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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Oberschwaben-Deckenschotter-Formation
ID: 1000021
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: ELLWANGER et al. 2011b
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Unterpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: 1. Älteste, Ältere und Jüngere Deckenschotter;
2. Deckschotter, Ältere und Jüngere Deckenschotter;
3. Donau-, Günz- und Mindel-Deckenschotter (Sfm),
Vgl. u. a. PENCK & BRÜCKNER 1901/09, FREI 1912, EBERL 1930, GRAUL 1949, LÖSCHER 1976, SCHÄDEL 1950, SCHREINER 2003, HABBE (2007), DOPPLER et al. (2010).
Lithologie: Die Oberschwaben-Deckenschotter-Formation (qpDO) umfasst die südwestdeutschen Deckenschotter-Vorkommen zwischen Bodensee und Donautal, die sich insgesamt oder anteilig aus dem heutigen Bodenseegebiet und angrenzenden Gebirge herleiten (ELLWANGER et al. 2011a, 2011b, GEYER et al. 2011). Es handelt sich um fluviale Sedimente, die in der Regel horizontal geschichtet sind. Sie sind in unverwittertem Zustand kalkreich. Je nach Vorkommen sind die Schotter partienweise recht erheblich verbacken, dazu sind sie an ihrer Oberfläche und ausgehend von Schlotten oft stark verwittert.
Granulometrisch handelt es sich üblicherweise um sandige Kiese mit Steinen; proximale Vorkommen (d.h. näher am alpinen Liefergebiet) sind eher grobkörnig und können gelegentlich kleine Blöcke enthalten. Vereinzelt kommen besonders feinkörnige, aber auch besonders grobe und dann insgesamt massige Schüttungen vor (z.B. in Lichtenegg am Höchsten).
Die Schüttungszyklen der Sedimente der Oberschwaben-Deckenschotter-Formation liegen teils in Superposition gestapelt, teils sind sie terrassenstratigraphisch versetzt.
Die Sedimente stammen weitgehend aus unterschiedlichen alpinen Herkunftsgebieten südlich des Bodensees. Dazu kommen lokale Komponenten, z.B. aus randalpinen Vorbergen wie der Adelegg.
Die Vorkommen der zur Donau gerichteten Sedimente der Oberschwaben-Deckenschotter-Formation werden sedimentpetrographisch wie folgt in Subformationen einteilt:
1. Donau-Deckenschotter (qDDO), kristallinarme „Dolomitschotter“ (max. 5 % Kristallin und etwa 20 % Dolomit, z. T. verascht), stellenweise mit einer geringmächtigen kristallinreichen Rinnenfüllung an der Basis (max. 20 % Kristallin, LÖSCHER 1976);
2. Günz-Deckenschotter (qDG), kristallinarme „Ältere-Deckenschotter“ mit höheren Anteilen an hellen und gelben Kalken (max. 5 % Kristallingerölle, jeweils in der Fraktion 1-2 cm, SCHREINER 1991, 2003, in der Nähe von Ulm höhere Anteile an Quarziten und Hornsteinen, DOPPLER 2003);
3. Mindel-Deckenschotter (qDMI), kristallinreiche „Jüngere-Deckenschotter“ (10-30 % Kristallingerölle).
Diese sedimentpetrographische Einteilung stimmt weitgehend mit terrassenstratigraphischen Gliederungen überein, die ebenfalls Älteste, Ältere und Jüngere Deckenschotter unterscheiden.
Dolomitschotter kommen in Baden-Württemberg nur entlang der Iller vor, sie entsprechen hier dem morphostratigraphisch höchsten = ältesten Niveau (Erolzheimer Schotter, Donau-zeitlich). – Auf morphostratigraphisch tieferen Niveaus liegen die kristallinarmen „Älteren Deckenschotter“ (Günz), noch tiefer die kristallinreichen „Jüngeren Deckenschotter“ (Mindel). – Von dieser Regel gibt es zwei Ausnahmen: die kristallinarmen Deckenschotter im Westen der Iller-Riß-Platte liegen tiefer als kristallinreiche im Osten; und es gibt einige Fälle von Superposition, z.B. bei Heiligenberg, wo kristallinarme Schotter von kristallinreichen überlagert werden (SCHÄDEL 1950, SCHREINER 2003).
Untergeordnete Einheit: Vgl. Tab. 1.
Die Sedimente bzw. Vorkommen der Oberschwaben-Deckenschotter-Fm werden nach sedimentpetrographischen und terrassenstratigraphischen Kriterien in Subformationen unterteilt:
1. Donau-Deckenschotter (qDDO);
2. Günz-Deckenschotter (qDG);
3. Mindel-Deckenschotter (qDMI).
Liegendgrenze: Erosionsdiskontinuität. Im Liegenden Sedimente der Molasse oder des Mesozoikum.
Hangendgrenze: Hiatus mit Bodenbildung oder Erosionsdiskontinuität. Im Hangenden jüngere glaziale oder fluviale Sedimente, aber äolische Deckschichten und/oder Umlagerungssedimente.
Mittlere Mächtigkeit: 10-20 m
Maximale Mächtigkeit: 50 m
Typusprofile, etc.: 1. Für die Donau-Deckenschotter sind in BW nur temporäre Aufschlüsse vorhanden. Als geomorphologische Typlokalität gilt das Deckenschotter-Plateau des Erlenmooser Schotters (Plateauflächen nördlich von Erlenmoos, TK 7925, R 3573000, H 5327000, Geotopkataster Baden-Württemberg, Geotop-ID 16501).
2. Für die Günz-Deckenschotter wurde der Zeiler Schotter als Typus vorgeschlagen (SCHREINER 2003): Typprofil ehem. Kiesgrube Karlismühle, TK 8126, R 3575140, H 5306600, WENNINGER 1994). – Als weitere Referenz dient der Heiligenberger Schotter, Referenzprofil Altheiligenberg, TK 8121, R 3522330, H 5299030 (FROMM 1989).
3. Für die Mindel-Deckenschotter dient der Tannheim-Laupheimer Schotter als Typus (SZENKLER & WERNER 2000, HAAG 1982): Typprofil Kieswerke Rot-an-der-Rot, Abt-Vögler-Straße, TK 7926, R 3577850, H 5319400. – Als weitere Referenz dient die aufgelassene Kiesgrube Mauchenwäldle bei Sylvenstal, TK 8021, R 3521130, H 5307115, Geotopkataster Baden-Württemberg, Geotop-ID 10154).
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): Ein von der Rhein-Deckenschotter-Fm stark geprägtes Gebiet ist die Iller-Riß-Platte zwischen Rißtal und Illertal. Dazu kommen weitere zusammenhängende Vorkommen zwischen Donautal und der Rhein-Donau-Wasserscheide; weiter südlich im Amphitheater nur noch Zeugenberge.
Zeitgleiche Einheiten: Hochrheintal: Hochrhein-Deckenschotter-Fm, Oberrheingraben: mittlerer und unterer Teil der Breisgau-Fm (Weinstetten-Sfm), Iffezheim-Fm.
Alterseinstufung: Unterpleistozän laut eventstratigraphischer Interpretation (ELLWANGER et al. 2003).
Biostratigraphie:
1. Donau-Deckenschotter: Am Uhlenberg (BY) und am Irchel (CH) sind jeweils eine Arvicolidenfauna beschrieben, die ins jüngere Tegelen (MN 17) gestellt wird (ELLWANGER et al. 1994, BOLLINGER et al. 1996).
2. Mindel-Deckenschotter: In der Bohrung Unterpfauzenwald eine Bavel-zeitliche Pollensukzession in kristallinreichen Sedimenten im Hangenden des Zeiler Schotters (Günz-Deckenschotter, BIBUS et al. 1996, HAHNE 2010).
Magnetostratigraphie: In Altheiligenberg und Lichtenegg sind Feinsedimente im oberen Teil des Heiligenberger Schotters (Günz-Deckenschotter) und im unteren Teil des Acheck-Höchsten-Schotters (Mindel-Deckenschotter) invers magnetisiert (als Matuyama-Epoche interpretiert, FROMM 1989, ROLF 1992).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Die Oberschwaben-Deckenschotter-Formation wurde hier durch D. ELLWANGER, E. NITSCH, Th. SIMON & U. WIELANDT-SCHUSTER für LithoLex beschrieben.
Literatur: BIBUS, E., BLUDAU, W., ELLWANGER, D., FROMM, K., KÖSEL, M. & SCHREINER, A. (1996): On pre-Würm glacial and interglacial deposits of the Rhine Glacier. – In: TURNER, C. (ed.): The early Middle Pleistocene in Europe, 195-204, Rotterdam (Balkema).
BOLLIGER, T., FEJFAR, O., GRAF, H.R. & KÄLIN, D. (1996): Vorläufige Mitteilung über Funde von pliozänen Kleinsäugern aus den höheren Deckenschottern des Irchels (Kt. Zürich). – Eclogae geologicae Helvetiae, 89/3, 1043-1048.
DOPPLER, G. (2003): Zur Gliederung von Ältesten Periglazialschottern und Älteren Deckenschottern im Rot-Günz-Gebiet. – Z. dt. geol. Ges., 154/2-3, 255–286; Stuttgart.
ELLWANGER, D., FEJFAR, O., & VON KOENGSWALD, W. (1994): Die biostratigraphische Aussage vom Uhlenberg bei Dinkelscherben und ihre morpho- und lithostratigraphischen Konsequenzen. – Münchner Geowiss. Abh., (A), 26, 173-191, München.
ELLWANGER, D. (2003), unter Mitarbeit von NEEB, I. & LÄMMERMANN-BARTHEL, J.: Eine landschaftsübergreifende Lockergesteinsgliederung vom Alpenrand zum Oberrhein. – In: SCHIRMER, W. (ed.): Landschaftsgeschichte im europäischen Rheinland. – GeoArchaeoRhein, 4, 81–124; Münster.
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FROMM, K. (1989): Paläomagnetische Altersbestimmungen an eiszeitlichen Quartärablagerungen bei Heiligenberg (Oberschwaben). – Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung – Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben, Bericht Ar.-Nr. 105863, 19 S.; Hannover.
GRÜGER, E. & SCHREINER, A. (1993): Riss-Würm und würmzeitliche Ablagerungen im Wurzacher Becken (Rheingletschergebiet). – N. Jb. Geol. Paläont., Abh., 189, 81–117; Stuttgart.
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PENCK, A. & BRÜCKNER, E. (1901/09): Die Alpen im Eiszeitalter, 1199 S.; Leipzig (Tauchnitz).
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SZENKLER, C., & WERNER, W. mit einem Beitrag von KOSINOWSKI, M. (2000): KMR 50, Blatt L 7924/L 7926 Biberach a. d. Riß / Babenhausen (Anteil Baden-Württ.), Erl., 156 S., Freiburg.
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VERDERBER, R. (2003): Quartärgeologie im Hochrheingebiet zwischen Schaffhausen und Basel. – Z. dt. geol. Ges., 154/2-3, 369–406; Stuttgart.
WENNINGER, A. mit Beiträgen von BLUDAU, W., GOOS, W. & KUPSCH, F. (1994): Geol. Karte Baden-Württ. 1 : 25000, Erl. 8126 Leutkirch-Ost, 147 S., Freiburg.
Autor des Datenblattes: Ellwanger, Dietrich
Erstellt am: 08.06.2011
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 12.05.2011
Änderung Datensatz: 08.06.2011
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Litholex Recherche vom 24.06.2017, 12:23:52.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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