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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Rudelsburger Bodenkomplex
ID: 1006025
Hierarischer Rang: nicht klassifiziert
Erstbeschreibung: S. WANSA (nach RUSKE & WÜNSCHE 1961), für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: revisionsbedürftig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Saalium-Komplex (Mittelpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: --
Lithologie: Der Rudelsburger Bodenkomplex besteht aus einem Humusanreicherungshorizont mit Bröckelgefüge und einem Verlehmungshorizont (feinsandiger Lösslehm) mit Bröckelgefüge, die sich auf Sandlöss entwickelt haben (RUSKE & WÜNSCHE 1961). Der Feinsandgehalt nimmt zum Liegenden zu.
Nach MANIA & ALTERMANN (1970) baut sich der Bodenkomplex aus einem etwa 40 cm mächtigen fAh-Horizont und aus einem darunter folgenden, ca. 60 cm mächtigen, z. T. schwach rostfleckigem fBv-Bt-Horizont auf (schwach ausgeprägte Parabraunerde). Der Humusgehalt in der Humuszone beträgt um 1 % und hängt von lokalen Bedingungen ab. Verlehmungs- wie Humuszone „sollen eine Catena vom trockenen Hang zur Aue repräsentieren“ (MANIA & ALTERMANN 1970: 1171).
Untergeordnete Einheit: --
Liegendgrenze: Die Untergrenze wird von Solifluktionsschutt und von der Hauptterrasse der Saale gebildet.
Hangendgrenze: Die am Typusprofil 10 m mächtige Hangendfolge besteht vor allem aus Fließerden und Schwemmlöss und enthält den Naumburger Bodenkomplex. Den hangenden Profilabschluss bilden weichselzeitlicher Löss und der holozäne Boden. Nach MANIA & ALTERMANN (1970) wird der Bodenkomplex von drenthezeitlichem Hang- und Solifluktionsschutt überlagert.
Mittlere Mächtigkeit: 1,2 m
Maximale Mächtigkeit: 1,4 m
Typusprofile, etc.: Der Rudelsburger Bodenkomplex wurde von RUSKE & WÜNSCHE (1961) aus dem Abraum des Kalksteinbruches Bad Kösen - Lengefeld (Sachsen-Anhalt) beschrieben. Das Profil gilt als Typusprofil, es ist mit veränderten Aufschlussbedingungen noch heute zugänglich (TK 4836 Naumburg, R 4479800, H 5665550).
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Leipziger Bucht
Verbreitung (Ergänzung): Die Verbreitung ist wegen der unklaren Korrelation mit dem Freyburger Bodenkomplex auf die nähere Umgebung des Typusprofils beschränkt.
Zeitgleiche Einheiten: Sofern der Rudelsburger Bodenkomplex dem Freyburger Komplex entspricht, gelten die dort aufgeführten Korrelationen.
Alterseinstufung: Numerische Daten liegen nicht vor. Aufgrund der im Vergleich zum Naumburger Bodenkomplex deutlich geringeren Intensität der Bodenbildung sowie der Lagerungsverhältnisse vermuteten RUSKE & WÜNSCHE (1961), dass der Rudelsburger Bodenkomplex in einem Interstadial zwischen dem Drenthe-Stadium und dem Warthe-Stadium des Saale-Komplexes entstanden ist.
Dagegen vertraten MANIA & MAI (1969) und MANIA & ALTERMANN (1970) aufgrund veränderter Aufschlussverhältnisse und komplexer Untersuchungen die Auffassung, dass der Bodenkomplex in den unteren Teil des Saale-Komplexes (nach heutigem Verständnis) über die Fuhne-Kaltzeit einzuordnen ist. Zudem haben MANIA & ALTERMANN (1970) den Rudelsburger Bodenkomplex mit dem Freyburger Bodenkomplex parallelisiert. Vor allem aufgrund malakologischer sowie sedimentologischer Untersuchungen wird die Verlehmungszone als warmzeitliche Bildung angesehen, während die Humuszone bereits der nachfolgenden Kaltphase zugeordnet wird.
Die unterlagernde Saale-Hauptterrasse enthält Corbicula fluminalis, was darauf hindeutet, dass die Schotter nicht holsteinzeitlich, sondern in einer frühsaalezeitlichen Wärmeschwankung akkumuliert wurden (MENG & WANSA 2008).
Kommentar: Spätere Profilaufnahmen und Diskussionen (insbesondere von STEINMÜLLER 1972 und MANIA 1995) zeigen, dass die Alterseinstufung des Rudelsburger Bodenkomplexes und die Identität mit dem Freyburger Bodenkomplex noch nicht abschließend geklärt sind.
Versch./Sonstiges: --
Literatur: MANIA, D. & ALTERMANN, M. (1970): Zur Gliederung des Jung- und Mittelpleistozäns im mittleren Saaletal bei Bad Kösen. – Geologie, 19: 1161–1184.
MANIA, D. & MAI (1969): Warmzeitliche Mollusken und Pflanzenreste aus dem Mittelpleistozän des Geiseltals (südlich von Halle). – Geologie, 18: 674–690.
MANIA, D. (1995): Exk.-Pkt. Lengefeld - Bad Kösen, Steinbruch des Kalkwerkes Bad Kösen. – In: Mania, D., Altermann, M. & Rau, D.: Paläoböden und Stratigraphie des Mittel- und Jungquartärs im Mitteldeutschen Trockengebiet. – Arbeitskreis Paläopedologie der Deutschen Bodenkundlichen Ges., Sitzung und Exkursion 25.-27.5. 1995 in Jena, Tagungsband: 1–11; Jena.
MENG, S. & WANSA, S. (2008): Sedimente und Prozesse am Außenrand der Saale-Vereisung südwestlich von Halle (Saale). – Z. dt. Ges. Geowiss., 159/2: 205–220.
RUSKE, R. & WÜNSCHE, M. (1961): Löße und fossile Böden im mittleren Saale- und unteren Unstruttal. – Geologie, 10: 9–29.
STEINMÜLLER, A. (1972): Die jungpleistozäne Schichtenfolge von Kösen – Lengefeld und zur Gliederung der Saale-Kaltzeit. – Geologie, 21: 1173–1195.
Autor des Datenblattes: Stefan Wansa
Erstellt am: 01.10.2007
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 07.05.2009
Änderung Datensatz: 09.07.2009


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Litholex Recherche vom 23.03.2017, 05:17:36.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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