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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Saale-Hauptterrassen-Subformation
ID: 1006032
Hierarischer Rang: Subformation (Member)
Erstbeschreibung: S. Wansa & L. Katzschmann, für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: vorläufig mitgeteilt
Übergeordnete Einheit: Saale-Mittelterrassen-Formation
Chronostratigraphie: Saalium-Komplex (Mittelpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Holsteinium (Mittelpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Hauptterrasse der Saale (SIEGERT & WEISSERMEL 1911), tiefere Terrasse des 1. Interglazials (NAUMANN & PICARD 1916), Saalehauptterrasse (LEHMANN 1930, SCHULZ 1962, RUSKE 1964, EISSMANN 1975), 3. Mittelterrasse der Saale (KNOTH 1964), Haupt-(Mittel-)Terrasse der Saale (UNGER 1956, 2003), Haupt(mittel)terrasse bzw. Hauptmittelterrasse der Saale (UNGER 1956, 2003)
Lithologie: Die Saale-Hauptterrassen-Subformation besteht vorwiegend aus fluviatilen, sandig-steinigen Kiesen aus dem Einzugsgebiet der Saale. Z. T. sind zwei, örtlich drei Sedimentationszyklen mit Kornverfeinerung zum Hangenden bis in die Feinsand- und Schlufffraktion festzustellen. Die Sedimente sind horizontal- oder schräggeschichtet. Gelegentlich treten niveaubeständige Diskordanzen auf, so dass von einer mehrphasigen, klimatisch gesteuerten Schotterakkumulation auszugehen ist. Die Geröllzusammensetzung ist je nach Lage am Flusslauf durch eine wechselnd aufgebaute thüringische Assoziation mit reichlich paläozoischen Sedimenten (ausschließlicher Kornbestand im Schiefergebirge) und ab Ilmmündung auch mit permischen Vulkaniten gekennzeichnet. Außerdem sind Muschelkalk- und Buntsandstein-Gerölle typisch, sie treten aber in stark wechselnden Häufigkeiten auf und können auch fehlen. Nordisches Material ist südlich der Elster-Vereisungsgrenze (Raum Jena) nicht vorhanden, nimmt nach Norden aber auf über 10 % zu. Die prozentuale Zusammensetzung der Schotter ändert sich sowohl durch den Eintrag über verschiedene Nebenflüsse (z. B. Ilm bei Großheringen, Unstrut bei Merseburg, zeitweise Mulde bei Zörbig) als auch in Abhängigkeit von den durchflossenen geologischen Einheiten.
Das reiche Inventar an Frostmarken (Eiskeilpolygone, kryoturbat gestörte Schlufflagen) und Reste von Säugern, wie Mammuthus primigenius, Coelodonta antiquitatis, Rangifer tarandus, Ovibos moschatus u. a. zeugen von der überwiegend kaltklimatischen Akkumulation der Schotter. Bei Merseburg und Bad Kösen bilden die sog. Corbicula-Schotter (nach der Flussmuschel Corbicula fluminalis) die sandig-kiesige Basis der Saale-Hauptterrassen-Subformation und belegen den Beginn der Aufschotterung unter warmzeitlichem Klima.
In den Corbicula-Schottern von Lengefeld bei Bad Kösen sind reichlich Reste von warmzeitlichen Säugetieren gefunden worden: Palaeoloxodon antiquus, Dicerorhinus kirchbergensis, Castor fiber u.a. Die hangenden, frühsaalekaltzeitlichen Schotter enthielten dagegen Reste von Coelodonta antiquitatis.
Örtlich sind innerhalb der Subformation Klimaschwankungen nachgewiesen worden, die zur Untergliederung des Schotterkörpers oder gar zur Abgrenzung von der Saale-Hauptterrasse Anlass gaben. Letzteres betrifft insbesondere die während der Fuhne-Kaltzeit gebildete 2. Mittelterrasse im Sinne von KNOTH (1964) bzw. Edderitzer Terrasse nach RUSKE (1964), die künftig als Bank innerhalb der Saale-Hauptterrassen-Subformation aufgefasst werden sollte.
KNOTH (1964), RUSKE (1964), EISSMANN (1975, 1994), MANIA (1973), SCHULZ (1962), STEINMÜLLER (1972, 1993), TÖPFER (1935), PUFF, STEINMÜLLER & WUCHER (2001).
Untergeordnete Einheit: 2. Mittelterrasse bzw. Edderitzer Terrasse im Sinne von KNOTH (1964) und RUSKE (1964), Corbicula-Schotter (bzw. - kiese)
Liegendgrenze: Die Hauptterrasse liegt erosiv über elsterkaltzeitlichen Ablagerungen oder älteren Locker- oder Festgesteinen, über letzteren vor allem im mittleren und oberen Saaletal. Im Vereisungsgebiet tritt häufig eine Steinsohle aus ausgewaschenem Grundmoränenmaterial auf.
Hangendgrenze: Im Vereisungsgebiet lagern im Hangenden des Schotterkörpers Bildungen der Zeitz-Glaziär-Formation (Saale-Komplex) oder jüngere Sedimente. Häufig ist hier ein konkordanter Übergang von Terrassenschottern über sandig-schluffige Sedimente zum Böhlen-Lochauer Bänderton, dem Vorstoßbänderton des ersten Saaleeis-Vorstoßes zu beobachten. Im Mittel- und Oberlauf finden sich auf der Saale-Hauptterrassen-Subformation periglaziäre Sedimente (Löss, Fließerden); am Terrassenrand verzahnen die Schotter örtlich mit Schwemmfächersedimenten.
Mittlere Mächtigkeit: 5-10 m, in Thüringen 2-5 m
Maximale Mächtigkeit: 15 m
Typusprofile, etc.: Eine Typuslokalität ist noch nicht benannt worden. Als Typusregion gilt das Gebiet zwischen Weißenfels und Halle, in dem SIEGERT & WEISSERMEL (1911) die Hauptterrasse der Saale kartiert und beschrieben haben.
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen
Sachsen-Anhalt
Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Leipziger Bucht
Mittelgebirge, Thüringer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge
Verbreitung (Ergänzung): Die Saale-Hauptterrassen-Subformation findet sich im Ober- und Mittellauf (Frankenwald, Thüringer Schiefergebirge) bis Großheringen als Schotterkörperreste auf markant ausgebildeten Terrassenstufen (Basis 9-26 m, max. 30 m über heutigem Talboden) und tritt erst im mittleren Saaletal bei Naumburg flächenhaft in Erscheinung. Die Auenabstände der Terrassenunterfläche nehmen zwischen Bad Kösen und Merseburg von 27 m auf <10 m ab. Unterhalb von Merseburg verlässt die Hauptterrasse das rezente Saaletal und erreicht östlich von Halle 12 km Breite. Sie verengt sich im Bereich der Porphyrkuppen nordöstlich von Halle und spaltet nordwestlich von Zörbig in mehrere Schotterzüge auf, die am Elbtal abgeschnitten werden. Die Saale-(Mulde-) Hauptterrasse ist weiter nördlich durch lokale Nachweise über Schönebeck – Magdeburg bis in die nördliche Altmark verfolgbar.
Zeitgleiche Einheiten: Die Saale-Hauptterrassen-Subformation ist mit den Hauptterrassen-Subformationen der Vorfluter und der benachbarten Flüsse in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen korrelierbar. An den Flüssen des sächsischen Mittelgebirgsvorlandes ist auch die Bezeichnung Tiefere Mittelterrasse gebräuchlich (WOLF 1991). Im Elbe-Gebiet sind große Teile des spätelster- bis frühsaalezeitlichen so genannten Berliner Elbelaufes zeitgleich entstanden.
Alterseinstufung: Die stratigraphische Einordnung in den Zeitraum von der Holstein-Warmzeit bis in die Delitzsch-Phase des Saale-Komplexes ist durch die Lagerungsbeziehungen zu den glaziären Bildungen der Elster-Kaltzeit und des Saale-Komplexes belegt, doch ist die genaue zeitliche Einordnung der oft mehrphasigen Schotterakkumulation noch unklar.
Als wichtigste Einheiten der Mittelterrassen-Formationen der mitteldeutschen Flüsse (Saale, Elbe, Mulde u. a.) trennen die Hauptterrassen-Subformationen die Glaziärstockwerke der Elster-Kaltzeit und des Saale-Komplexes und gelten als lithostratigraphische Leithorizonte.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Der Begriff "Terrasse“ wird hier nicht im morphologischen Sinne gebraucht, sondern ist gleichbedeutend mit "Schotterkörper“. EISSMANN (1989, 1994) versteht unter dem Begriff "Hauptterrassen-Komplex" die mehrphasige Schotterakkumulation zwischen der Holstein-Warmzeit und der ersten Saale-Vereisung (Zeitz-Phase) im gesamten Saale-Elbe-Gebiet. Da der Terminus "Komplex" im Quartär für klimatostratigraphische Einheiten benutzt wird, sollte auf eine Verwendung in lithostratigraphischem Sinne verzichtet werden.
Literatur: EISSMANN, L. (1975): Das Quartär der Leipziger Tieflandsbucht und angrenzender Gebiete um Saale und Elbe.- Schriftenr. geol. Wiss., 2: 1–263; Berlin.
EISSMANN, L. (1989): Die stratigraphischen und paläogeographischen Hauptbefunde im Saale-Elbe-Raum und ihre Bedeutung für die mitteleuropäische Quartärgeologie. – Ethnogr.-Archäol. Z., 30: 596–635; Berlin.
EISSMANN, L. (1994): Grundzüge der Quartärgeologie Mitteldeutschlands (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Südbrandenburg, Thüringen). – Altenbg. nat. wiss. Forsch., 7: 55–135; Altenburg (DEUQUA-Tagung in Leipzig 1994).
KNOTH, W. (1964): Zur Kenntnis der pleistozänen Mittelterrassen der Saale und Mulde nördlich von Halle. – Geologie, 13: 598–616; Berlin.
LEHMANN, H. & LEHMANN, R. (1930): Die diluvialen Flußterrassen in der Umgebung von Halle a. d. S. – Leopoldina, 6: 233–?251; Leipzig.
MANIA, D. (1973): Paläoökologie, Faunenentwicklung und Stratigraphie des Eiszeitalters im mittleren Elbe-Saalegebiet auf Grund von Molluskengesellschaften. – Geologie, Beiheft 78/79: 1–175; Berlin.
NAUMANN, E. & PICARD, E. (1916): Die Terrassen des mittleren Saalelaufes . – Jb. Kgl. Preuß. Geol. Landesanst., XXXVI (für 1915): 401–415; Berlin.
PUFF, P., STEINMÜLLER, A. & Wucher, K. (2001): Geologische Karte von Thüringen 1:25 000, Blatt Saalfeld, Nr. 5334. – Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie; Jena.
RUSKE, R. (1964): Das Pleistozän zwischen Halle (Saale), Bernburg und Dessau. – Geologie, 13: 570–597; Berlin.
SCHULZ, W. (1962): Gliederung des Pleistozäns in der Umgebung von Halle. – Geologie, Beih. 36: 1–69; Berlin.
SIEGERT, L. & WEISSERMEL, W. (1911): Das Diluvium zwischen Halle a. S. und Weißenfels. – Abh. Kgl. Preuß. Geol. Landesanst., N. F. 60: 351 S.; Berlin.
STEINMÜLLER, A. (1972): Die jungpleistozäne Schichtenfolge von Kösen-Lengefeld und zur Gliederung der Saale-Eiszeit. - Geologie, 21: 1173–1195; Berlin.
STEINMÜLLER, A. (1993): Quartär. – In: SEIDEL, G. & STEINMÜLLER, A.: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Thüringen, Blatt Camburg, Nr. 4936. – 50–74; Thüringer Landesanstalt für Bodenforschung, Weimar.
TÖPFER, V. (1935): Die mitteldiluvialen Säugetierreste aus der Saaleterrasse bei Lengefeld-Bad Kösen. – Jb. Min., Geol., Paläont., Beil. 74, Bd. B: 63–88.
UNGER, K.-P. (1956): Klimamorphologische Untersuchungen an pleistozänen Schotterkörpern der Saale. – Biul. Peryglacjalny, 4, 405–414; Lodz.
UNGER, K.-P. (2003): Quartär. – In: SEIDEL, G. (Hrsg.): Geologie von Thüringen. – 424–443; Stuttgart.
WOLF, L. (1991): Die Hoch- und Mittelterrassen der Zwickauer Mulde, der Chemnitz und der Zschopau im Vorerzgebirgsbecken und im Granulitgebirge. – Z. geol. Wiss, 19: 91–109 (Teil I), 203–215 (Teil II); Berlin.

Lithofazieskarten Quartär 1:50 000. – Zentrales Geol. Institut Berlin (Hrsg.).
Autor des Datenblattes: Stefan Wansa
Erstellt am: 08.04.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 31.08.2011
Änderung Datensatz: 02.01.2012


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Litholex Recherche vom 23.03.2017, 05:16:17.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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