litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Zwickau-Glaziär-Formation
ID: 1006018
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: W. ALEXOWSKY, S. WANSA und L. Katzschmann, für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Elsterium (Mittelpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Die Formation entspricht dem ersten Zyklus der „glaziären Folge der Elstereiszeit“ im Sinne von EISSMANN (1995). Die Formation umfasst die Ablagerungen der Zwickauer Phase bzw. Zwickau-Phase, einschließlich von Nachschüttbildungen am Beginn des Miltitz-Inervalls (EISSMANN 1969, 1970, LITT et al. 2007, LITT & WANSA 2008), d. h. des ersten und vielerorts am weitesten nach Süden reichenden Inlandeises der Elster-Kaltzeit in Mitteldeutschland (EISSMANN 1975); bei zahlreichen Bearbeitern finden sich die Bezeichnungen Elster-1-Vorstoß, Elster-1-Stadium o. ä., in den Lithofazieskarten Quartär E1 (z. B. EISSMANN & TREVIRANUS 1973), in Thüringen Erfurt-Phase bzw. Erfurter Phase (UNGER 1974). EISSMANN leitete den Namen von der Annahme ab, dass nur der erste Elster-Eisvorstoß den Raum Zwickau erreichte. Nach der Neukartierung der GK25-Blätter Zwickau und Zwickau-Ost (WOLF et al. 2007) ist auch der 2. Vorstoß bis Zwickau gekommen.
Lithologie: Die Zwickau-Glaziär-Formation repräsentiert einen vollständigen glaziären Zyklus von der Entwicklung des Eisstausees vor dem vorstoßenden Eis über die Vergletscherung bis zum Abschmelzen.
Zur Zwickau-Glaziär-Formation gehören:
Glazilimnische Bildungen: häufig Vorschüttbildung als unterstes Glied der Formation, über feinsandiger Basis folgt 1 bis wenige Meter mächtiger Bänderton (Ton-Schluff / Feinsand, z. B. Dehlitz-Leipzig-Bänderton); gegenüber der Markranstädt-Glaziär-Formation haben die Beckenbildungen häufig einen höheren Ton-Anteil und sind enger gebändert (WOLF & SCHUBERT 1992); seltener Rückzugsbildung (z. B. Brösen-Bänderton).
Grundmoräne (Geschiebemergel, z. T. entkalkt: Geschiebelehm): ungeschichteter, sehr stark tonig-schluffiger, schwach kiesiger Sand bis stark tonig-sandiger, schwach kiesiger Schluff, grau, dunkelbraungrau, 5 bis über 10 m mächtig.
Glazifluviatile Bildungen: Schmelzwasserkies und
-sand, sowohl als Vorschütt- und auch als Nachschüttbildungen, lokal als Füllung glaziärer Rinnen.
Untergeordnete Einheit: Dehlitz-Leipzig-Bänderton in der Leipziger Tieflandsbucht, Chemnitz-Bänderton (mit über 150 Warven), Wehlen-Bänderton und Äquivalente im Mittelgebirgsvorland (z. B. an Pleiße, Zschopau, Freiberger Mulde, Triebisch, Müglitz, Neiße, Saale, Gera, Unstrut und Helme), Untere (Ältere, Erste) Elster-Grundmoräne, Brösen-Bänderton und Äquivalente
Liegendgrenze: frühelsterzeitliche Flussschotter, die konkordant von den Beckenbildungen überlagert werden.
Hangendgrenze: Flussschotter des Miltitz-Intervalls im Mittelgebirgsvorland erosiv eingeschnitten. In der Leipziger Tieflandsbucht folgt verbreitet die Markranstädt-Formation, in den frühsaalezeitlichen und rezenten Tälern sind verschieden alte Schotter eingeschnitten.
Mittlere Mächtigkeit: oft 10-15 m
Maximale Mächtigkeit: >50 m
Typusprofile, etc.: Typusprofile sind noch nicht festgelegt. Nicht geeignet sind die von EISSMANN (1975) genannten Profile vom Brückenberg in Zwickau (wahrscheinlich zweiter Elstervorstoß). Als Typusregion gilt das Gebiet zwischen Saale und Mulde, in dem sich die elsterglaziale Sedimentsukzession der Zwickau-Phase und der Markranstädt-Phase zuordnen lassen (EISSMANN 1969, 1975). Am sächsischen und thüringischen Mittelgebirgsrand ist eine Verknüpfung mit den Flussterrassen möglich. Weiter nördlich sind im östlichen Sachsen die Ablagerungen des ersten Eisvorstoßes durch Ausräumung bzw. Überprägung durch den zweiten Elster-Eisvorstoß nur lückenhaft erhalten. Gute Profile über frühelsterzeitlichen Flussschottern im Liegenden mit einer Abfolge von Bänderton, Grundmoräne und z. T. Schmelzwasserbildungen liegen in der Leipziger Tieflandsbucht (mit Dehlitz-Leipzig-Bänderton) (EISSMANN 1975, 1997), am Mittelgebirgsrand an Pleiße (Werdau westlich von Zwickau, WOLF et al. 2007), Chemnitz (WOLF et al. 2009), Elbe (Wehlen-Bänderton), Müglitz, Weißeritz, Zschopau, Freiberger Mulde und Neiße (WOLF & SCHUBERT 1992, WOLF & ALEXOWSKY 1994, 1997, 1999) sowie im Raum Artern–Voigtstedt (STEINMÜLLER 1998) und im Thüringer Becken (UNGER 1974) vor.
Verbreitung (Bundesländer): Sachsen
Sachsen-Anhalt
Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Leipziger Bucht
Mittelgebirge, Thüringer Becken
Mittelgebirge, Erzgebirge
Mittelgebirge, Sudeten, Elbsandsteingebirge
Verbreitung (Ergänzung): Geltungsbereich ist Mitteldeutschland (Sachsen, Thüringen, südliches Sachsen-Anhalt).
Zeitgleiche Einheiten: Bildungen der Zwickau-Glaziär-Formation sind in Mitteldeutschland weit verbreitet und reichen bis an den Rand der Mittelgebirge von Thüringen und Sachsen („Feuersteinlinie“). Der Nachweis äquivalenter Bildungen in anderen Gebieten ist unsicher, da die überregionale Korrelation der elsterglazialen Zyklen nicht belegt ist.
Alterseinstufung: Die Einstufung erfolgt auf Basis der petrographischen Charakteristik und der Lagerungsverhältnisse, abgesichert durch zahlreiche Großaufschlüsse und Bohrungen.
Numerische Daten liegen nicht vor.
Kommentar: Die Einstufung in die Elster-Kaltzeit ist durch die konkordante Lagerung auf der frühelsterzeitlichen Terrasse und die Markranstädt-Glaziär-Formation im Hangenden bzw. die Position zu den Flussschottern des Miltitz-Intervalls gegeben.
Versch./Sonstiges: Im Verbreitungsgebiet beider elsterzeitlicher Glaziär-Formationen ist oft fraglich, ob es sich bei den Schmelzwassersanden im Hangenden der Unteren Elster-Grundmoräne (im westelbischen Gebiet Miltitz-Horizont) um Nachschüttbildungen des ersten Eisvorstoßes oder um Vorschüttbildungen des zweiten Eisvorstoßes handelt, z. T. sind erhebliche Anteile an (fluviatilen) Lokalkomponenten enthalten (z. T. Möritzscher/Miltitzer Schotter). Ebenso ist die Zuordnung von Eisrandlagenbildungen zu einem der beiden Eisvorstöße nicht immer eindeutig.
Literatur: EISSMANN, L. (1969): Beiträge zur Geologie des industriellen Ballungsgebietes Halle-Leipzig. Das Quartär der Leipziger Tieflandsbucht und des angrenzenden Tief- und Hügellandes um Saale und Elbe. – unveröff. Habil.-Schr., Universität Halle.
EISSMANN, L. (1970): Geologie des Bezirkes Leipzig. – Natura regionis Lipsiensis, H. 1+2; Leipzig (Naturwiss. Museum).
EISSMANN, L. (1975): Das Quartär der Leipziger Tieflandsbucht und angrenzender Gebiete um Saale und Elbe. – Schriftenr. geol. Wiss., 2: 1–263.
EISSMANN, L. (1995): Sachsen. – In: BENDA, L. (Hrsg.): Das Quartär Deutschlands. – 148–198; Berlin, Stuttgart.
EISSMANN, L. (1997): Das quartäre Eiszeitalter in Sachsen und Nordostthüringen. Landschaftswandel am Südrand des skandinavischen Vereisungsgebietes. – Altenbg. nat. wiss. Forsch., 8: 1–98.
EISSMANN, L. & TREVIRANUS, H. (1973): Lithofazieskarten Quartär 1 : 50000, Blatt 2565 Leipzig. - Zentrales Geologisches Institut Berlin.
LITT, T., BEHRE, K.-E., MEYER, K.-D., STEPHAN, H.-J. & WANSA, S. (2007): Stratigraphische Begriffe für das Quartär des norddeutschen Vereisungsgebietes. – Eiszeitalter u. Gegenwart, 56: 7–65.
LITT, T. & WANSA, S. (2008): Quartär. – In: BACHMANN, G., EICHNER, R., KNOTH, W. & SCHWAB, M. (Hrsg.): Geologie von Sachsen-Anhalt. – 293–325; Stuttgart (Schweizerbart).
STEINMÜLLER, A. (1998): Sedimentologie, stratigraphische Gliederung sowie Lagerungsformen der präglazialen Ablagerungen und zur Flußgeschichte von Helme und Unstrut im Auslaugungsgebiet zwischen Kyffhäuser und Nebraer Pforte. – Geowiss. Mitt. von Thüringen, Beih. 7: 1–61; Weimar.
UNGER, K.-P. (1974): Die Elstervereisung des Zentralen Thüringer Keuperbeckens. – Z. geol. Wiss., 2: 791–800.
WOLF, L. & ALEXOWSKY, W. (1994): Fluviatile und glaziäre Ablagerungen am äußersten Rand der Elster- und Saale-Vereisung; die spättertiäre und quartäre Geschichte des sächsischen Elbgebietes (Exkursion A2). – In: EISSMANN & LITT (Hrsg.): Das Quartär Mitteldeutschlands, Altenbg. naturwiss. Forsch., 7: 190–235.
WOLF, L. & ALEXOWSKY, W. (1997): Känozoikum. – In: ALEXOWSKY et al.: Geologische Karte des Freistaates Sachsen 1 : 25 000. Erläuterungen zu Blatt 5049 Pirna. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, 3. Aufl., 44–71; Freiberg.
WOLF, L. & ALEXOWSKY, W. (1999): Quartär. – In: ALEXOWSKY et al.: Geologische Karte des Freistaates Sachsen 1 : 25 000. Erläuterungen zu Blatt 5048 Kreischa. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, 3. Aufl., 70–86; Freiberg.
WOLF, L., HÜBNER, F. & ALEXOWSKY, W. (2007): Quartär. – In: ALEXOWSKY, W. et al.: Geologische Karte des Freistaates Sachsen 1 : 25 000. Erläuterungen zu den Blättern 5240 Zwickau und 5241 Zwickau Ost. – Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, 3. Aufl., 65–95; Freiberg.
WOLF, L., HÜBNER, F. & ALEXOWSKY, W. (2009, in Druckvorbereitung): Känozoikum. - In: ALEXOWSKY, W. et al.: Geologische Karte des Freistaates Sachsen 1 : 25 000, Erläuterungen zu Blatt 5143 Chemnitz. – Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, 4. Aufl.; Freiberg.
WOLF, L. & SCHUBERT, G. (1992): Die spättertiären bis elsterzeitlichen Terrassen der Elbe und ihrer Nebenflüsse und die Gliederung der Elster-Kaltzeit in Sachsen. – Geoprofil, 4: 1–43.
Autor des Datenblattes: Wolfgang Alexowsky; Stefan Wansa
Erstellt am: 11.10.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 07.05.2009
Änderung Datensatz: 29.07.2009


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 24.06.2017, 19:16:24.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID