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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Elgersburg-Formation
ID: 17
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: Lützner et al. 1995 („Elgersburg-Folge“)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: Rotliegend / Oberrotliegend Thüringer Wald
Chronostratigraphie: Kungurium (Unterperm (Cisuralium), Perm, Paläozoikum)
Artinskium (Unterperm (Cisuralium), Perm, Paläozoikum)
Synonyme: Tambacher Schichten im Gebiet Elgersburg
Obsolet: Roda-Formation und Elgersburg-Formation sensu Haubold & Katzung (1980)
Lithologie: Die Elgersburg-Formation umfaßt die Abfolge rotbrauner bis roter Konglomerate und Sandsteine, die im Raum Ilmenau - Elgersburg - Geraberg die älteren Formationen (Ilmenau-Fm., Oberhof-Fm., ?Rotterode-Fm.) diskordant überlagert. Eingelagert sind zwei Rhyolith- und ein Basitkörper mit zugehörigen Tuffen und Tuffiten.
Untergeordnete Einheit: Bei und südlich von Elgersburg erreicht die Elgersburg-Formation ihre maximale Mächtigkeit mit folgender lithostratigraphischer Gliederung (Mächtigkeiten nach Lützner 1966):Hangendes: ZechsteinOberes Konglomerat (Totenstein-Konglomerat) 50-100 mElgersburg-Sandstein 30-60 mUnteres Konglomerat (Schwalbenstein-Konglomerat) bis 220 mbei Elgersburg unterteilbar in:KonglomeratElgersburg-Rhyolith/-Tuff -120/20 min gleicher strat. Position: Roda-Sandstein 40-80 mKonglomeratRodaer „Melaphyr“ 0-25 mKonglomeratWolfstein-Rhyolith -100 mKonglomeratLiegendes: Oberhof-Fm., Ilmenau-Fm., partiell durch Störung abgeschnitten.Das Untere Konglomerat wurde auf bergnahen alluvialen Fächern abgelagert. Von den eingelagerten Eruptivgesteinen haben die beiden Rhyolithe eine geringe laterale Erstreckung von wenigen hundert Metern. Der Wolfstein-Porphyr zeichnet sich durch große Quarzeinsprenglinge, stark alterierte Feldspat- und Biotiteinsprenglinge sowie eine relativ grobkörnige Matrix aus. Ein intrusiver Verband erscheint wahrscheinlich. Der geringmächtige Rodaer „Melaphyr“ ist hauptsächlich im südöstlichen Teil zusammenhängend verbreitet. Der Elgersburg-Rhyolith hat die Form einer in den Schichtverband eingeschalteten Quellkuppe. Er führt kleine Quarz- und Feldspateinsprenglinge und wird auf seiner SE-Seite von Tuffen begleitet, die weiter südöstlich in Tuffite und schließlich in den partiell durch feine Bimsfragmente weiß gesprenkelten Roda-Sandstein übergehen. Diese Faziesrelation ist ein wichtiger Nachweis für die lithostratigraphische Position des Elgersburg-Rhyoliths im Profil der Elgersburg-Formation. Die Ablagerung des Roda-Sandsteins erfolgte in fluviatilem Milieu.Der Elgersburg-Sandstein gehört zu den Besonderheiten der Elgersburg-Formation. Scharfe lithologische Abgrenzung im Liegenden und Hangenden gehört ebenso zu seinen Merkmalen wie hochgradige Kornsortierung, gute Kornrundung und locker gepackte, schwach gebundene Klasten (Judersleben 1972, Lützner 1966). Er wird als äolische Ablagerung interpretiert.
Liegendgrenze: Beginn der Ablagerung grobpsephitischer Rhyolithkonglomerate mit übergreifender Lagerung auf einem Erosionsrelief.
Hangendgrenze: Ende der Ablagerung von Rotsedimenten und Überlagerung durch den Zechstein nach Schichtlücke.
Mittlere Mächtigkeit: ca. 200 m, nach NW und SE auskeilend
Maximale Mächtigkeit: 400 m
Typusprofile, etc.: Aufschlüsse, Kartenbild und Faziesschnitt bei Elgersburg (Lützner 1964, 1966)
Verbreitung (Bundesländer): Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Thüringer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Die Verbreitung der Elgersburg-Formation ist auf die nordöstliche Randflexur des Thüringer Waldes zwischen Ilmenau und Geraberg begrenzt. Eine ursprünglich weitere Ausdehnung in südwestliche Richtung ist wahrscheinlich, jedoch nicht mehr zu rekonstruieren. Nach NW und SE sind die paläogeographisch nachweisbaren Hochgebiete des Oberhöfer Rhyolithkomplexes und des Schwarzburger Antiklinoriums nahe benachbart, so daß die primäre Verbreitungsgrenze nur wenig jenseits der heutigen gelegen haben kann. Nach NE kann nach Ausbildung der sandigen Formationsglieder eine Verbindung zum höheren Rotliegend in den Bohrungen bei Neudietendorf und Mühlhausen vermutet werden.
Zeitgleiche Einheiten: Die Elgersburg-Formation entspricht der Tambach-Formation nach ihrer generellen Stellung in der Schichtenfolge (über der Oberhof-/Rotterode-Formation, unter dem Zechstein). Lithologisch gleicht das Schwalbenstein-Konglomerat weitgehend dem Unteren Konglomerat der Tambach-Formation. Beide werden von dem gleichen Hochgebiet aus Rhyolithen der Oberhof-Formation geschüttet, das zwischen den beiden Ablagerungsbecken lag. Nach der Lithologie entspricht der Tambach-Sandstein dem Roda-Sandstein, in dem auch das Spurenfossil Tambia spiralis und Tetrapodenfährten gefunden wurden (Martens 1980). Ein Äquivalent des Elgersburg-Sandsteins ist bei Tambach nicht vorhanden. Dagegen bestehen Korrelationsmöglichkeiten des Elgersburg-Sandsteins mit den äolischen Sandsteinen der Reitsch-Formation des Stockheimer Beckens sowie mit der Altengottern-Formation im nördlichen Vorland des Thüringer Waldes. Unter diesem Aspekt wurde erwogen, den Elgersburg-Sandstein, eventuell zusammen mit dem Oberen (Totenstein-) Konglomerat, als eine eigene Formation auszugliedern. Wegen der geringen Verbreitung der beiden Schichtglieder wurde darauf verzichtet. Das Totenstein-Konglomerat zeichnet sich gegenüber den älteren Konglomeraten durch geringere Geröllgröße (maximal 5-10 cm), gut ausgeprägte Schichtung mit relativ sandreichen Lagen und durch deutliche Beimengung älterer Geröllkomponenten (Granit, Quarzit, Schiefer) aus. Mit diesen Merkmalen ähnelt es dem lithostratigraphisch äquivalenten Oberen Konglomerat der Tambach-Formation.
Alterseinstufung: Für biostratigraphische Aussagen reichen die spärlichen Fossilfunde im Roda-Sandstein nicht aus, jedoch sind Analogien zur Tambach-Formation (Bromacker-Horizont) zu vermuten.
Aus Proben des Elgersburg-Rhyoliths (Steinbruch im Kohltal südlich von Elgersburg) wurde von Romer (in Lützner et al. 2006) radiometrisch ein Zirkonalter von 275 ± 4 Ma bestimmt (konventionelle U/Pb-Methode an Zirkoneinzelkörnern). Koordinaten der Proben: R 4419 090, H 5618 950.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: --
Literatur: Judersleben, G. (1972): Zur Petrologie des sedimentären Rotliegenden im Thüringer Wald und seinem Vorland. – Jb.Geol. 4: 181-289, Berlin.
Lützner, H. (1964): Die saalische Phase bei Ilmenau. - Abh. dt. Akad. Wiss. Berlin, Kl. Bergb., Hüttenw., Montangeol. 2 (Deubel-Festschrift): 287-308, Berlin.
Lützner, H. (1966): Fazies- und Transportrichtung im Oberrotliegenden von Elgersburg (Thüringer Wald). – Ber. dt. Ges. geol. Wiss. A 11: 137-160, Berlin.
Lützner, H., Andreas D., Mädler, J., Michael, J., Voigt, H., Werneburg, R., Judersleben, G., Jungwirth, J. (1995): Siles und Rotliegend. – In: Seidel, G. (Hrsg.): Geologie von Thüringen, 188-277, Stuttgart.
Lützner, H., Littmann, S. Mädler, J., Romer, R.L., Schneider, J.W. (2006): Radiometric and biostratigraphic data for the continental Permocarboniferous reference-section Thüringer Wald, Germany. – In: Wong, Th. E. (Ed.): Proceed. 15th Internat.Congr. on Carboniferous and Permian Stratigraphy, Utrecht, the Netherlands, 10 - 20 August 2003.
Martens, T. (1980): Beitrag zur Taxonomie und Ökologie des Oberrotliegenden im Elgersburger Becken in Thüringen. - Abh. Ber. Museum der Natur Gotha 10: 21-32, Gotha.
Menning, M., Katzung, G., Lützner, H. (1988): Magnetostratigraphic investigation of the Rotliegendes (300-252 ma) of Central Europe. - Z. geol. Wiss. 16: 1045-1063; Berlin.
Autor des Datenblattes: H. Lützner, e-mail: Harald.Luetzner@uni-jena.de
Erstellt am: 10.08.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Perm-Trias
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 06.05.2006
Änderung Datensatz: 30.01.2007


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Litholex Recherche vom 27.03.2017, 22:19:25.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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