litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Naumburger Bodenkomplex
ID: 1006024
Hierarischer Rang: nicht klassifiziert
Erstbeschreibung: S. WANSA (nach RUSKE & WÜNSCHE 1961), für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: revisionsbedürftig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Weichselium (Oberpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Eemium (Oberpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: --
Lithologie: Der Naumburger Bodenkomplex besteht aus einem „schwarzerdeähnlichen A-Horizont mit dem darunter folgenden, durch intensive Verwitterung und Tonverlagerung gekennzeichneten Bodenhorizont“ (RUSKE & WÜNSCHE 1961: 26). Nach RUSKE & WÜNSCHE (1964: 217) setzt sich die Boden-Formation im ehemaligen Braunkohlentagebau Roßbach „aus einer basalen Parabraunerde und zwei durch einen Löß voneinander getrennten schwarzerdeähnlichen Bodenbildungen“ zusammen (vgl. auch HAASE et al. 1970, MANIA & ALTERMANN 1970).
Der bis 1,6 m mächtige Ah-Horizont weist Bröckelgefüge auf, der bis 1,7 m mächtige Bt-Horizont (Lösslehm) überwiegend Prismen- bis Säulengefüge. In Freyburg und Naumburg reicht die Humifizierung bis in den obersten Bereich des Verlehmungshorizontes.
Untergeordnete Einheit: --
Liegendgrenze: Die Untergrenze wird von Fließerden oder Löss gebildet.
Hangendgrenze: Die Obergrenze wird von weichselzeitlichen Fließerden und Löss gebildet. Die Hangendschichten erreichen am Typusprofil ca. 6 m Mächtigkeit.
Mittlere Mächtigkeit: 2-2,5 m
Maximale Mächtigkeit: ca. 3 m
Typusprofile, etc.: Der Naumburger Bodenkomplex wurde von RUSKE & WÜNSCHE (1961) aus drei Profilen im südlichen Sachsen-Anhalt beschrieben. Die Aufschlüsse befanden sich im Abraum des Kalksteintagebaues der Kalkwerke Rudelsburg in Bad Kösen, in der Ziegeleigrube Gerlach in Freyburg (TK 4735 Freyburg/Unstrut, R 4483900, H 5675650) und in der Ziegeleigrube Hesse in Naumburg. Die beiden letzteren gelten nach HAASE et al. (1970) als Typusprofile, sind jedoch heute nicht mehr zugänglich. Derzeit ist der Bodenkomplex u. a. im Kalksteinwerk Bad Kösen-Lengefeld (TK 4836 Naumburg, R 4479800, H 5665550) und im Hangenden des Zeuchfelder Sanders bei Freyburg (Unstrut) (TK 4735 Freyburg/Unstrut, R 4486450, H 5677200) gut aufgeschlossen. Als Typusregion gilt das Halbtrockengebiet an der unteren Unstrut und mittleren Saale.
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Leipziger Bucht
Verbreitung (Ergänzung): Die Verbreitung des Naumburger Bodenkomplexes ist auf das Lössgebiet im Halbtrockenbereich Mitteldeutschlands beschränkt (Südöstliches Harzvorland, westlicher Randbereich der Leipziger Tieflandsbucht).
Zeitgleiche Einheiten: Der Naumburger Bodenkomplex ist im Halbtrockenbereich Mitteldeutschlands in verschiedener Ausprägung verbreitet (RUSKE & WÜNSCHE 1968). Er korreliert mit vergleichbar ausgebildeten Böden im Östlichen Harzvorland (KUNERT & ALTERMANN 1965), im Thüringer Becken (UNGER & RAU 1961) sowie mit dem Lommatzscher Bodenkomplex (LIEBEROTH 1963) im Feuchtbereich des sächsischen Lössgebietes. Der untere Teil des Naumburger Bodenkomplexes (Parabraunerde) entspricht dem Erbacher Boden bzw. Homburger Boden des Rhein-Main-Gebietes, der obere (humose Horizonte) ist den Mosbacher Humuszonen (SCHÖNHALS et al. 1964) äquivalent.
Alterseinstufung: Aufgrund intensiver Verwitterung und Tonverlagerung sowie der Lagerungsverhältnisse wurde die Bodenbildung von RUSKE & WÜNSCHE (1961) in die Eem-Warmzeit gestellt. Seit RUSKE & WÜNSCHE (1964) werden die Humuszonen als Bildungen unterweichselzeitlicher Wärmeschwankungen angesehen. Nach den vorläufigen TL-Altern vom Paläobodenprofil Hedersleben (Landkreis Mansfelder Land) am liegenden Schwemmlöss (140 ± 18 ka), dem darauf entwickelten Bt-Horizont (119 ± 25 ka) und dem auflagernden Bt/Et-Horizont (95 ± 17 ka) kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Verlehmungshorizont des Naumburger Bodenkomplexes eem- bis unterweichselzeitliches Alter hat (Profilbeschreibung: KAINZ & WANSA 1997, TL-Datierung: KRBETSCHEK 1998).
Kommentar: Es bleibt vorerst offen, welche Abschnitte im Zeitraum Eem-Warmzeit – Untere Weichsel-Kaltzeit durch den Naumburger Bodenkomplex repräsentiert werden.
Versch./Sonstiges: --
Literatur: HAASE, G., LIEBEROTH, I. & RUSKE, R. unter Mitarbeit von ALTERMANN, M., RAU, D., UNGER, K.-P. & WÜNSCHE, M. (1970): Sedimente und Paläoböden im Lößgebiet. – In: RICHTER, H., HAASE, G., LIEBEROTH, I. & RUSKE, R. (Hrsg.): Periglazial – Löß – Paläolithikum im Jungpleistozän der Deutschen Demokratischen Republik. – Erg.-H. 274 zu Petermanns Geographischen Mitteilungen: 99–212; Gotha/Leipzig (Haack).
KAINZ, W. & WANSA, S. (1997): A new paleosoil sequence near Hedersleben - Luvisols in Saalian to Weichselian sediments (Eastern forelands of the Harz mountains). – Book of abstracts, International Working Meeting of ISSS-Commission V and INQUA-Commission on Paleopedology, Sept. 1997 in Rauischholzhausen Castle: 26.
KRBETSCHEK, M. (1998): Lumineszenz-Altersbestimmungen von Sedimentproben aus dem Pleistozänprofil Hedersleben. – unveröff. Bericht (Forschungsstelle Geochronologie Quartär der Sächsischen Akad. d. Wiss.)
KUNERT, R. & ALTERMANN, M. (1965): Das Pleistozän zwischen Saale und Wipper. – Geologie, 14: 520–553.
LIEBEROTH, I. (1963): Lößsedimentation und Bodenbildung während des Pleistozäns in Sachsen. – Geologie, 12: 149–187.
MANIA, D. & ALTERMANN, M. (1970): Zur Gliederung des Jung- und Mittelpleistozäns im mittleren Saaletal bei Bad Kösen. – Geologie, 19: 1161–1184.
RUSKE, R. & WÜNSCHE, M. (1961): Löße und fossile Böden im mittleren Saale- und unteren Unstruttal. – Geologie, 10: 9–29.
RUSKE, R. & WÜNSCHE, M. (1964): Zur Gliederung des Pleistozäns im Raum der unteren Unstrut. – Geologie, 13: 211–222.
RUSKE, R. & WÜNSCHE, M. (1968): Zur Gliederung jungpleistozäner Lößablagerungen im südöstlichen und östlichen Harzvorland. – Geologie, 17: 288–297.
SCHÖNHALS, E., ROHDENBURG, H. & SEMMEL, A. (1964): Ergebnisse neuerer Untersuchungen zur Würmlöß-Gliederung in Hessen. – Eiszeitalter u. Gegenwart, 15: 199–206.
UNGER, K.-P. & RAU, D. (1961): Gliederung und Altersstellung der Lößablagerungen im Thüringer Becken und dessen Randgebiet. – In: Quaternary of Central and Eastern Europe I., Inst. Geol. Prace, 34: 227–235; Warschau.
Autor des Datenblattes: Stefan Wansa
Erstellt am: 01.10.2007
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 07.05.2009
Änderung Datensatz: 09.07.2009


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 23.03.2017, 05:21:01.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID