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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Kösener Verlehmungszone
ID: 1006026
Hierarischer Rang: nicht klassifiziert
Erstbeschreibung: S. WANSA (nach RUSKE & WÜNSCHE 1961), für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: revisionsbedürftig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Weichselium (Oberpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: --
Lithologie: Es handelt sich um eine schwach entwickelte, z. T. rostfleckige, z. T. schwach humose Braunerde auf Löss von geringer Mächtigkeit, die sich meist durch starke Entkalkung und geringe Tonbildung auszeichnet (HAASE et al. 1970).
In beiden Profilen (Ziegeleigrube der Kalkwerke Rudelsburg in Bad Kösen-Lengefeld und Ziegeleigrube Gerlach in Freyburg) ist der Verlehmungshorizont auf Schwemmlöss entwickelt und zeichnet sich durch ein Bröckelgefüge aus.
Untergeordnete Einheit: --
Liegendgrenze: Die Untergrenze wird durch Schwemmlöss, Löss und Fließerde gebildet. Der liegende Löss überlagert den Naumburger Bodenkomplex.
Hangendgrenze: Die Obergrenze wird durch Fließerde, Schwemmlöss und Löss gebildet, die in Freyburg ca. 3 m mächtig sind. Der hangende Löss bildet das Substrat für den rezenten Boden.
Mittlere Mächtigkeit: 0,5 m
Maximale Mächtigkeit: < 1 m
Typusprofile, etc.: Die Kösener Verlehmungszone wurde von RUSKE & WÜNSCHE (1961) aus der Ziegeleigrube der Kalkwerke Rudelsburg in Bad Kösen-Lengefeld und aus der Ziegeleigrube Gerlach in Freyburg beschrieben. Das letztere, heute nicht mehr zugängliche Profil kann aufgrund seiner komplexen Schichtenfolge als Typusprofil angesehen werden (TK 4735 Freyburg/Unstrut, R 4483900, H 5675650). Typusregion ist das Halbtrockengebiet an der mittleren Saale und unteren Unstrut.
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Leipziger Bucht
Verbreitung (Ergänzung): Die Verbreitung der Kösener Verlehmungszone ist auf das Lössgebiet im Halbtrockenbereich Mitteldeutschlands beschränkt (Südöstliches Harzvorland, westlicher Randbereich der Leipziger Tieflandsbuch).
Zeitgleiche Einheiten: Im Halbtrockengebiet Mitteldeutschlands sind schwache Bodenbildungen in weichselzeitlichem Löss aus mehreren Profilen bekannt (RUSKE & WÜNSCHE 1964, 1968), wobei die Korrelation oft unsicher ist. Möglicherweise stellt die Gleinaer Bodenbildung („arctic brown soil“) im sächsischen Feuchtbereich (LIEBEROTH 1963) eine äquivalente Bildung dar. Eine Korrelation mit dem Lohner Boden im Rhein-Main-Gebiet (SCHÖNHALS et al. 1964) ist problematisch, weil im Profil Nußdorf zwei verschieden alte Böden mit der spezifischen Ausbildung des Lohner Bodens vorkommen (BIBUS et al. 2007). Die von HAASE et al. (1970) vorgenommene Parallelisierung mit dem Stillfried-B-Komplex in Niederösterreich (FINK 1956) gilt heute als unwahrscheinlich (SEMMEL 2003).
Alterseinstufung: Aus einem Bv-Horizont mit umgelagertem humosem Material im Paläobodenprofil Hedersleben (Landkreis Mansfelder Land) liegen ein vorläufiges kalibriertes 14C-Alter von 31 600 +/- 210 cal BP (unkalibriert 27 400 +160 -125 a BP) und ein vorläufiges TL-Alter von 29 000 ± 3200 a BP vor (Profilbeschreibung: KAINZ & WANSA 1997, 14C-Datierung: GEYH 1995, schriftl. Mitt., TL-Datierung: KRBETSCHEK (1998). Die Korrelation dieses Horizontes mit der Kösener Verlehmungszone ist wahrscheinlich.
Kommentar: Aufgrund der Lagerungsverhältnisse und der geringen Intensität der Bodenbildung sowie der numerischen Daten vom Profil Hedersleben ist die Zuordnung zum mittelweichselzeitlichen Denekamp-Interstadial wahrscheinlich, aber nicht hinreichend belegt.
Versch./Sonstiges: --
Literatur: BIBUS, E., FRECHEN, M., KÖSEL, M. & RÄHLE, W. (2007): Das jungpleistozäne Lößprofil von Nußloch (SW-Wand) im Aufschluss der Heidelberger Zement AG. - Eiszeitalter u. Gegenwart, 56/4: 227–255.
FINK, J. (1956): Zur Korrelation der Terrassen und Lösse in Österreich. - Eiszeitalter u. Gegenwart, 7: 49–77.
HAASE, G., LIEBEROTH, I. & RUSKE, R. unter Mitarbeit von ALTERMANN, M., RAU, D., UNGER, K.-P. & WÜNSCHE, M. (1970): Sedimente und Paläoböden im Lößgebiet. – In: RICHTER, H., HAASE, G., LIEBEROTH, I. & RUSKE, R. (Hrsg.): Periglazial – Löß – Paläolithikum im Jungpleistozän der Deutschen Demokratischen Republik. – Erg.-H. 274 zu Petermanns Geographischen Mitteilungen: 99–212; Gotha/Leipzig (Haack).
KAINZ, W. & WANSA, S. (1997): A new paleosoil sequence near Hedersleben - Luvisols in Saalian to Weichselian sediments (Eastern forelands of the Harz mountains). – Book of abstracts, International Working Meeting of ISSS-Commission V and INQUA-Commission on Paleopedology, Sept. 1997 in Rauischholzhausen Castle: 26.
KRBETSCHEK, M. (1998): Lumineszenz-Altersbestimmungen von Sedimentproben aus dem Pleistozänprofil Hedersleben. – unveröff. Bericht (Forschungsstelle Geochronologie Quartär der Sächsischen Akad. d. Wiss.)
LIEBEROTH, I. (1963): Lößsedimentation und Bodenbildung während des Pleistozäns in Sachsen. – Geologie, 12: 149–187.
RUSKE, R. & WÜNSCHE, M. (1961): Löße und fossile Böden im mittleren Saale- und unteren Unstruttal. – Geologie, 10: 9–29.
RUSKE, R. & WÜNSCHE, M.- (1964): Zur Gliederung des Pleistozäns im Raum der unteren Unstrut. – Geologie, 13: 211–222.
RUSKE, R. & WÜNSCHE, M. (1968): Zur Gliederung jungpleistozäner Lößablagerungen im südöstlichen und östlichen Harzvorland. – Geologie, 17: 288–297.
SCHÖNHALS, E., ROHDENBURG, H. & SEMMEL, A. (1964): Ergebnisse neuerer Untersuchungen zur Würmlöß-Gliederung in Hessen. – Eiszeitalter u. Gegenwart, 15: 199–206.
SEMMEL, A. (2003): Deutsche und österreichische stratigraphische Lößforschung - ein Rückblick mit persönlichen Erinnerungen. - Tübinger geowiss. Arbeiten, D9: 6–24.
Autor des Datenblattes: Stefan Wansa
Erstellt am: 01.10.2007
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 07.05.2009
Änderung Datensatz: 09.07.2009


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Litholex Recherche vom 30.03.2017, 20:42:30.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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