litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Rheingletscher-Terrassenschotter-Formation
ID: 1000023
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: ELLWANGER et al. 2011b
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Holozän (Quartär, Känozoikum)
Oberpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Mittelpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Niederterrassenschotter, Hochterrassenschotter, verschiedene Lokalbezeichnungen, vgl. PENCK & BRÜCKNER (1901/09), LGRB (2004), HABBE (2007)
Lithologie: Die Rheingletscher-Terrassenschotter-Fm (qRT) umfasst die südwestdeutschen Vorkommen der Hoch- und Niederterrassenschotter der jeweiligen Periglazialgebiete zwischen Bodensee und Donautal und entlang des Hochrheins, die sich insgesamt oder anteilig aus dem heutigen Bodenseegebiet herleiten (ELLWANGER et al. 2011a, 2011b). Es handelt sich um fluviale Sedimente, je nach Position aus massigen, horizontal und schräggeschichteten Elementen zusammengesetzt (HEINZ 2001). Das Substrat ist in unverwittertem Zustand kalkreich, je nach Vorkommen partienweise verbacken und an seiner Oberfläche mehr oder weniger verwittert.
Granulometrisch handelt es sich üblicherweise um sandige Kiese mit Steinen. Proximale Abfolgen sind häufig invers gradiert (Eisvorstoß), teilweise sind diamiktische Lagen eingeschaltet. Intermediäre bis distale Abfolgen sind weniger grob, sandreicher und können Feinsedimentlagen enthalten.
Die Schüttungszyklen der Sedimente liegen teils in Superposition gestapelt, teils sind sie terrassenstratigraphisch versetzt. Die Abfolgen sind auch innerhalb eines Terrassenniveaus oftmals unterschiedlich aufgebaut und entsprechen dann ebenfalls verschiedenen Aufschüttungszyklen.
Die Sedimente stammen aus unterschiedlichen alpinen Herkunftsgebieten (von südlich des Bodensees, im Hochrheintal auch Schweizer Mittelland bis zum Einzugsgebiet der Rhone). Dazu kommen lokale Komponenten, im Osten aus den randalpinen Vorbergen (z.B. der Adelegg-Molasse), im Westen z.B. aus dem Schwarzwald. Mit Ausnahme lokaler Besonderheiten ist eine systematische Unterscheidung in Hoch- und Niederterrassenschottern aufgrund der Sedimentpetrographie nicht möglich.
Untergeordnete Einheit: Vgl. Tab. 1.
Die Sedimente der Rheingletscher-Terrassenschotter-Fm werden nach ihrer relativen geomorphologischen Höhenlage, Verwitterungstiefe und Verknüpfung mit Endmoränen geteilt in
• Rheingletscher-Niederterrassenschotter (qRTN) und
• Rheingletscher-Hochterrassenschotter (qRTH),
dazu kommen noch zusätzliche Niveaus als regionale Leithorizonte.
Liegendgrenze: Liegendgrenze der Rheingletscher-Terrassenschotter-Fm ist die jeweilige Schotterbasis (Schotterunterkante, Schuk, z.B. LÖSCHER 1976).
Darunter liegen Sedimente der Molasse oder Meso- bis Paläozoikum oder Kristallin.
Hangendgrenze: Die Hangendgrenze der Rheingletscher-Terrassenschotter-Fm ist die jeweilige Schotteroberfläche (Schotteroberkante, Schok, z.B. LÖSCHER 1976).
Hochterrassenschotter sind an ihrer Oberfläche in der Regel tiefer verwittert als Niederterrassenschotter. Die Verwitterungstiefe variiert je nach Vorkommen und Lage, das verwitterte Material kann ganz oder teilweise resedimentiert und mit äolischen Anteilen vermengt sein (= Überlagerung durch Umlagerungssedimente). Außerdem können äolische Deckschichten folgen.
Mittlere Mächtigkeit: 10-20 m.
Maximale Mächtigkeit: 50 m
Typusprofile, etc.: Hochrhein: Kgr. Lottstetten, Rheinheim, Herten, Wyhlen (HEINZ 2001). Geotop/Biotop Grenzach-Wyhlen, Geotopkataster Baden-Württemberg, Geotop-ID 16500).
Linzgau: Kieswerk Nord-Moräne bei Krauchenwies, TK 7921, R 3517000, H 5318000 (BIBUS & KÖSEL 1996, ELLWANGER et al. 2011a)
Iller-Riß-Platte: Kgr. Scholterhaus, Warthausen, Eichelsteig, Baltringen (SCHREINER 1989)
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): Die Verbreitung der Rheingletscher-Terrassenschotter-Fm umfasst das Gebiet zwischen Illertal, Bodensee und Donautal und entlang des Hochrheins. Die Schotter sind insgesamt oder anteilig mit dem Bodensee-Rheingletscher verknüpft.
Zeitgleiche Einheiten: Oberrheingraben: Neuenburg-Fm und oberer Teil der Breisgau-Fm (Balgau-Sfm)
Rheingletschergebiet: Hasenweiler-Fm, Illmensee-Fm und Dietmanns-Fm
Hochrheingebiet: Haseltal-Fm
Alterseinstufung: Mittel- bis Oberpleistozän, Holozän.
Biostratigraphische Zeitmarken: ?Holstein in der Bohrung Schmiecher See (GRÜGER in GERMAN et al. 1995, HAHNE in ELLWANGER et al. 2009), Holstein im Kieswerk Nord-Moräne bei Krauchenwies (det. BLUDAU u. a. in SCHIRMER 1995, MÜLLER 2001).
Physikalische Altersbestimmungen an Sandlagen der Hochrhein-Niederterrassenschotter: Die OSL-Datierungen von KOCK et al. (2008) und FRECHEN et al. (2010), die an Proben aus den gleichen Aufschlüssen unabhängig voneinander aber nicht parallel genommen wurden, ergeben widersprüchliche Ablagerungsalter zwischen 35 ka und 15 ka, je nachdem welche statistische Methode Anwendung findet (vgl. Diskussion in FRECHEN 2011).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Unter der Bezeichnung Rheingletscher-Terrassenschotter-Formation durch D. ELLWANGER, E. NITSCH, Th. SIMON & U. WIELANDT-SCHUSTER erstmals für LithoLex beschrieben.
Literatur: ELLWANGER, D. (2003), unter Mitarbeit von NEEB, I. & LÄMMERMANN-BARTHEL, J.: Eine landschaftsübergreifende Lockergesteinsgliederung vom Alpenrand zum Oberrhein. – In: SCHIRMER, W. (ed.): Landschaftsgeschichte im europäischen Rheinland. – GeoArchaeoRhein, 4, 81–124; Münster.
ELLWANGER, D., KIMMIG, B., SIMON, T. & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2011): Quartärgeologie des Rheingletschergebiets. – Jber. Mitt. oberrhein. Geol. Ver., N.F., 93, 387-417; Stuttgart. (2011a)
ELLWANGER, D., WIELANDT-SCHUSTER, U., FRANZ, M. & SIMON, T. (2011): The Quaternary oft the southwest German alpine foreland (Bodensee-Oberschwaben, Baden-Württemberg, Southwest Germany). – Quaternary Science Journal (Eiszeitalter u. Gegenwart), 60/2, Greifswald. (2011b)
FRECHEN, M., ELLWANGER, D., RIMKUS, D. & TECHMER, A. (2008): Timing of Medieval Fluvial Aggradation at Bremgarten in the Southern Upper Rhine Graben. – Eiszeitalter und Gegenwart / Quaternary Science Journal, 57 (3/4), 411-432; Stuttgart.
FRECHEN M., ELLWANGER, D., HINDERER, M., LÄMMERMANN-BARTHEL, J, NEEB, I. & TECHMER, A. (2010): Late Pleistocene fluvial dynamics in the Hochrhein Valley and in the Upper Rhine Graben: chronological frame. -- International Journal of Earth Sciences, 99(8), Heidelberg. -- Internet-Publ.: http://www.springerlink.com/content/a35q457277028703/

GERMAN, R., GRÜGER, E., SCHREINER, A., STRAYLE, G. & VILLINGER, E. unter Mitwirkung von KÖSEL, M. & MADER, M. (1995): Die Entstehung des Schmiechener Sees aufgrund der Bohrung „Schmiecher See 1“. – Beih. Veröff. Naturschutz Landschaftspflege Bad.-Württ., 78, 74-83, Karlsruhe.
HABBE, K.H., unter Mitarbeit von ELLWANGER, D. & BECKER-HAUMANN, R. (2007): Stratigraphische Begriffe für das Quartär des süddeutschen Alpenvorlandes. – Eiszeitalter und Gegenwart / Quaternary Science Journal, 56/1-2, 66–83; Hannover.
HAHNE, J. (2010): Kommentare zu Pollendiagrammen von W. Bludau. – Interner Bericht, Az. 4762//10_2414, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau im Regierungspräsidium Freiburg; Freiburg.
HEINZ, J. (2001): Sedimentary Geology of Glacial and Periglacial Gravel Bodies (SW-Germany): Dynamic Stratigraphy and Aquifer Sedimentology. – TGA, C59, 102 S., Tübingen.
KOCK, S., KRAMERS, J., PREUSSER, F. & WETZEL, A. (2009): Dating of Late Pleistocene Terrace deposits of the River Rhine using Uranium series and luminescence methods: Potentials and limitations. – Quaternary Geochronology, 4 (5), 363-373, Amsterdam.
LGRB (2004): Symbolschlüssel Geologie – Verzeichnis Geologischer Einheiten – Aktualisierte Ausgabe. - Internet-Publ.: http://www.lgrb.uni-freiburg.de.
LÖSCHER, M. (1976): Die präwürmzeitlichen Schotterablagerungen in der nördlichen Iller-Lech-Platte. – Heidelberger Geographische Arbeiten, 45, 157 S.; Heidelberg.
PENCK, A. & BRÜCKNER, E. (1901/09): Die Alpen im Eiszeitalter, 1199 S.; Leipzig (Tauchnitz).
SCHREINER, A. (1989): Zur Stratigraphie der Rißeiszeit im östlichen Rheingletschergebiet (Baden-Württemberg). – Jh. Geol. Landesamt Baden-Württemberg, 31, 183–196; Freiburg.
SCHREINER, A. (1996): Die Einführung der Haslacheiszeit und die 3-Teilung der Risseiszeit im östlichen Rheingletschergebiet (SW-Deutschland). – Eclogae geol. Helvet., 89/3, 991-1005, Basel.
VERDERBER, R. (2003): Quartärgeologie im Hochrheingebiet zwischen Schaffhausen und Basel. – Z. dt. geol. Ges., 154/2-3, 369–406; Stuttgart.
Autor des Datenblattes: Ellwanger, Dietrich
Erstellt am: 08.06.2011
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 12.05.2011
Änderung Datensatz: 08.06.2011
Anlage(n)PDF-Icon Die Anlagen als PDF-Dateien
können Sie mit dem Adobe Acrobat Reader plattformunabhängig ansehen und drucken. Laden Sie den kostenlosen Adobe Acrobat Reader entsprechend Ihrer Plattform- und Sprach-Version unter http://www.adobe.de/products/acrobat/download/readstep.html.
Größe der PDF-Datei: 0.005 MBytes!


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 29.04.2017, 03:35:53.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID