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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Hennstedt-Formation
ID: 1006030
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: H.-J. STEPHAN, für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: vorläufig mitgeteilt
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Saalium-Komplex (Mittelpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Jüngere glaziäre Saale-Formation (STEPHAN 2005)
Kurzbezeichnung: qsJG
Lithologie: Grundmoräne (Geschiebelehm, -mergel), stellenweise deren periglaziäre Umlagerungs- und Auswaschungslage, über Vorschüttsanden, bereichsweise zuoberst Nachschüttsedimente. In Südholstein liegt südwestlich der weichselzeitlichen Stauchendmoräne Kisdorfer Wohld eine weitgehend ungestörte Grundmoräne (s. Ulzburg-Subformation). Im Bereich einer ausgeprägten Gletscherrandzone mit Schürfbecken und Endmoränen in Westholstein überwiegend gestauchte Sedimentfolgen. In ihrem Vorland und über der Ulzburg-Subformation im südlichen Holstein mächtige Sanderschüttungen.
Hennstedt-Tills sind weit überwiegend mäßig bindig (normalerweise 40-45% Ton und Schluff), kalkig bis mäßig kalkig (15-18% Karbonat). Diese petrographischen Parameter streuen aber in der weiteren Region stärker (STEPHAN 1998: Abb. 2). Feinkiesanalysen (KABEL 1982, STEPHAN 1995) belegen mäßigen Gehalt an Flint und Kreide, relativen Reichtum an paläozoischem Kalk und oft eine Dolomit-Komponente. Die beiden letzten Parameter verändern sich aber regional. Sie werden im Durchschnitt von E nach W bzw. SE nach NW kleiner, gleichzeitig nimmt der Flintanteil zu (STEPHAN 1995: Fig. 2). Im Osten bis Südosten Holsteins kann der Till gelegentlich „extrem baltisch“ zusammengesetzt sein (ausgeprägt dolomitisch, mit sehr hohem Anteil an paläozoischem Kalk und sehr niedrigem Flintkoeffizienten). Diese spezielle Fazies ist im Raum östlich von Hamburg stellenweise rot gefärbt und dann meistens deutlich tonig. Schlieren solch „roter Tills“ in grau gefärbten kommen nach Norden hin vereinzelt bis in den Raum Trappenkamp, südlich von Kiel, vor. Ab dem zentralen Holstein nach Norden und im Landesteil Schleswig gibt es in Hennstedt-Tills auch Schlieren einer weiteren rot gefärbten Abart, die sich durch eine große Anzahl Klasten roter (bis violetter) Sandsteine und Quarzite auszeichnet (vgl. KABEL 1982, STEPHAN 1987, 1998, EHLERS 1992).
Gefügemessungen in Aufschlüssen im südlichen Schleswig-Holstein wiesen eine Gletscherbewegung nach W nach, in nördlicheren Gebieten eher nach SW (EHLERS 1990, STEPHAN & MENKE 1993: Abb. 5).
Untergeordnete Einheit: Ulzburg-Subformation;
Hennstedt-Till-Bank (qsJG-Till)
Liegendgrenze: Basis der Vorschüttbildungen, meistens über älteren saalezeitlichen Ablagerungen, teilweise auch Basis des Tills und dann vorwiegend erosiv auf Ablagerungen der Kuden-Formation.
Hangendgrenze: Meistens Obergrenze der Nachschüttsedimente, bereichsweise Oberfläche des Hennstedt-Tills bzw. seines periglaziären Aufarbeitungsproduktes, alles oft an der Geländeoberfläche anstehend; im östlichen Verbreitungsgebiet vorwiegend unter weichselzeitlichen Ablagerungen.
Mittlere Mächtigkeit: ca. 10 m, je nach Region und Lokalität aber sehr unterschiedlich, z. T. deutlich mehr
Maximale Mächtigkeit: bisher 35 m nachgewiesen
Typusprofile, etc.: Engere Typusregion: Westholstein.
Typusprofile: Schalkholz (GK 1721, R: 35 17500, H: 60 12500) (LANGE & MENKE 1980), Nienjahn (GK 1923, R: 35 40700, H: 59 91000), Bohrung Rathmannsdorf, westlich von Kiel (GK 1626, R: 35 68830, H: 60 28000); Grubenwände Segrahner Berg.
Typusprofil für die Ulzburg-Subformation s. dort.
Verbreitung (Bundesländer): Schleswig-Holstein
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Östlicher Bereich der „Hohen Geest“ (Altmoränengebiet) von der dänischen Grenze bis an die Elbe östlich von Hamburg.
Nach den Ergebnissen von Feinkiesanalysen gehört im Landesteil Schleswig fast das gesamte Altmoränengebiet, mit Ausnahme eines schmalen westlichen Streifens, zum Verbreitungsgebiet der Hennstedt-Formation. Es ist bisher unklar, ob es hier eine Zweiteilung in eine Stauchzone und eine vorgelagerte, nicht oder wenig gestörte Außenzone gibt, die der Ulzburg-Subformation in Südholstein entspräche. Die Grenze wäre dann ungefähr entlang der Linie Bergenhusen-Wallsbüll zu ziehen, wo es mehrere Stauchrücken gibt, die durch breite weichselzeitliche Schmelzwasserabflüsse voneinander getrennt werden. Während des Hennstedt-Vorstoßes hat es mehrere Oszillationen des Gletscherrandes gegeben. Dabei ist die Zusammensetzung des Gletscherschuttes vom ersten und weitesten Vorstoß (Ulzburg-Subformation) über die zentrale Stauchmoränenzone bis zur letzten gut entwickelten Randlage bei Boostedt-Rickling, vor der weichselzeitlichen Vergletscherungsgrenze, mit jedem Wiedervorstoß „baltischer“ geworden. Die jüngsten Ablagerungen bei Rickling (ausgewaschene Moränenreste) sind geprägt durch sehr viele Geschiebe aus Ostskandinavien (Åland, Ostseebecken). Parallel dazu wurde zuletzt im Südosten (Lauenburg) der rote Hennstedt-Till abgelagert.
Zeitgleiche Einheiten: Niedersachsen: Ablagerungen des „Warthe“-Vorstoßes (LÜTTIG 1958; MEYER 1976) zum Teil.
Hamburg: Ablagerungen des Fuhlsbüttler Vorstoßes (GRUBE 1981, EHLERS et al. 1984) zum Teil (s. Ulzburg-Subformation).
Mecklenburg: Wahrscheinlich weitgehend identisch mit dem „Saale II-Glazial“ im Sinne von CEPEK (1967).
Südjütland: Jüngere saalezeitliche Ablagerungen mit dem Lillebælt-Till (HOUMARK-NIELSEN 2004).
Alterseinstufung: TL-Analysen (MARKS et al. 1995) an Vorschüttsanden bei Brügge, südlich von Kiel, ergaben Alter zwischen 127 ± 20 ka und 131 ± 20 ka, OSL-Analysen (PREUSSER 1999) Alter zwischen 164 ± 27 ka und 199 ± 27 ka.
Kommentar: Altersangaben nach TL-Analysen bis Mitte der 1990er Jahre sind überprüfungsbedürftig.
Die bei Brügge über den Schmelzwasserablagerungen liegende Grundmoräne mit eemzeitlichem Boden hat nach Geschiebeanalyse von LÜTTIG (unpubl.) kein „warthetypisches“ Geschiebespektrum. Sie entspricht deshalb wahrscheinlich der „Ulzburg-Subformation“ aus der frühen Vorstoßphase des Hennstedt-Eises.
Versch./Sonstiges: Der Name Hennstedt geht auf das „Hennstedt-Stadium“ (PICARD 1960) zurück, dem er die Gletscherrand- und Stauchzone in Westholstein zuschrieb.
Literatur: CEPEK, A. G. (1967): Stand und Probleme der Quartärstratigraphie im Nordteil der DDR. – Ber. deutsch. Ges. geol. Wiss., A (Geol. Paläont.), 12 (3/4): 375–404.
EHLERS, J. (1990): Reconstructing the dynamics of the North-West European Pleistocene ice shields. – Quaternary Science Reviews, vol. 9: 71–83.
EHLERS, J. (1992): Origin and distribution of red tills in North Germany. – Sveriges Geologiska Undersökning, Ser. C., 81: 97–105.
EHLERS, J., MEYER, K.-D. & STEPHAN, H.-J. (1984): The pre-Weichselian glaciations of North-West Europe. –
Quaternary Science Reviews, 3: 1–40.
GRUBE, F. (1981): The subdivision of the Saalian in the Hamburg Region. – Meded. Rijks Geol. Dienst, 34 (4): 15–25.
HOUMARK-NIELSEN, M. (2004): The Pleistocene of Denmark: a review of stratigraphy and glaciation history. – In: EHLERS, J. & GIBBARD, P. L. (eds.): Quaternary Glaciations – Extent and Chronology, Part I Europe. – 35–46; Amsterdam (Elsevier).
KABEL, C. (1982): Geschiebestratigraphische Untersuchungen im Pleistozän Schleswig-Holsteins und angrenzender Gebiete. – Diss. Univ. Kiel: 1–132 und 47 S. Anhang.
LANGE, W. & MENKE, B. (1980): Schalkholz, Geologischer Überblick. – In: STREMME, H. E. & MENKE, B. (Hrsg.): Quartär-Exkursionen/Quaternary-Excursions in Schleswig-Holstein. – 70–74, Anl. 1–3; Kiel (Geologisches Landesamt Schleswig-Holstein).
LÜTTIG, G. (1958): Methodische Fragen der Geschiebeforschung. – Geol. Jb., 75: 361–418.
MARKS, C., PIOTROWSKI J. A., STEPHAN, H.-J., FEDOROWICZ, S. & BUTRYM, J. (1995): Thermoluminescence indications of the Middle Weichselian (Vistulian) Glaciation in Northwest Germany. – Meyniana, 47: 69–82.
MEYER, K.-D. (1976): Studies on ground moraines in the northwest of the German Federal Republic. – In: Till, its genesis and diagenesis, panel discussion. – UAM, Geografia: 217–221; Poznán (Uniw. Mickiewicz).
PICARD, K. (1960): Zur Untergliederung der Saalevereisung im Westen Schleswig-Holsteins. – Z. deutsch. Geol. Ges., 112 (2): 316–325.
PREUSSER, F. (1999): Lumineszenzdatierung fluviatiler Sedimente; Fallbeispiele aus der Schweiz und Norddeutschland. – Kölner Forum für Geologie und Paläontologie, 3: 1–62.
STEPHAN, H.-J. (1987): Moraine stratigraphy in Schleswig-Holstein and adjacent areas . – In: MEER, J. J. M. VAN DER (ed.): Tills and Glaciotectonics. – 23–30; Rotterdam (Balkema).
STEPHAN, H.-J. (1995): The Warthe Glaciation in Schleswig-Holstein. – Acta Geographica Lodziensia, 68: 181–189; Lódz.
STEPHAN, H.-J. (1998): Geschiebemergel als stratigraphische Leithorizonte in Schleswig-Holstein; ein Überblick. – Meyniana, 50: 113-135.
STEPHAN, H.-J. (2005): Die weichselzeitliche Landschaftsentwicklung der wagrischen Halbinsel. – 72. Tagung der AG Norddeutscher Geologen in Lübeck, Tagungsband und Exkursionsführer: 129–140; Flintbek (LANU).
STEPHAN, H.-J. & MENKE, B. (1993): Das Pleistozän in Schleswig-Holstein. – GLA SH, 3: 19–62, 1 Fototaf. (Abb. 3-4); Kiel (Geologisches Landesamt Schleswig-Holstein).
Autor des Datenblattes: Hans-Jürgen Stephan
Erstellt am: 06.03.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 07.05.2009
Änderung Datensatz: 17.05.2011

Anzahl Litho alt: 2

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Litholex Recherche vom 23.03.2017, 05:20:47.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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