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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Frankfurt (Oder)-Formation
ID: 1006011
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: H.-J. STEPHAN, U. MÜLLER, W. v. BÜLOW, für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: vorläufig mitgeteilt
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Weichselium (Oberpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Kurzbezeichnung: W1F, qw1F
Lithologie: (Lokal Nachschüttsedimente über) Grundmoräne über Vorschüttsanden; z. T. mächtige Sander. Die Kleingeschiebezusammensetzung der Grundmoräne ist ärmer an Schiefern als die der Brandenburg-Grundmoräne (MÜLLER et al. 1995).
Untergeordnete Einheit: Frankfurt (Oder)-Till-Member (=W1F–Till)
Liegendgrenze: Basis der Vorschüttsande über Ablagerungen der Brandenburg-Formation, älteren pleistozänen Sedimenten oder (selten) Präquartär.
Hangendgrenze: Obergrenze des Frankfurt (Oder)-Tills, lokal Obergrenze von Nachschüttbildungen; in Grundmoränengebieten der Typusregion oft unter einer periglaziären Deckschicht, sonst unter Ablagerungen der Pommern-Formation.
Mittlere Mächtigkeit: 10 m
Maximale Mächtigkeit: 20 m
Typusprofile, etc.: Gebiet der Frankfurter Randlage: Frankfurt (Oder)-Rheinsberg-Lübz-Schwerin; Typusregion in Mecklenburg-Vorpommern: Südliches Mecklenburg zwischen Schwerin, Plau und Neustrelitz
Verbreitung (Bundesländer): Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Jungmoränengebiet mit Mecklenburgischer Seenplatte, in Brandenburg nur als Randlage; Frankfurtzeitlicher Gürtel mit Zwischenstaffel in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg: Fürstenberger und Rheinsberger Staffel.
Zeitgleiche Einheiten: In Polen nach morphostratigraphischer Korrelation Ablagerungen der Poznan-Phase, die östlich von Konin den weichselzeitlichen Außenrand bildet (u. a. MARKS 2005).
In Schleswig-Holstein die Ablagerungen der Brügge-Formation und vermutlich auch der Bordesholm- und (im westlich benachbarten Lobus) der Blumenthal-Formation.
In Dänemark Ablagerungen des NE-Eises.
Alterseinstufung: Brandenburg: HEINE et al. (2009) interpolieren zwischen Zeitpunkten der Eisfreiheit pommernzeitlich und brandenburgzeitlich vergletscherter Gebiete, die sie aus 10Be- Oberflächenexpositionsdatierungen an Findlingen ableiten und nehmen für die Frankfurt-Phase Eisfreiheit seit ungefähr 18 000 10Be-Jahren an. In Mecklenburg-Vorpommern liegen bislang keine numerischen Daten vor. Einstufung nach Morphostratigraphie, Korrelation von Bohrprofilen, Kleingeschiebezusammensetzung. Als Analogon bieten sich die obersten Beckensande der Bordesholm-Formation in Schleswig-Holstein an, die nach (PREUSSER 1999) ein zuverlässiges OSL-Alter von 26 000 ± 4 000 a geliefert haben. Für Osteuropa wertet MARKS (2010) 36Cl- und 16Be-Oberflächenexpositionsdatierungen an Findlingen aus und leitet für die Poznan(=Frankfurt)-Phase in Polen ein Alter von ca. 19 000 a, weiter im Osten evtl. 20 000 und in der Ukraine 21 000 a ab.
Kommentar: Es ist unwahrscheinlich, dass das von HEINE et al. (2009) interpolierte 10Be-Alter der Bildungszeit der Frankfurt-Gletscherrandlage entspricht. Gleiches gilt für die Angaben bei MARKS (2010) (vgl. Kommentare zu den Brandenburg- und Pommern-Formationen).
Die Zuordnung von bisher als frankfurtzeitlich angesehenen Bildungen in Nordostbrandenburg wird von LÜTHGENS et al. (2009) zumindest teilweise in Frage gestellt.
Versch./Sonstiges: Nach WOLDSTEDT (1929 und später) liegt zwischen Brandenburg- und Frankfurt (Oder)-Phase kein längerer Zeitabschnitt. In Brandenburg konnte bislang keine Frankfurt-Grundmoräne nachgewiesen werden (CEPEK 1965 und später). Die Geschiebebestände der untersuchten Grundmoränen zeigen Spektren, die mit denen des Brandenburg-Tills identisch sind. Die „Frankfurt-Phase“ (vgl. LITT et al. 2007) war jedoch auch dort eine Vergletscherungsphase mit Bildung ausgeprägter Endmoränen. In Mecklenburg wird seit HECK (1960) die frühe frankfurtzeitliche Staffel von den meisten Autoren als Brandenburg-Randlage bezeichnet. Südlich der Frankfurt-Endmoräne soll die nur lokal erhaltene Grundmoräne der Brandenburg-Phase liegen. SCHULZ (1967), v. BÜLOW (1975) und LÜTTIG (2005) halten sie jedoch für die Grundmoräne einer frühen Frankfurt-Staffel, so dass die Frankfurt-Phase östlich von Schwerin wie in Polen den Außenrand bilden würde. Nach LÜTTIG sind dort beide Gebiete geschiebestatistisch identisch, während sonst brandenburg- und frankfurtzeitliche Tills geschiebestatistisch unterscheidbar seien (LÜTTIG 1999, 2005). Nach Kleingeschiebeanalysen jedoch treten in W-Mecklenburg, außerhalb des Außenrandes der Pommern-Phase, zwei Geschiebefazies auf (siehe Brandenburg-Formation).
Literatur: von BÜLOW, W. (1975): Randlagen und Eisabbau des Weichsel-Glazials zwischen Plauer See und Lübz (Bezirk Schwerin). – Z. geol. Wiss., 3(8): 1125-1137.
CEPEK, A. G. (1965): Die Stratigraphie der pleistozänen Ablagerungen im Norddeutschen Tiefland. – In: Die Weichsel-Eiszeit im Gebiet der DDR, S. 45-65; Berlin.
HECK, H.-L. (1960): Brandenburger Phase oder Frühwürm bei Schwerin? – Geologie, 9(5): 482-491; Berlin.
HEINE, K., REUTHER, A. U., THIEKE, H. U., SCHULZ, R., SCHLAAK, N. & KUBIK, P. W. (2009): Timing of Weichselian ice marginal positions in Brandenburg (northeastern Germany) using cosmogenic in situ 10Be. – Z. Geomorph. N.F., 53(4): 433-454.
LUNG Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.) (2001): Karte der quartären Bildungen – Oberfläche bis fünf Meter Tiefe – 1 : 200 000; Blatt Boizenburg/ Schwerin, Güstrow.
LITT, T., BEHRE, K.-E., MEYER, K.-D., STEPHAN, H.-J. & WANSA, S. (2007): Stratigraphische Begriffe für das Quartär des norddeutschen Vereisungsgebietes. – Eiszeitalter und Gegenwart / Quaternary Science Journal, 56(1-2): 7-65.
LÜTHGENS, C., BÖSE, M. & KRBETSCHEK, M. (2009): Towards a new understanding of the Last Glacial Maximum
(LGM) in NE-Germany – results from optically stimulatedluminescence (OSL) dating and their implications. –
Exploratory workshop on the frequency and timing of glaciations in northern Europe (including Britain) during the Middle and Late Pleistocene. Abstracts: 17-18; Berlin (FU).
LÜTTIG, G. (1999): Geschiebestatistische Anmerkungen zur Quartärstratigraphie des nordischen Vereisungsgebietes. – Eiszeitalter und Gegenwart, 49: 144-163.
LÜTTIG, G. (2005): Geschiebezählungen im westlichen Mecklenburg. – Archiv für Geschiebekunde, 4(9): 569-600.
MARKS, L. (2005): Pleistocene glacial limits in the territory of Poland. – Przeglad Geologiczny, 53(10/2): 988-993.
MARKS, L. (2010): Timing of the Late Vistulian(Weichselian) glacial phases in Poland. – Quaternary Science Reviews (2010), doi:10.1016/j.quascirev.2010.08.008.
MÜLLER, U., RÜHBERG, N. & KRIENKE, H.-D. (1995): The Pleistocene sequence in Mecklenburg-Vorpommern. In: EHLERS, J., KOZARSKI, S. & GIBBARD, P. (eds.): Glacial Deposits in North-East Europe, p. 501-514; Rotterdam (Balkema).
PREUSSER, F. (1999): Lumineszenzdatierungen fluviatiler Sedimente; Fallbeispiele aus der Schweiz und Norddeutschland. – Kölner Forum für Geologie und Paläontologie, 3: 1-62; Köln.
SCHULZ, W. (1967): Abriß der Quartärstratigraphie Mecklenburgs. – Arch. Fr. Naturgesch. Mecklbg. XIII: 99-119; Rostock.
WOLDSTEDT, P. (1928): Die Parallelisierung des nordeuropäischen Diluviums mit dem anderer Vereisungsgebiete. – Zeitschr. f. Gletscherkunde, 16 (3/4): 230-241.
WOLDSTEDT, P. (1929): Das Eiszeitalter. – 406 S.; Stuttgart (F. Enke).
Autor des Datenblattes: Hans-Jürgen Stephan; Ulrich Müller
Erstellt am: 28.03.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 26.06.2008
Änderung Datensatz: 08.12.2010

Anzahl Litho alt: 2

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Litholex Recherche vom 30.04.2017, 09:04:06.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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