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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Steinental-Formation
ID: 1000024
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: LGRB 2004, ELLWANGER et al. 2011b
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Mittelpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Unterpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Die Steinental-Fm dient als zusammenfassende Einheit für die ältesten glazialen Sedimente in Baden-Württemberg. Folgende Synonyme sind, getrennt nach den verschiedenen Vorkommen, gebräuchlich (zugleich Subformationen, von Ost nach West), :
1. Ältere Altendmoränen auf der Iller-Riß-Platte: SCHREINER & EBEL (1981); Moränensedimente von Pflummern, HEIZMANN (1987);
2. Älteste Altmoränen, FESSELER & GOOS (1988), HAHNE (2010);
3. Glaziolakustrine Abfolge von Lichtenegg am Höchsten, FROMM 1989, ROLF 1992, ELLWANGER et al. 1995, 1999, 2003, 2010, 2011, MENZIES & ELLWANGER 2011;
4. Schrotzburg-Till am Schienerberg bei Singen, SCHREINER 1973, GRAF 2009;
Lithologie: Die Steinental-Fm (qST) fasst die ältesten Vorkommen glazialer und glaziolakustriner Sedimente im Rheingletschergebiet zusammen, ausgehend von den Ältesten Altmoränen in der Forschungsbohrung Unterpfauzenwald bei Steinental auf der Iller-Riß-Platte. Allen Vorkommen ist gemeinsam, dass sie stratigraphisch älter sind als die Sedimente der Dietmanns-Fm. Lithologisch handelt es sich um unterschiedliche Varietäten glazialer matrixgestützter Diamikte mit Einschaltungen von Schottern und/oder Feinsedimenten (Lokationen s. o. „Synonyme“). Vgl. Tab. 1.
1. Steinhausen-Sfm (qSTH): Tonreiche matrixgestützte Diamikte mit Lagen komponentengestützter Diamikte und Schottereinschaltungen, interpretiert als Tillsequenz der Älteren Altendmoräne auf der Iller-Riß-Platte, Referenz Bohrungen Unterpfauzenwald, Intervall von 8,5 m-13,7 m (LGRB Bo 8026/229, R 3575400, H 5312750; LGRB Bo 8026/356, R 3575450, H 5312700). In LGRB 2004: Außenwallhoßkirch; in SCHREINER & EBEL 1981: äußerer Wall des „Mindel“-Doppelwalls. Ferner Diamikte und Schotter der Pflummerner (End?-) Moränen bei Riedlingen, TK 7822, R 3531100, H 5336850 (HEIZMANN 1987);
2. Unterpfauzenwald-Till (qSTU): Tonreiche, matrixgestützte Diamikte, stellenweise vollständig durchverwitterte Tillsequenz der Ältesten Altmoräne auf der Iller-Riß-Platte, Referenz Bohrungen Unterpfauzenwald, Intervall von 14,2 m-23,5 m (LGRB Bo 8026/229, R 3575400, H 5312750; LGRB Bo 8026/356, R 3575450, H 5312700). Vgl. FESSELER & GOOS 1988, BLUDAU 1995, HAHNE 2010.
3. Lichtenegg-Till (qSTL): Kiese, Diamikte und sandreiche Feinsedimente in einer Abfolge aus glazialen und glaziolakustrinen Sedimenten mit Sanden und Kiesen an der Basis und überlagert von einem Jüngeren Deckenschotter bei Lichtenegg am Höchsten, TK 8122, R 3528600, H 5299050, (FROMM 1989, ROLF 1992, ELLWANGER et al. 1999, MENZIES & ELLWANGER 2011).
4. Schrotzburg-Till (qSTS): Vorkommen aus matrixreichen Diamikten mit laminierten Feinsedimenten, über- und unterlagert von Jüngeren Deckenschottern nördlich der Schrotzburg auf dem Schienerberg bei Singen, TK 8219 in der Umgebung von R 3492120, H 5284986 (Mindel-Moränensedimente bei SCHREINER 1973, Schrotzburg Till bei GRAF 2009).
Untergeordnete Einheit: 1. Steinhausen-Mb (qSTH)
2. Unterpfauzenwald-Till (qSTU)
3. Lichtenegg-Till (qSTL)
4. Schrotzburg-Till (qSTS)
Liegendgrenze: 1. Im Liegenden befinden sich Älteste Altmoränensedimenten (à la FESSELER & GOOS 1988) oder Deckenschotter oder Molasse. Die lithologische Unterscheidung der Altmoränen-Diamikte von Deckenschottern (oft verbackene oder verwitterte Schotter) und Molasse (Buntmergel, Sande) ist trivial, die von anderen ältlichen Tillsequenzen schwierig.
2. Günz-Deckenschotter (Sfm)
3. Mindel-Deckenschotter (Sfm)
4. Tiefere Deckenschotter (Sfm)
Hangendgrenze: 1. Oberfläche bzw. periglaziale Umlagerungssedimente
2. Oberfläche bzw. Sedimente der Dietmanns-Fm oder periglaziale Umlagerungssedimente
3. Mindel-Deckenschotter
4. Oberfläche bzw. periglaziale Umlagerungssedimente
Mittlere Mächtigkeit: 1. 5-10 m (SCHREINER & EBEL 1981, HEIZMANN 1987)
2. 5-10 m (FESSELER & GOOS 1988)
3. 40 m (Aufschlußwand, ELLWANGER et al. 1999)
4. 50 m (nach GRAF 2009)
Maximale Mächtigkeit: 1. 15 m (SCHREINER & EBEL 1981), 10 m (HEIZMANN 1987)
2. 10 m (FESSELER & GOOS 1988)
3. 40 m (Aufschlußwand, ELLWANGER et al. 1999)
4. 50 m (nach GRAF 2009)
Typusprofile, etc.: 1. Bohrungen Unterpfauzenwald, LGRB Bo 8026/229, R 3575400, H 5312750; LGRB Bo 8026/356, R 3575450, H 5312700; Temporäre Aufschlüsse bei Pflummern bei Riedlingen, TK 7822, R 3531100, H 5336850 (HEIZMANN 1987)
2. Bohrung Unterpfauzenwald LGRB Bo 8026/229, R 3575400, H 5312750; LGRB Bo 8026/356, R 3575450, H 5312700. Vgl. HAHNE (2010)
3. Aufschlußwand bei Lichtenegg, Höchsten, TK 8122, R 3528600, H 5299050 (FROMM 1989, ROLF 1992, ELLWANGER et al. 1999, MENZIES & ELLWANGER 2011)
4. Aufschluss in der Bohlinger Schlucht bei der Schrotzburg, R 3492120, H 5284986, (SCHREINER 1973, GRAF 2009)
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): Nr. 1 auf der Iller-Riß-Platte und bei Riedlingen/Pflummern, Nr. 2 nur auf der Iller-Riß-Platte, Nr. 3 nur am Höchsten, Nr. 4 nur am Schienerberg
Zeitgleiche Einheiten: Oberrheingraben: Breisgau-Fm
Die Korrelation beruht auf Zeitmarken und der klimaeventstratigraphischen Interpretation der Einheiten (ELLWANGER et al. 2003).
Alterseinstufung: 1. Mittelpleistozän (nach lithostratigraphischer Korrelation)
2. Unterpleistozän (biostratigraphisch „im Liegenden von Bavel“, HAHNE 2010)
3. Unterpleistozän (nach lithostratigraphischer Korrelation und paläomagnetischen Ergebnissen, FROMM 1989, ROLF 1992)
4. Frühpleistozän = Unterpleistozän (vgl. GRAF 2009)
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Mitautoren des Datenblatts sind: E. NITSCH, Th. SIMON & U. WIELANDT-SCHUSTER
Literatur: ELLWANGER, D., FIEBIG, M, & HEINZ, J. mit Beiträgen zur Pollenanalyse von BLUDAU, W. (1999): Quartärgeologie des mittleren Rheingletschergebietes (Bittelschiess, Höchsten, Hosskirch, Ostrach). – Jber. Mitt. oberrhein. Geol. Ver., N.F., 81, 217 – 230; Stuttgart.
ELLWANGER, D. (2003), unter Mitarbeit von NEEB, I. & LÄMMERMANN-BARTHEL, J.: Eine landschaftsübergreifende Lockergesteinsgliederung vom Alpenrand zum Oberrhein. – In: SCHIRMER, W. (ed.): Landschaftsgeschichte im europäischen Rheinland. – GeoArchaeoRhein, 4, 81–124; Münster.
ELLWANGER, D., KIMMIG, B., SIMON, T. & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2011): Quartärgeologie des Rheingletschergebiets. – Jber. Mitt. oberrhein. Geol. Ver., N.F., 93, 387-417; Stuttgart. (2011a)
ELLWANGER, D., WIELANDT-SCHUSTER, U., FRANZ, M. & SIMON, T. (2011): The Quaternary oft the southwest German alpine foreland (Bodensee-Oberschwaben, Baden-Württemberg, Southwest Germany). – Quaternary Science Journal (Eiszeitalter u. Gegenwart), 60/2, Greifswald. (2011b)
FESSELER, W. & GOOS, W., unter Mitarbeit von ELLWANGER, D. & KUPSCH, F. (1988): Geol. Karte Baden-Württ. 1 : 25000, Erl. 8026 Aitrach, 84 S.; Freiburg.
FROMM, K. (1989): Paläomagnetische Altersbestimmungen an eiszeitlichen Quartärablagerungen bei Heiligenberg (Oberschwaben). – Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung – Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben, Bericht Ar.-Nr. 105863, 19 S.; Hannover.
GRAF, H.R. (2009): Stratigraphie und Morphogenese von frühpleistozänen Ablagerungen zwischen Bodensee und Klettgau. – Eiszeitalter und Gegenwart / Quaternary Science Journal, 58/1, 12–53; Hannover.
HAHNE, J. (2010): Kommentare zu Pollendiagrammen von W. BLUDAU. – Interner Bericht, Az. 4762//10_2414, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau im Regierungspräsidium Freiburg; Freiburg.
HEIZMANN, W. (1987): Geol. Karte Baden-Württ. 1 : 25000, Erl. 7822 Riedlingen, 149 S.; Freiburg.
MENZIES, J. & ELLWANGER, D. (2011): Insights into subglacial processes inferred from the micromorphological analysis of complex diamicton stratigraphy near Ilmennsee-Lichtenegg, Höchsten, Germany. – Boreas, 40/2, 271-288, Wiley (Chichester, Weinheim).
ROLF, C. (1992): Statistische Untersuchungen zur Zuverlässigkeit magnetischer Untersuchungen mit dem Spinnermagnetometer an Sedimentproben aus Oberschwaben, –– Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung – Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben, Bericht Ar.-Nr. 110230, 11 S.; Hannover.
SCHREINER, A. (1973): Geol. Karte Baden-Württ. 1 : 25000, Erl. 8219 Singen, 84 S.; Freiburg.
SCHREINER, A. & EBEL, R. (1981): Quartärgeologische Untersuchungen in der Umgebung von Interglazialvorkommen im östlichen Rheingletschergebiet (Baden-Württemberg). – Geol. Jb., A 59, 3–64; Hannover.
LGRB (2004): Symbolschlüssel Geologie – Verzeichnis Geologischer Einheiten – Aktualisierte Ausgabe. - Internet-Publ.: http://www.lgrb.uni-freiburg.de.
Autor des Datenblattes: Ellwanger, Dietrich
Erstellt am: 08.06.2011
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 12.05.2011
Änderung Datensatz: 08.06.2011
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Litholex Recherche vom 27.03.2017, 04:47:09.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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