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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Wandelwitz-Formation
ID: 1006007
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: H.-J. STEPHAN, erstmals für LithoLex definiert.
Gültigkeit des Namens: vorläufig mitgeteilt
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Weichselium (Oberpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Kurzbezeichnung: qwWW
Lithologie: Grundmoräne (Till, Geschiebelehm, -mergel) über Schmelzwassersedimenten über Grundmoräne (Till, Geschiebemergel) über Schmelzwassersedimenten (vorwiegend Vorschüttsande); örtlich zuoberst Niedertau- oder Kamesedimente
Untergeordnete Einheit: Warleberg-Subformation, Sehberg-Subformation, Warleberg-Till-Bank (oberer Till), Sehberg-Till-Bank (unterer Till)
Liegendgrenze: Basis der Vorschüttsande; regional auch Basis des Sehberg-Tills auf älteren pleistozänen (weichselzeitlichen oder präweichselzeitlichen) Ablagerungen
Hangendgrenze: Obergrenze des Warleberg-Tills, örtlich der Niedertau- oder Kamesedimente als jüngste pleistozäne Ablagerungen
Mittlere Mächtigkeit: Einige Meter
Maximale Mächtigkeit: ca. 20 m
Typusprofile, etc.: Typusregion: Wandelwitz-Johannistal in Ostholstein;
Referenzprofile mit abweichenden Sequenzen: Wulfener Berg-Kliff (Fehmarn); Stohler Kliff (Dänischer Wohld)
Verbreitung (Bundesländer): Schleswig-Holstein
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Östliches Jungmoränengebiet
Zeitgleiche Einheiten: Mecklenburg-Vorpommern: Mecklenburg-Formation;
Dänemark: Ablagerungen des Jungbaltischen Vorstoßes (Ostjütische Phase und Beltsee-Phase)
Alterseinstufung: Geologisch die letzte Kaltphase des Weichsel-Hochglazials, damit nach STUIVER & GROOTES (2000; d18O-Werte aus grönländischem Eiskern) jünger als 17 000 a BP und älter als 15 200 a BP. Kombinierte TL/OSL-Datierungen an Quarz in den jüngsten Ablagerungen (Kame) des bereits niedertauenden, inaktiven Gletschers an der Lübecker Bucht bei Brodten ergaben OSL-Alter zwischen 12 700 ± 1 700 a BP und 18 100 ± 3 800 a BP und TL-Alter zwischen 10 200 ± 1 200 a BP und 21 500 ± 5 800 a BP (PREUSSER 1999). PREUSSER leitet daraus für die Kamesande ein Alter von „etwa 15 000 a BP“ ab. MARKS et al. (1995) publizierten TL-Daten aus einem lodgement-till (68 300 ± 10 200 und 66 700 ± 10 000 a BP), einem melt out-till (56 000 ± 8 000 a BP) und einem flow-till (55 500 ± 8 300 a BP) vom « upper complex » des Kliffs bei Dänisch Nienhof, der mit der Wandelwitz-Formation korrelieren ist.
Kommentar: Unabhängig von der Unsicherheit, ob Tills für TL-Datierungen geeignet sind, müssen die von MARKS et al. publizierten Alter als stark überbestimmt angesehen werden. Das TL-Signal der Sandkörner im Till ist vor Ablagerung nicht vollständig zurückgestellt worden. Die aus dem grönländischen Eiskern und mit OSL/TL-Messungen bei Brodten abgeleiteten Alter für das Ende der letzten weichselzeitlichen Kältephase zeigen große Übereinstimmung und scheinen damit zuverlässig zu sein.
Versch./Sonstiges: Die Wandelwitz-Formation umfasst die nur selten zu findende vollständige Abfolge der Sedimente des „Jungbaltischen Vorstoßes“ (STEPHAN 2001), die sich aus den Ablagerungen eines ersten Gletschervorstoßes (Sehberg-Phase) und nach einer Stagnation und Niedertauphase eines zweiten, weniger weit ausgreifenden Vorstoßes (Warleberg-Phase) zusammensetzt. Im Bereich des Wulfener Berges (Insel Fehmarn) fehlen die liegenden Vorschüttsande, ebenso die späten Niedertausedimente. Der Sehberg-Till liegt dort erosiv-diskordant über gestauchten älteren Sedimenten. In der weiteren Umgebung, überwiegend auch im übrigen östlichsten Jungmoränengebiet, z. B. an den Kliffen der Ostseeküste (Brodten, Stohl), liegen entweder geringmächtiger oberer Till (Warleberg-Till) und unterer Till (Sehberg-Till) ohne Zwischenmittel und nicht trennbar direkt aufeinander, oder während der erneut stark erosiven Warleberg-Phase wurden alle älteren Schichtglieder der Wandelwitz-Formation erodiert und man findet als einzige Schicht den Warleberg-Till (z. B. Kliff Heiligenhafen). Auf Kuppen kann er sehr geringmächtig werden oder auch fehlen (Ausfall der gesamten Wandelwitz-Formation).
Literatur: MARKS, L., PIOTROWSKI, J. A., STEPHAN, H.-J., FEDEROWICZ, S. & BUTRYM, J. (1995): Thermoluminescence indications of the Middle Weichselian (Vistulian) Glaciation in northwest Germany. - Meyniana 47: 69-82.
STEPHAN, H.-J. (1994): Der Jungbaltische Gletschervorstoß in Norddeutschland. – Schr. Naturwiss. Ver. Schlesw.-Holst., 64: 1-15.
STEPHAN, H.-J. (2001): The Young Baltic advance in the western Baltic depression. – Geological Quarterly, 45(4): 359-363.
PREUSSER, F. (1999): Lumineszenzdatierung fluviatiler Sedimente; Fallbeispiele aus der Schweiz und Norddeutschland. – Kölner Forum für Geologie und Paläontologie, 3: 1-62
STUIVER, M. & GROOTES, P. M. (2000): GISP2 oxigen isotope ratios. – Quaternary Research, 53: 277-284.
Autor des Datenblattes: Hans-Jürgen Stephan
Erstellt am: 28.03.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 11.05.2007
Änderung Datensatz: 28.06.2007


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Litholex Recherche vom 30.04.2017, 08:56:22.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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