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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Greifswalder Bodden-Formation
ID: 1000033
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: R. LAMPE, erstmals für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: vorläufig mitgeteilt
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Holozän (Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Muddefolge (MÖBUS 2000)
Lithologie: Die Greifswalder Bodden-Formation besteht aus schwarzen bis olivgrauen Schluffen bis Feinsanden, die zwischen 5-30 % organische Substanz enthalten (lagunärer Schlick). An der Basis tritt verbreitet eine schillreiche Bank über Torf (Basistorf) auf.
Untergeordnete Einheit: --
Liegendgrenze: Die Liegendgrenze wird von pleistozänen Sedimenten, Böden und limnisch-fluviatilen Sedimenten des Frühholozän gebildet. Der verbreitet auftretende Vernässungstorf (Basistorf) wird ebenso zur Greifswalder Bodden-Formation gerechnet, wie die selten anzutreffenden und generell geringmächtigen marinen Flachwassersande (Abbildung im Anhang), die zu den lagunären Schlicken überleiten.
Hangendgrenze: Im Festlandsbereich wird die Obergrenze von marinen Flachwassersanden der Usedom-Formation gebildet. Der Übergang erfolgt verbreitet unscharf in Form einer Sand-Schlick-Wechsellagerung. Im Bereich der inneren Küstengewässer bildet die Formation den Gewässergrund.
Mittlere Mächtigkeit: ca. 3 m
Maximale Mächtigkeit: ca. 16 m
Typusprofile, etc.: Typusregionen sind die vorpommerschen Boddengewässer.
Verbreitung (Bundesländer): Mecklenburg-Vorpommern
Schleswig-Holstein
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Ostsee mit Förden- und Boddenküste
Verbreitung (Ergänzung): Die Verbreitung der Greifswalder Bodden-Formation ist auf die inneren Küstengewässer der Ostseeküste beschränkt.
Zeitgleiche Einheiten: Zeitgleich zu den jüngeren Abschnitten der Greifswalder Bodden-Formation werden im Bereich der Nehrungen marine und äolische Sande abgelagert (Usedom-Formation, Darß-Formation) sowie Küstentorfe (Redentin-Formation) gebildet.
Alterseinstufung: Die Bildung beginnt mit dem Einsetzen der Littorina-Transgression um 8.900 cal BP und dauert bis heute an.
Kommentar: MÖBUS (2000) hat die organogenreichen Schluffe und Feinsande als Mudde bezeichnet. Da dieser Begriff nach BKA5 (AD-HOC-ARBEITSGRUPPE BODEN, 2005) ein limnisches Sediment bezeichnet, sollte er in diesem Zusammenhang vermieden werden. International werden für vergleichbare Ablagerungen die Begriffe mud bzw. gyttja verwendet. Empfohlen wird die Verwendung des Begriffes Schlick, dessen einheitliche Definition und Verwendung jedoch aussteht. So sind die lagunären Schlicke erheblich gröber und reicher an organischer Substanz als die Schlicke der tiefen Ostseebecken.
Versch./Sonstiges: Die Greifswalder Bodden-Formation ist als lagunäres Sediment an die Entstehung und Verlagerung der südbaltischen Nehrungen gebunden, die um 8.900 cal BP mit dem Beginn der Littorina-Transgression einsetzt. Die liegenden Abschnitte enthalten daher eine Makrofauna, die eine (deutlich) höhere Salinität anzeigt, erkennbar an größeren Schalen der Herzmuschel Cardium oder dem Auftreten heute nicht mehr anzutreffender Arten wie der Pfeffermuschel Scrobicularia. Die Schalen sind z.T. lagenweise angereichert und werden dann als Tempestit gedeutet. Jüngere Abschnitte sind durch nachlassende Salinität charakterisiert. Die jüngsten 3-4 Dezimeter sind durch das Auftreten von Neozooen und höhere Spurenmetall- und Nährstoffgehalte als anthropogen beeinflusst ausgewiesen. Diese anthropogen veränderte Schicht kann bis über 1 m Mächtigkeit aufweisen. In den innersten Boddengewässern ist in Folge der
Eutrophierung der Anteil des karbonatschaligen Makrozoobenthos auf ein Minimum gesunken, zudem treten infolge weiterer Aussüßung limnische Arten (z. B. die Wandermuschel Dreissena) auf.
Literatur: AD-HOC-ARBEITSGRUPPE BODEN (2005): Bodenkundliche Kartieranleitung (5. Auflage). – E. Schweizerbart´sche Verlagsbuchhandlung (Stuttgart): 438 S.
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Autor des Datenblattes: Lampe, Reinhard
Erstellt am: 17.04.2014
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 23.04.2015
Änderung Datensatz: 18.11.2015
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Litholex Recherche vom 23.06.2017, 00:19:03.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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