sedimenten entspricht in der Möhrenbach-Formation die Erosionsdiskordanz mit den nachfolgend übergreifenden Möhrenbach-Sedimenten (Andreas 2006). Auf diese Weise sind Georgenthal- und Möhrenbach-Formation bei unterschiedlicher magmatischer und paläotektonischer Entwicklung in großen Zügen korrelierbar.
Alterseinstufung: Die fossilführenden Horizonte der Öhrenkammer-Sedimente und der Ilmtal-Sedimente (FH1 und FH 2 Thüringer Wald) haben biostratigraphische Bedeutung. Die Makroflora mit Callipteridium pteridium, Sphenophyllum verticillatum und anderen Charakterformen des Oberen Stefanium gilt als paläobotanischer Nachweis für Stefan C (Gothan 1928, Remy et al. 1963). Zum gleichen Ergebnis führen die nachgewiesenen Insektenreste, die in die Sysciophlebia euglyptica-Zone bzw. die Syscioblatta dohrni-Zone des höchsten Stefanium einzuordnen sind (Schneider 1996).
Radiometrische Datierungen liegen aus der Georgenthal-Formation bisher nicht vor.
Kommentar: Die Alterseinstufung in das Oberkarbon, Gzhelium beruht auf dem Fossilinhalt des Horizontes FH 1 in den Basissedimenten. Da in der mächtigen Vulkanitabfolge Fossilien fehlen, besteht die Möglichkeit, dass die Georgenthal-Formation bis in das Perm/Asselium hineinreicht.
Versch./Sonstiges: --
Literatur: Andreas, D. (2006): Die strukturelle und lithostratigraphische Permokarbon-Entwicklung des Thüringer Wald-Gebietes im asturisch kompressiven Reaktionsraum einer frühkollisional vorgeprägten Intraplatten-Geosutur (Thüringisch-Nordostbayerische Scherzone). –Diss. i.Vorber., TU Freiberg.
Andreas, D., Enderlein, F., Michael, J. (1966): Zur Entwicklung des Rotliegenden im Thüringer Wald auf Grund neuer Kartierungsergebnisse. – Ber. dtsch. Ges. geol.Wiss. A11: 119-130, Berlin.
Andreas, D., Enderlein, F., Judersleben, G., Jungwirth, J., Mädler, J.; Michael, J., Voigt, H. (1974): Siles und Rotliegendes im Thüringer Wald und seinem südöstlichen Vorland. – In: Hoppe, W. & Seidel, G. (Hrsg.): Geologie von Thüringen: 356-449, Gotha/Leipzig (Haack).
Andreas, D., Lützner, H., Schneider, J.W. (2005): Karbon des Thüringer Waldes, der Kraichgau-Main-Senke, der Thüringisch-Fränkischen Graben- bzw. Riftzone und Thüringisch-Nordostbayerisches Scherzonensystem. – Cour. Forsch.-Inst. Senckenberg, 254: 403-418, Frankfurt a.M.
Andreas, D., Voigt, H., Mädler, J. (1990): Das vulkanogen-sedimentäre Rotliegende des Thüringer Waldes – ein Gesamtprofil im Überblick I (Exkursion 6) und II (Exkursion 15). – In: Andreas (Hrsg.): Exkursionsführer zur 37. Jahrestagung GGW, 20-29, Berlin.
Gothan, W. (1928): Über Äquivalente der Wettiner Schichten im Thüringer Walde. – Z. dt. geol. Ges. 79: 121-123: Berlin.
Remy, W., Andreas, D., Kampe, A. (1963): Beiträge zur Kenntnis des Stephanien im Saaletrog. - Jb. Staatl. Mus. Miner. Geol. Dresden f.1963: 115-146, Dresden.
Schneider, J. (1996): Biostratigraphie des kontinentalen Oberkarbon und Perm im Thüringer Wald, SW Saale-Senke – Stand und Probleme. – Beitr. Geol. Thür., N.F. 3: 121-151, Jena.
Voigt, H. (1972): Zur petrographischen Gliederung der intermediären Vulkanite des Thüringer Waldes. – Ber. Dt. Ges. Geol. Wiss. A 17: 865-879, Berlin. 1972.
Werneburg, R. (1996): Temnospondyle Amphibien aus dem Karbon Mitteldeutschlands. – Veröff. Naturhist. Mus. Schleusingen 11: 23-64, Schleusingen.
Autor des Datenblattes: H. Lützner, e-mail: Harald.Luetzner@uni-jena.de
Erstellt am: 10.08.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 06.05.2006
Änderung Datensatz: 23.10.2006


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Litholex Recherche vom 29.04.2017, 03:44:13.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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