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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Pommern-Formation
ID: 1006001
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: U. MÜLLER, H.-J. STEPHAN, W. von BÜLOW, für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: vorläufig mitgeteilt
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Weichselium (Oberpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Kurzbezeichnung: W2, qw2 oder qwPO
Lithologie: Grundmoräne (Geschiebelehm, -mergel) mit W2-Kleingeschiebezusammensetzung über Vorschüttsanden; lokal zuoberst Nachschüttsedimente; im mittleren bis westlichen Mecklenburg zweigeteilt: Grundmoräne über Vorschüttsanden der Hauptpommern-Subformation, darunter Grundmoräne und Vorschüttsande der Krakow-Subformation. Mächtige Sander in Mittel-Mecklenburg.
Untergeordnete Einheit: Hauptpommern-Subformation (W2o) und Krakow-Subformation (W2u); Hauptpommern-Till-Bank (W2o-Till) und Krakow-Till-Bank (W2u-Till)
Liegendgrenze: Basis der Vorschüttbildungen, vorwiegend über älteren weichselzeitlichen Ablagerungen.
Hangendgrenze: Obergrenze des W2-Tills, z. T. oberflächig anstehend oder unter periglaziärer Deckschicht (südliches Mecklenburg-Vorpommern, Ostholstein) bzw. unter Ablagerungen der Mecklenburg-Formation (nördliches Mecklenburg-Vorpommern); lokal Obergrenze der Nachschüttsedimente.
Mittlere Mächtigkeit: 40 m
Maximale Mächtigkeit: 60 m (bis 100 m in Stauchzonen)
Typusprofile, etc.: Typusregion: Gebiet der Pommerschen Haupteisrandlage von Grevesmühlen (NW-Mecklenburg) über Feldberg (E-Mecklenburg), Joachimstal bis Oderberg in Brandenburg und des nördlich anschließenden Grundmoränengebietes bis zur äußeren Randlage der Mecklenburg-Phase (s. Mecklenburg-Formation).
Typusprofile in Mecklenburg-Vorpommern: Bohrungen Kussewitz (TK 1839, R: 45 17000, H: 59 99000),
Kliffs: Klütz Höved, Poel, Stoltera.
Verbreitung (Bundesländer): Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern
Schleswig-Holstein
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Jungmoränengebiet in Mecklenburg-Vorpommern, im nördlichen Brandenburg und im östlichen Holstein.
Pommernzeitlicher Gürtel in Brandenburg mit Gerswalder, Angermünder, Parsteiner Staffeln.
Zeitgleiche Einheiten: Polen: Morphostratigraphisch begründete Korrelation mit den Ablagerungen der Faza Pomorska (Pomeranian Phase).
Schleswig-Holstein: Korreliert im Südosten mit den glazialen Ablagerungen nördlich der Randlage bei Mustin-Mölln (vgl. STEPHAN 2004). Die Begrenzung nach Westen ist unsicher. Im nördlichen Holstein, im Landesteil Schleswig und in Dänemark unbekannt, möglicherweise fehlend (vgl. LÜTTIG 2005).
Alterseinstufung: Mecklenburg-Vorpommern, Holstein: Numerische Daten fehlen. Relative Datierung nach Morphostratigraphie, Bohrprofilen und Geschiebeanalytik.
Brandenburg: Äußere Randlage nach OSL-Daten (LÜTHGENS et al. 2009, 2011) aus Sanderablagerungen im NE Brandenburgs, bei Althüttendorf und Eberswalde, um 20 000 a.
KOZARSKI (1995) schätzt nach Interpolation von 14C-Daten aus Pommern das Alter der Pommern-Randlage auf 16 200 a, entsprechend ca. 18 500 cal. a (STUIVER et al. 1998).
Mit 10Be-Oberflächenexpositionsdatierungen an Findlingen in der pommerschen Endmoräne Polens erhielten RINTERKNECHT et al. (2005) ein mittleres Alter von 14 800 ± 400 10Be a, HEINE et al. (2009) an Findlingen auf Ablagerungen des pommernzeitlichen Eises in Brandenburg 15 800 ± 1 300 10Be a. Letztere nehmen ca. 16 000 10Be-Jahre BP für das Freiwerden der Randlage vom Gletschereis an. Dieser Zeitpunkt wird auch von MARKS (2010) für Polen genannt.
10Be-Oberflächenexpositionsdatierungen an 5 Findlingen im Verlauf der Gerswalder Staffel ergaben nach RINTERKNECHT et al. (2010) mittlere Alter von 16 000 ± 500 10Be a bis 15 200 ± 500 10Be a.
Kommentar: Die Altersangabe von KOZARSKI ist eine unsichere Abschätzung.
Die 10Be-Daten von RINTERKNECHT et al. (2005), ebenso von HEINE et al. (2009) und die anderen differieren um mehrere Jahrtausende. HEINE et al. (2009) verwenden Korrekturen, die eine mögliche spätere Erosion der Gesteinsoberflächen und Abdeckung durch Schnee und Vegetation berücksichtigen und erhalten ein etwa 1000 10Be-Jahre höheres Alter. Es ist jedoch zweifelhaft, ob die Korrekturen richtig und vollständig sind: Große Teile des vergletscherten Gebietes dürften noch lange nach der Vorstoßphase unter Toteis gelegen haben, die Findlinge entsprechend sehr viel später, möglicherweise erst nach der Mecklenburg-Phase eisfrei geworden sein. Ohnehin könnten einige der 10Be-datierten Geschiebe der Mecklenburg-Phase angehören, deren Gletscher in Mecklenburg erwiesenermaßen mehrfach bis in den Bereich der pommerschen Endmoränen vordrang (Beispiele Hoher Schönberg, Kühlung, Hohe Burg; zuletzt MÜLLER 2007). Zudem können die Findlingsoberflächen am Beginn der Eisfreiheit noch von Schutt bedeckt gewesen sein. Die Abrasion der Findlingsoberflächen durch Flugsand kann erheblich größer gewesen sein als angenommen. Schließlich können Findlinge nach Beginn der Eisfreiheit durch sehr lange andauernde Tieftauprozesse überschütteter Eiskörper und periglaziäre Bodenbewegungen ihre Lage verändert haben. Die 10Be-Alter geben nur die Zeit der endgültigen Festlegung der untersuchten Findlinge mit gleichzeitiger Abdeckungsfreiheit der beprobten Oberflächen an, die eher nicht mit der Bildung der Randlage übereinstimmen dürfte (vgl. LÜTHGENS et al. 2011, LÜTHGENS & BÖSE 2011)). Insgesamt ist zu vermuten, dass die genannten 10Be-Alter deutlich kleiner sind als das wahre Alter des Maximalvorstoßes, besonders ausgeprägt bei den Ableitungen von RINTERKNECHT et al. (2005).
LÜTHGENS et al. (2009, 2011) geben das bisher glaubhafteste Alter an.
Versch./Sonstiges: Der Namensteil "Pommern" geht auf WOLDSTEDT (1926, „Pommersche Phase“) zurück. SCHULZ (1963, 1967) erkannte, dass es im Westen Mecklenburgs vor der Pommerschen „Hauptmoräne“ noch einen weiter ausgreifenden "früh-pommerschen" Vorstoß (s. Krakow-Subformation; W2u) gab, dessen Ablagerungen sich von den Ablagerungen nördlich der "Hauptmoräne" (s. Hauptpommern-Subformation; W2o) unterscheiden (RÜHBERG 1999), nach LÜTTIG (2005) aber nicht in ihren Leitgeschiebeassoziationen.
W2u und W2o wurden nach Morphostratigraphie, Grundmoränenstratigraphie, Lagerungsverhältnissen und Trennschichten zur Pommern-Formation gestellt.
Literatur: HEINE, K., REUTHER, A. U., THIEKE, H. U., SCHULZ, R., SCHLAAK, N. & KUBIK, P. W. (2009): Timing of Weichselian ice marginal positions in Brandenburg (northeastern Germany) using cosmogenic in situ 10Be. – Z. Geomorph. N.F., 53(4): 433-454.
KOZARSKI, S. (1995): Deglacjacja Pólnocno-Zachodniej Polski: Warunki srodowiska i transformacja geosystemu (~ 20 Ka ? 10 Ka BP). – Dokumentacja Geograficzna, 1: 7–87; Polska Akademia NAUK, JPiGZ.
LÜTHGENS, C. & BÖSE, M. (2011): Chronology of Weichselian main ice marginal positions in north-eastern Germany. – E&G, Quaternary Science Journal, 60(2/3): 236-247.
LÜTHGENS, C., BÖSE, M. & KRBETSCHEK, M. (2009): Towards a new understanding of the Last Glacial Maximum (LGM) in NE-Germany – results from optically stimulated luminescence (OSL) dating and their implications. – Exploratory workshop on the frequency and timing of glaciations in northern Europe (including Britain) during the Middle and Late Pleistocene. Abstracts: 17–18; Berlin (FU).
LÜTHGENS, C., BÖSE, M. & PREUSSER, F. (2011): Age of the Pomeranian ice-marginal position in northeastern Germany determined by optically stimulated luminescence (OSL) dating of fluvioglacial sediments. - Boreas, DOI 10.1111/j.1502-3885.2011.0211.x
LÜTTIG, G. (2005): Geschiebezählungen im westlichen Mecklenburg. – Archiv für Geschiebekunde, 4 (9): 569–600.
MARKS, L. (2010): Timing of the Late Vistulian(Weichselian) glacial phases in Poland. – Quaternary Science Reviews (2010), doi:10.1016/j.quascirev.2010.08.008.
MÜLLER, U. (2007): Die Kühlung – ein Eiszeit-Phänomen. – Neubrandenburger Geol. Beiträge 5: 42–47.
RINTERKNECHT, V. R., BRAUCHER, R., BÖSE, M., BOURLÈS, D. & MERCIER, J.-L. (2010): Late Quaternary ice sheet extents in northeastern Germany inferred from surface exposure dating. – Quaternary Science Reviews (2010), doi: 10.1016/j.quascirev. 2010.07.026.
RINTERKNECHT, V. R., MARKS, L., PIOTROWSKI, J. A., RAISBECK, G. A., YIOU, F., BROOK, E. J. & CLARK, P. U. (2005): Cosmogenic 10Be ages on the Pommeranian Moraine, Poland. – Boreas, 34: 186–191.
RÜHBERG, N. (1999): Über den Wert der Kleingeschiebezählungen (KGZ). – Geschiebekunde aktuell, 15 (3): 87–100.
SCHULZ, W. (1963): Eisrandlagen und Seeterrassen in der Umgebung von Krakow am See in Mecklenburg. – Geologie, 12 (10): 1152–1168.
SCHULZ, W. (1967): Abriß der Quartärstratigraphie Mecklenburgs. – Arch. Fr. Naturgesch. Mecklenb., XIII: 99–110; Rostock.
STEPHAN, H.-J. (2004): Karte der Stauchgebiete und Haupt-Gletscherrandlagen in Schleswig-Holstein 1 : 500 000. – Meyniana, 56: 149–154, 1 Karte.
STUIVER, M., REIMER, P. J., BARD, E., BECK, J. W., BURR, G. S., HUGHEN, K. A., KROMER, B., MCCORMAC, G., VAN DER PFLICHT, J. & SPURK, M. (1998): INTCAL98 radiocarbon age calibration, 24 000-0 cal BP. – Radiocarbon, 40: 1041–1083.
WOLDSTEDT, P. (1926): Die großen Endmoränenzüge Norddeutschlands. – Z. Dt. Geol. Ges., 77 (für 1925): 172–184, 1 Kt.
Autor des Datenblattes: Ulrich Müller; Hans-Jürgen Stephan
Erstellt am: 28.03.2006
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 07.05.2009
Änderung Datensatz: 30.11.2011

Anzahl Litho alt: 2

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Litholex Recherche vom 23.03.2017, 05:21:44.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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