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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Zeitz-Glaziär-Formation
ID: 1006021
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: S. WANSA, erstmals für LithoLex definiert.
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Saalium-Komplex (Mittelpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Die Formation entspricht dem unteren Teil der „glaziären Folge der Saaleeiszeit“ im Sinne von EISSMANN (1975). Zur Zeitz-Glaziär-Formation werden die Ablagerungen der Zeitz-Phase und des Pomßen-Intervalls (EISSMANN 1969, 1970, 1975) zusammengefasst, d. h. des ersten und am weitesten nach Süden reichenden Inlandeisvorstoßes des Saale-Komplexes in Mitteldeutschland sowie der anschließenden Rückschmelzphase (LITT et a. 2007, LITT & WANSA 2008).
Lithologie: Die Zeitz-Glaziär-Formation repräsentiert einen vollständigen glaziären Zyklus von der Entwicklung des Eisstausees vor dem vorstoßenden Eis über die Vergletscherung bis zum Abschmelzen.
Die Formation ist petrographisch heterogen aufgebaut. Wichtigste Einheit ist die Erste Saale-Grundmoräne. Sie besteht meist aus einem olivgrauen bis braungrauen Geschiebemergel, der sich vorwiegend durch schwedisch-westfinnisches Geschiebeinventar auszeichnet, doch reicht das gesamte Herkunftsgebiet von Oslo (Rhombenporphyr) bis Südostfinnland. Der Eisvorstoß war S-orientiert. In der Leipziger Tieflandsbucht ist ein mm- bis wenige cm-starkes Geröllpflaster an der Basis der Ersten Saale-Grundmoräne typisch. Der Bruckdorf-Horizont ist durch glazilimnische, teilweise als Warvite ausgebildete tonige und feinsandige Schluffe (Unterer Bruckdorf-Bänderton) sowie glazifluvitile Sande und Kiese gekennzeichnet. Stärker fluviatil geprägte Ablagerungen (Pomßen-Mischschotter, Bruckdorf-Basalschotter) belegen eine kurze Wiederbelebung der südlichen Flüsse.
Untergeordnete Einheit: Subformationen: Böhlen-Lochau-Bänderton, Erste Saale-Grundmoräne, Bruckdorf-Horizont, Pomßen-Mischschotter, Ablagerungen der Eisrandlagen der Zeitz-Phase (z. B. Zeitzer Randlage, Grimmaer Randlage)
Liegendgrenze: Die Untergrenze wird von der Hauptterrassen-Subformation der Flüsse gebildet, die im Hangenden kontinuierlich in feinkörnige Stauseesedimente (Beckenschluff, "Bänderton") übergeht. Außerhalb der frühsaalezeitlichen Flusstäler wird die Formation verbreitet von elsterglaziären Bildungen unterlagert.
Hangendgrenze: Im Hangenden grenzt die Zeitz-Glaziär-Formation an die Leipzig-Glaziär-Formation, die mit dem Vorstoßbänderton des zweiten Saale-Eisvorstoßes beginnt (siehe Pkt. 15).
Mittlere Mächtigkeit: ca. 6-15 m
Maximale Mächtigkeit: ca. 12-30 m am Eisrand
Typusprofile, etc.: Eine Typuslokalität ist noch nicht benannt worden. Als Typusregion gilt die Leipziger Tieflandsbucht, in dem sich die saaleglazialen Sedimentsukzessionen der Zeitz-Phase und der Leipzig-Phase zuordnen lassen (EISSMANN 1975, LITT et al. 2007). EISSMANN hat den Raum Lochau - Schkeuditz mit dem Tal der Weißen Elster zwischen Halle und Leipzig zur Beschreibung des Lithostratotyps der Saalesequenz vorgeschlagen (LITT & TURNER 1993). Die Zeitz-Glaziär-Formation ist in Mitteldeutschland weit verbreitet und reicht bis an den Außenrand der Saale-Eisbedeckung. Der Maximalstand verlief am Nord- und Ostrand des Harzes entlang und weiter über Eisleben, Querfurt, Naumburg, Zeitz, Grimma, Döbeln, Kamenz nach Görlitz. Die nördliche Begrenzung wird etwa von der Linie Petersberg – Bitterfeld – Bad Düben – Belgern gebildet, wo sich die Grundmoränengabel der Zeitz-Phase und Leipzig-Phase schließt (RUSKE 1964, EISSMANN 1975, 1994, 1997).
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen
Sachsen-Anhalt
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Leipziger Bucht
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: Die 1. Saale-Grundmoräne als wichtigste Einheit der Zeitz-Glaziär-Formation entspricht wahrscheinlich der Normal-Fazies des Unteren Grundmoränenkomplexes in Brandenburg und partiell der Haupt-Drenthe-Grundmoräne in Niedersachsen (vgl. LIPPSTREU 1999, EHLERS et al. 2004). Nördlich der Linie Petersberg – Bitterfeld – Bad Düben - Belgern existiert bis zur Warthe-Linie weitflächig nur eine Saale-Grundmoräne, die den Zeitraum der Zeitz- und Leipzig-Phase vertritt und mit der Unteren Saale-Grundmoräne Brandenburgs korreliert wird. Aufgrund der Kleingeschiebezusammensetzung wird diese Grundmoräne in der nördlichen Leipziger Tieflandsbucht aber im Wesentlichen als Bildung der Leipzig-Phase aufgefasst.
Alterseinstufung: Die Einstufung erfolgt auf Basis der petrographischen Charakteristik und der Lagerungsverhältnisse, abgesichert durch zahlreiche Großaufschlüsse und Bohrungen. Aus dem Bruckdorf-Horizont im Tagebau Delitzsch-SW liegt ein nach MEJDAHL (1989) korrigiertes TL-Alter von 141 000 +/- 16 000 a BP vor, das als "vorläufiger relativer Wert" zu betrachten ist (KRBETSCHEK & STOLZ 1994).
Kommentar: Die stratigraphische Einordnung in den Saale-Komplex ist durch die Lagerungsbeziehungen zu limnischen Holsteinvorkommen und zur Hauptterrassen-Subformation im Liegenden sowie zu limnischen Eem-Vorkommen im Hangenden belegt.
Versch./Sonstiges: Bisher wurde der Bruckdorf-Bänderton (bzw. Obere Bruckdorf-Bänderton) als Teil des Bruckdorf-Horizontes angesehen. Der Bänderton gehört jedoch bereits zur nachfolgenden Vergletscherungsphase und soll deshalb der Leipzig-Glaziär-Formation zugeordnet werden. Es wird generell empfohlen, die Vorstoßbändertone in Mitteldeutschland als eigenständige Subformationen zu betrachten.
Literatur: EHLERS, J., EISSMANN, L., LIPPSTREU, L., STEPHAN, H.-J. & WANSA, S. (2004): Pleistocene Glaciations of North Germany. – In: EHLERS, J. & GIBBARD, P. L. (eds.): Quaternary Glaciations – Extent and Chronology, Part I: Europe. – Developments in Quaternary Science, vol. 2a: 135-146; Amsterdam (Elsevier).
EISSMANN, L. (1969): Beiträge zur Geologie des industriellen Ballungsgebietes Halle-Leipzig. Das Quartär der Leipziger Tieflandsbucht und des angrenzenden Tief- und Hügellandes um Saale und Elbe. – Schriftenr. Unveröff. Habil.-Schr., Universität Halle.
EISSMANN, L. (1970): Geologie des Bezirkes Leipzig. – Natura regionis Lipsiensis, H. 1+2; Leipzig (Naturwiss. Museum).
EISSMANN, L. (1975): Das Quartär der Leipziger Tieflandsbucht und angrenzender Gebiete um Saale und Elbe. – Schriftenr. geol. Wiss., 2: 1-263; Berlin.
EISSMANN, L. (1994): Grundzüge der Quartärgeologie Mitteldeutschlands (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Südbrandenburg, Thüringen). – Altenbg. nat. wiss. Forsch., 7: 55-135; Altenburg (DEUQUA-Tagung in Leipzig 1994).
EISSMANN, L. (1997): Das quartäre Eiszeitalter in Sachsen und Nordostthüringen. Landschaftswandel am Südrand des skandinavischen Vereisungsgebietes. – Altenbg. nat. wiss. Forsch., 8: 1-98; Altenburg.
KRBETSCHEK; M. & STOLZ, W. (1994): Lumineszenz-Datierungen an pleistozänen Sedimenten aus Tagebauen des Mitteldeutschen und Lausitzer Braunkohlenreviers. – Altenbg. nat wiss. Forsch., 7: 289-295; Altenburg (DEUQUA-Tagung in Leipzig 1994).
LITT, T., BEHRE, K.-E., MEYER, K.-D., STEPHAN, H.-J. & WANSA, S. (2007): Stratigraphische Begriffe für das Quartär des norddeutschen Vereisungsgebietes. – Eiszeitalter u. Gegenwart, 56: 7-65; Hannover.
LITT, T. & TURNER, C. (1993): Arbeitsergebnisse der Subkommission für Europäische Quartärstratigraphie: Die Saalesequenz in der Typusregion (Berichte der SEQS 10). – Eiszeitalter u. Gegenwart, 43: 125-128; Krefeld.
LITT, T. & WANSA, S. (2008): Quartär. - In: BACHMANN, G., EICHNER, R., KNOTH, W. & SCHWAB, M. (Hrsg.): Geologie von Sachsen-Anhalt. – 293–325; Stuttgart (Schweizerbart).
MEJDAHL, V. (1989): How far back: life times estimated from studies of feldspars of infinite ages. – Synopses from a workshop on Long & Short Range Limits in Luminescence Dating Oxford 1989, Oxford University, Occasional Publications no. 9.
RUSKE, R. (1964): Das Pleistozän zwischen Halle (Saale), Bernburg und Dessau. – Geologie, 13: 570-597; Berlin.
Autor des Datenblattes: Stefan Wansa
Erstellt am: 11.10.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 11.05.2007
Änderung Datensatz: 05.12.2008

Anzahl Litho alt: 1

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Litholex Recherche vom 25.05.2017, 14:39:04.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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