litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Kuden-Formation
ID: 1006028
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: H.-J. STEPHAN, für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: vorläufig mitgeteilt
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Saalium-Komplex (Mittelpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Mittlere glaziäre Saale-Formation (STEPHAN 2005)
Kurzbezeichnung: qsMG
Lithologie: Oberflächennahe periglaziäre Destruktionszone über Grundmoräne über Vorschüttsanden, relativ selten örtlich überlagert von Niedertausedimenten oder Nachschüttsanden.
Die Grundmoräne ist bindig (um 50% Ton und Schluff, 50% Sand und Kies) und in unverwittertem Zustand oft auffallend kreidereich.
Sonst ähnelt das Feinkiesspektrum der Fraktion 4-6,3 mm den Spektren verschiedener saalezeitlicher Geschiebemergel in der weiteren Region (KABEL 1982, STEPHAN 1993, 1998). Leitgeschiebeanalysen von LÜTTIG (unpubl.) erbrachten „drenthetypische“ Geschiebeassoziationen. SCHLÜTER (u. a. 1980) fand in der weiteren Region sowohl „drenthe“- als auch „warthetypische“ Assoziationen.
Die liegenden Schmelzwassersande sind überwiegend kiesarm. Der Kiesgehalt nimmt jedoch aufwärts zu, und zuoberst kann Kies vorherrschen und Geschiebe in Steingröße führen.
Untergeordnete Einheit: Kuden-Till-Bank (qsMG-Till)
Liegendgrenze: Basis der Vorschüttsande auf Grundmoräne der Burg-Formation oder hangender Nachschüttsedimente oder periglaziärer Ablagerungen.
Hangendgrenze: In der Typusregion überwiegend an der Oberfläche anstehend. Örtlich ist die Hangendgrenze die Basis von eemzeitlichen Ablagerungen, in tiefer liegenden Arealen von weichselzeitlichen glaziären oder periglaziären, vorwiegend sandigen Sedimenten. In Holstein meistens unter Ablagerungen der Hennstedt-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: In der Typusregion ca. 10 m, jedoch je nach Intensität jungpleistozäner bis holozäner Abtragung sehr verschieden mächtig.
Maximale Mächtigkeit: In der Typusregion ca. 14 m, in der weiteren Region (vgl. LANGE et al. 1979) und in anderen Gebieten Schleswig-Holsteins bis ca. 30 m.
Typusprofile, etc.: Typusregion: Südliches Dithmarschen bis westlichstes Holstein. Typusprofil Kuden (ehemalige Grubenwand, R: 35 12735, H: 59 82750): Kuden-Formation mit Geschiebemergel über der Burg-Formation, im oberen Teil entkalkt (Geschiebelehm) und von einem >2 m mächtigen Paläoboden überlagert, entwickelt in spät-saalezeitlichen periglaziären Sanden, wiederum überlagert von ca. 1 m weichselglaziären Sanden.
Typusprofil Hohes Ufer bei Heiligenhafen mit gekappter Kuden-Formation (Kuden-Till [lokaler „uM“] unter glazifluviatilen Relikten).
Verbreitung (Bundesländer): Schleswig-Holstein
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Vom Altmoränengebiet in Dithmarschen und vom Hamburger Umland bis unter die weichselzeitlichen Ablagerungen in Ostholstein-Fehmarn und wahrscheinlich auch im westlichen Landesteil Schleswig verbreitet. In der Typusregion wahrscheinlich ursprünglich nur wenig über die heutige Geest/Marsch-Grenze hinaus, heute bis an den Rand der Geest reichend.
Der Kuden-Till ist mit Ausnahme von jüngeren Erosionszonen fast im gesamten südlichen und westlichen Schleswig-Holstein in sehr unterschiedlicher Höhenlage als deckenförmiger Grundmoränenhorizont verbreitet und ein stratigraphischer Leithorizont ("Hauptgeschiebemergel" bei LANGE et al. 1979).
Im Westen Schleswig-Holsteins liegt er oft an oder nahe der heutigen Geländeoberfläche, wird in Depressionen der glazigenen Landschaft aber auch von bis ca. 10 m mächtigen direkten Nachschüttsedimenten oder auch Ablagerungen der Hennstedt-Formation oder noch jüngeren Sedimenten überdeckt.
Er fehlt möglicherweise im nordöstlichen Schleswig-Holstein und sicher im südlichen Dänemark, wo nur Ablagerungen eines jüngsten, durch „baltische“ Geschiebefracht gekennzeichneten saalezeitlichen Gletschervorstoßes (Lillebælt-Till; HOUMARK-NIELSEN 1987) und eines älteren, üblicherweise mit dem Drenthe-Stadium korrelierten Vorstoßes bekannt sind (u.a. SJÖRRING & FREDERIKSEN 1979, SJÖRRING 1981, HOUMARK-NIELSEN 2004: Ashoved- Till).
Nach RÜHBERG (1999) und MÜLLER (2004) gibt es auch in Mecklenburg nur zwei saalezeitliche Grundmoränen.
Zeitgleiche Einheiten: Hamburg: Ablagerungen des Niendorfer Vorstoßes (u.a. GRUBE 1981, EHLERS et al. 1984).
Nordwestliches Niedersachsen: Ablagerungen der jüngeren Drenthe-Phase (qD2) (u. a. MEYER 1976, HÖFLE 1980).
Östliche Bundesländer: Eine ungefähre Altersgleichheit der als saalezeitlich eingestuften „Kreidemoränen“ in Berlin (BÖSE 1983) und Brandenburg, die nach LIPPSTREU (1995), in das „jüngere Stadium der Saale-Kaltzeit“ zu stellen sind, ist denkbar. Dafür wäre aber eindeutig nachzuweisen, dass diese Moränen unter eemzeitlichen Sedimenten liegen und nicht möglicherweise dem weichselzeitlichen Warnow-Stadial (MÜLLER 2004) zugeordnet werden könnten.
Alterseinstufung: Bisher liegen keine numerischen Daten vor.
Kommentar: Im Kontext der liegenden und hangenden Ablagerungen, also der gesamten saalezeitlichen Schichtfolge, lässt sich eine relative Alterseinstufung vornehmen: Nach STEPHAN et al. (im Druck) sind die glaziären Ablagerungen des "Saale-Komplexes" und damit auch die Kuden-Formation nach der Leck-Warmzeit gebildet worden (s. Leck-Formation), die dem OIS 7 zugeordnet wird (URBAN in STEPHAN et al. im Druck).
Versch./Sonstiges: Der im westlichen Holstein und im zentralen Dithmarschen oft mächtige Kuden-Till (bis 20 m) dünnt nach Südwesten hin aus und ist im Raum Kuden, nahe der ursprünglichen Verbreitungsgrenze, nur noch fleckenartig vorhanden. Diese Nähe zur Verbreitungsgrenze war ausschlaggebend für die Namenswahl (STEPHAN 1980). In der Typusregion hatte das Eis annähernd N-S-Fließrichtung. Der Untergrund wurde häufig glazitektonisch deformiert.
Flint- und Kreidereichtum werden üblicherweise als typische Merkmale der Kuden-Formation bezeichnet. Jedoch trifft das nur bei großregionaler Betrachtung im statistischen Mittel zu. Im Einzelfall oder kleinregional können sich stark abweichende Zusammensetzungen ergeben. So wird die Kuden-Grundmoräne häufig zum Eisrand (nach SW) hin durch zunehmende Aufarbeitung von älterem saalezeitlichen Material zunehmend flintärmer. Das ist auch in der Typusregion um Kuden der Fall (Flint: Kristallin-Verhältnis <0,5, im Gegensatz zu Heiligenhafen mit 0,86). Mit diesem Parameter allein ist sie dann im Westen Schleswig-Holsteins nicht sicher von den anderen saalezeitlichen Grundmoränen zu trennen (vgl. KABEL 1982). Gleiches müsste man eigentlich auch beim Kreidegehalt erwarten, jedoch ist der Kuden-Till gerade in der Typusregion kreidereich. Dasselbe gilt für die nördlich anschließenden Gebiete Dithmarschens (KABEL 1982). Sogar normalerweise kreidearme Tills der Burg-Formation können in Dithmarschen gelegentlich lokal kreidereich sein (LANGE et al. 1979). Solche Verhältnisse sprechen dafür, dass Kreide-Hochlagen (über Salzstöcken) in Schleswig-Holstein selbst häufig Quelle für verstärkte Kreideführung in glaziären Ablagerungen sein dürften. Kreide- (und Flint)gehalte wären somit nur östlich der Kreidehochlagen Schleswig-Holsteins für großregionale Korrelationsversuche mit Hilfe petrographischer Charakteristiken von Wert. Zusätzlich zu dieser Problematik scheint es in den nördlichen Landesteilen Schleswig-Holsteins auch kreidereiche Tills zu geben, die zur Hennstedt-Formation gehören. Auch HOUMARK-NIELSEN (2004) rechnet die kreidereichen Tills nördlich der deutsch/dänischen Grenze zur jüngsten saalezeitlichen, einer „baltischen“ Grundmoräne.
Insgesamt ist die Abtrennung zwischen Ablagerungen der Kuden-Formation und der folgenden Hennstedt-Formation allein mit petrographischen Methoden unsicher.
Literatur: BÖSE, M. (1983): Zum Aufbau der Sedimente im Berliner Urstromtal nach Kiesanalysen von Geschiebemergeln. – Z. Geomorph. N.F., 27(2): 139–145.
EHLERS, J., MEYER, K.-D. & STEPHAN, H.-J. (1984): The pre-Weichselian glaciations of North-West Europe. – Quaternary Science Reviews, 3: 1–40.
GRUBE, F. (1981): The subdivision of the Saalian in the Hamburg Region. – Meded. Rijks Geol. Dienst, 34 (4): 15–25.
HÖFLE, H.-C. (1980): Klassifikation von Grundmoränen in Niedersachsen. – Verh. naturwiss. Ver. Hamburg (NF), 23: 81-92.
HOUMARK-NIELSEN, M. (1987): Pleistocene stratigraphy and glacial history of the central part of Denmark. – Bull. Geol. Soc. Denmark (DGF), 36 (1-2): 1-189.
HOUMARK-NIELSEN, M. (2004): The Pleistocene of Denmark: a review of stratigraphy and glaciation history. – In: EHLERS, J. & Gibbard, P. L. (eds.): Quaternary Glaciations – Extent and Chronology, Part I Europe. – 35–46; Amsterdam (Elsevier).
KABEL, C. (1982): Geschiebestratigraphische Untersuchungen im Pleistozän Schleswig-Holsteins und angrenzender Gebiete. – Diss. Univ. Kiel: 1–132 und 47 S. Anhang.
LANGE, W., MENKE, B., & PICARD, K.-E. (1979): Die Deutung glazigener Sedimente in Schlesw-Holstein. – Verh. Naturwiss. Ver. Hamburg, (NF) 23: 51–68.
LIPPSTREU, L. (1995): Brandenburg. – In: BENDA, L. (Hrsg.):, Das Quartär Deutschlands. – 116-147; Berlin (Borntraeger).
MEYER, K.-D. (1976): Studies on ground moraines in the northwest of the German Federal Republic, in: Till, its genesis and diagenesis, panel discussion. – UAM, Geografia: 217–221; Poznán (Uniw. Mickiewicz).
MÜLLER, U. (2004): Weichsel-Frühglazial in Nordwest-Mecklenburg. – Meyniana, 56: 81–115.
RÜHBERG, N. (1999): Über den Wert der Kleingeschiebezählungen (KGZ). – Geschiebekunde aktuell, 15 (3): 87–100.
SCHLÜTER, G. (1980): Geschiebezählungen im südlichen Geestgebiet Dithmarschens. – Schr. Naturwiss. Ver. Schlesw.-Holst., 50: 57–69.
SJÖRRING, S. (1981): Pre-Weichselian Till Stratigraphy in Western Jutland, Denmark. – Meded. Rijks. Geol. Dienst, 34(10): 62–68.
SJÖRRING, S. & FREDERIKSEN, J. (1980): Glacialstratigrafiske observationer i de vestjuske bakkeøjer. – Dansk geol. Forening Arskrift, 1979: 63–77.
STEPHAN, H.-J. (1980): Glazialgeologische Untersuchungen im südlichen Geestgebiet Dithmarschens. – Schr. Naturwiss. Ver. Schleswig-Holstein, 50: 1–36; Kiel.
STEPHAN, H.-J. (1993): Lithostratigraphische Untersuchungen an den Geschiebemergeln aus Bohrungen von Eggstedterholz. - Geol. Jb., A 138: 159–187.
STEPHAN, H.-J. (1998): Geschiebemergel als stratigraphische Leithorizonte in Schleswig-Holstein, ein Überblick. – Meyniana, 50: 113–135.
STEPHAN, H.-J. (2005): Die weichselzeitliche Landschaftsentwicklung der wagrischen Halbinsel. – 72. Tagung der AG Norddeutscher Geologen in Lübeck, Tagungsband und Exkursionsführer: 129–140; Flintbek (LANU).
STEPHAN, H.-J., URBAN, B, LÜTTIG, G., MENKE, B. & SIERRALTA, M. (im Druck): Palynologische, petrographische
und geochronologische Untersuchungen an Ablagerungen der Leck-Warmzeit (spätes Mittelpleistozän) und begleitender Sedimente. – Geol. Jahrb.; Hannover.
WOLDSTEDT, P. (1954): Saaleeiszeit, Warthestadium und Weichseleiszeit in Norddeutschland. – Eiszeitalter und Gegenwart, 4/5: 34–48.
Autor des Datenblattes: Hans-Jürgen Stephan
Erstellt am: 03.02.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 07.05.2009
Änderung Datensatz: 28.07.2009


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 30.03.2017, 20:43:45.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID