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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Freyburger Bodenkomplex
ID: 1006023
Hierarischer Rang: nicht klassifiziert
Erstbeschreibung: S. WANSA (nach RUSKE & WÜNSCHE 1961), für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: revisionsbedürftig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Saalium-Komplex (Mittelpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Holsteinium (Mittelpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: --
Lithologie: Der Freyburger Bodenkomplex besteht aus einer mächtigen schwarzerdeähnlichen Bodenbildung (Ah-Horizont mit Bröckelgefüge = Humushorizont) über einem Verwitterungshorizont mit braunlehmartigen Charakter (Bt-Horizont bzw. Parabraunerde in Löss mit plattig-polyedrischem Gefüge).
Der Humushorizont des Boden-Komlexes wurde von HAASE et al. (1970) als separate Bodenbildung betrachtet, die in einem schwemmlössartigen Substrat entwickelt ist.
Untergeordnete Einheit: --
Liegendgrenze: Unter dem Freyburger Bodenkomplex lagert stark verlehmter Kalksteinschutt. Durch eine Bohrung konnte nachgewiesen werden, dass die Parabraunerde nach der Talmitte zu auf feuersteinführenden Unstrutschottern lagert, die im obersten Teil stark verlehmt sind (HAASE et al. 1970).
Hangendgrenze: Am Typusprofil wird der Freyburger Bodenkomplex von saalezeitlicher Fließerde überlagert, in der ein Braunerde-Tschernosem entwickelt ist (HAASE et al. 1970). Die insgesamt ca. 32 m mächtige Hangendfolge ist sehr komplex aufgebaut. Sie besteht vor allem aus Fließerden, Bänderton und Schwemmlöss, in denen der Naumburger Bodenkomplex und die Kösener Verlehmungszone entwickelt sind. Den hangenden Profilabschluss bilden weichselzeitlicher Löss und der holozäne Boden.
Mittlere Mächtigkeit: 1,9 m am Typusprofil
Maximale Mächtigkeit: ca. 2 m
Typusprofile, etc.: Der Freyburger Bodenkomplex wurde von RUSKE & WÜNSCHE (1961, 1964) aus der Ziegeleigrube Gerlach in Freyburg (Unstrut) beschrieben. Der heute nicht mehr zugängliche Aufschluss gilt als Typusprofil (TK 4735 Freyburg/Unstrut, R 4483900, H 5675650). Typusregion ist das Halbtrockengebiet an der mittleren Saale und unteren Unstrut.
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Leipziger Bucht
Verbreitung (Ergänzung): Die Verbreitung der Freyburg-Boden-Formation ist auf das Lössgebiet im Halbtrockenbereich Mitteldeutschlands beschränkt (Südöstliches Harzvorland, westlicher Randbereich der Leipziger Tieflandsbucht).
Zeitgleiche Einheiten: Der Bodenkomplex korreliert wahrscheinlich mit den Fahlerde-Pseudogleyen im Feuchtbereich des sächsischen Lössgebietes (LIEBEROTH 1963) sowie mit den Verwitterungsdecken (Braun- bzw. Parabraunlehme) im Thüringer Becken (UNGER & RAU 1970). Insgesamt sind holstein- bis frühsaalezeitliche Bodenbildungen infolge der frühsaalezeitlichen Erosion (Solifluktion, Abspülung) in Mitteldeutschland nur an wenigen Stellen und meist nur reliktisch erhalten.
Alterseinstufung: Numerische Daten liegen nicht vor. Auf Grund intensiver Verwitterung und Tonverlagerung (Parabraunerde) sowie der Lagerungsverhältnisse wurde der Freyburger Bodenkomplex von RUSKE & WÜNSCHE (1961, 1964) der Holstein-Warmzeit zugeordnet. HAASE et al. (1970) sowie MANIA & ALTERMANN (1970) stellten den Bodenkomplex in den unteren Teil des Saale-Komplexes (nach heutigem Verständnis) über die Fuhne-Kaltzeit. MANIA & ALTERMANN (1970) hielten sie zudem für gleichaltrig mit dem Rudelsburger Bodenkomplex und betonten, dass Humuszone und Verlehmungszone zu unterschiedlichen Bodenbildungen gehören, da sie an verschiedenen Stellen durch Hangsedimente getrennt sind. Konsens besteht darin, dass die Parabraunerde unter interglazialen Bedingungen entststanden ist, während die Humuszone in kühlerem Klima gebildet wurde.
Kommentar: Es ist noch nicht sicher, welche Abschnitte des Zeitraums Holstein-Warmzeit - Unterer Saale-Komplex durch den Freyburger Bodenkomplex repräsentiert werden.
Versch./Sonstiges: --
Literatur: HAASE, G., LIEBEROTH, I. & RUSKE, R. unter Mitarbeit von ALTERMANN, M., RAU, D., UNGER, K.-P. & WÜNSCHE, M. (1970): Sedimente und Paläoböden im Lößgebiet. – In: RICHTER, H., HAASE, G., LIEBEROTH, I. & RUSKE, R. (Hrsg.): Periglazial – Löß – Paläolithikum im Jungpleistozän der Deutschen Demokratischen Republik, Erg.-H. 274 zu Petermanns Geographischen Mitteilungen, 99–212; Gotha/Leipzig (Haack).
LIEBEROTH, I. (1963): Lößsedimentation und Bodenbildung während des Pleistozäns in Sachsen. – Geologie, 12: 149–187.
MANIA, D. & ALTERMANN, M. (1970): Zur Gliederung des Jung- und Mittelpleistozäns im mittleren Saaletal bei Bad Kösen. – Geologie, 19: 1161–1184.
RUSKE, R. & WÜNSCHE, M. (1961): Löße und fossile Böden im mittleren Saale- und unteren Unstruttal. – Geologie, 10: 9–29.
RUSKE, R. & WÜNSCHE, M. (1964): Zur Gliederung des Pleistozäns im Raum der unteren Unstrut. – Geologie, 13: 211–222.
UNGER, K.P. & RAU, D. (1970): Bodenbildungen des Holstein-Interglazials auf elsterzeitlichen Schotterablagerungen im Thüringer Becken. – Geologie, 19: 944–966.
Autor des Datenblattes: Stefan Wansa
Erstellt am: 01.10.2007
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 07.05.2009
Änderung Datensatz: 09.07.2009


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Litholex Recherche vom 23.03.2017, 05:14:24.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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