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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Illmensee-Formation
ID: 1000019
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: LGRB (2004), ELLWANGER et al. (2011b)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Oberpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Mittelpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Young-MEG bis LGM (FIEBIG 2003), 2. Megazyklus (ELL-WANGER et al. 2003)
Lithologie: Die Illmensee-Fm (qIL) fasst als „unconformity-bounded unit“ alle lakustrinen (a), glazialen (b) und fluvialen © Sedimente zusammen, die im Vergletscherungsgebiet des Rheingletschers zwischen den Haupt-Diskontinuitäten der vorletzten und der letzten großen Vergletscherung (D2, Riß; D1, Würm) abgelagert wurden. Die Bildung der Haupt-Diskontinuitäten (D2, D1) ist verknüpft mit Wiedervorstößen des Rheingletschers jeweils gegen Ende der Vergletscherungen (vgl. FIEBIG 1995, 2003, ELLWANGER et al. 2003, 2011a, 2011b, GEYER et al. 2011).

(a) Die größten Sedimentmächtigkeiten der Illmensee-Fm sind in subglazial übertieften Becken (Rinnen) überliefert. Über der D2-Fläche kann die folgende Beckenfüllung enthalten sein (Illmensee-Beckensedimente, qILb): (1) diamiktische Groblage, Komponenten meist nicht gekritzt; (2) massige und laminierte Feinsedimente mit eingestreuten Komponenten (waterlain till, dropstones) und gelegentlichen diamiktischen Einschaltungen; (3) laminierte und massige Feinsedimente mit stärker sandigen Einschaltungen; (4) humose und/oder tonige Feinsedimente. (2) bis (4) können durch Grobsedimente vertreten sein. – Darüber folgen im Würm-Vergletscherungsgebiet entsprechende Sedimente, z.B. eine Sequenz aus subglazialem Till und Schmelz-wasserablagerungen, häufig auch Schotter der Niederterrasse. – Für die Unterscheidung von Becken der Dietmanns-Fm ist eine „Eem-Zeitmarke“ in (4) hilfreich.
(b) Auf den Hochgebieten zwischen den Becken sind Moränen-landschaften mit Tillsequenzen sowie zwei Endmoränenbereiche vorhanden.
• Außen ein Endmoränenwall aus dem Wiedervorstoß der zweitletzten Vergletscherung (Riß). Der Wall besteht aus komponentenreichen Diamikten, an einigen Stellen auch aus gestauchten Sedimentpaketen. Als Randlage rahmt er die tiefen Becken der mittleren Beckengeneration ein.
• Nach innen folgt ein Gebiet mit „drumlinisierten Altmoränen“, die aus Diamikten (Tillsequenzen) und Schmelzwasserablagerungen bestehen (Dürmentingen-Sfm). Der Anteil komponentengestützter Sedimente ist höher als bei den würmzeitlichen Drumlins (was vermutlich mit ihrer Lage, außerhalb bzw. innerhalb des Bodensee-Amphitheaters, zu tun hat). Die Tillsequenz setzt sich unterhalb der würmzeitlichen Sedimente fort. Ihre Basis entspricht der D2-Haupt-Diskontinuität auf den Hochgebieten, die hier als Eis-Transgressionsfläche entwickelt ist.
• Der letzteiszeitliche Maximalstand (last glacial maximum, LGM) wird durch einen sehr prägnanten Endmoränenwall markiert, der häufig als Stauchmoräne ausgebildet ist (Außenwallwürm, LRGB 2004). Soweit gestaucht besteht der Wall aus dislociierten Kiesbänken mit Diamikten und Sanden, ansonsten aus komponentenarmen bis –reichen Diamikten, die sich mehrere hundert Meter in angrenzenden Niederterrassenschottern fortsetzen können.
• Innerhalb des LGM bis zur Innenwallwürm-Randlage ist weithin eine Eiszerfallslandschaft entwickelt (Kisslegg-Sfm), mit Kames und Kamesterrassen bzw. Diamikten sowie Schmelzwasser-Schottern, -Sanden und Feinsedimenten). Entsprechende Tillsequenzen setzen sich unter den Innenwallwürm-Sedimenten bzw. der D1-Haupt-Diskontinuität fort.
(c)Verschiedene fluviale Systeme in den Hochgebieten sind durch Schotter aus Kies, Sand und Steinen der Illmensee-Fm (qILg) dokumentiert. Sie entsprechen den Rheingletscher-Niederterrassenschottern (qRTN) der Periglazialgebiete; ihre größte Mächtigkeit erreichen sie an der Einmündung in verschiedene Becken.
Nicht zur Illmensee-Fm gehören äolische Deckschichten (Löß, Flugsand) und periglaziale Umlagerungssedimente.
Untergeordnete Einheit: Vgl. Tab. 1.
Die Sedimente der Illmensee-Fm lassen sich durch zwei weitere Diskontinuitäten, dem mit dem Eem-Interglazial verknüpften Hiatus und der Eis-Transgressionsfläche des Außenwallwürm-Vorstoßes, in Subformationen und Fazieskörper gliedern:
1.aus dem Innenwallriß-Eisvorstoß hervorgehend Sedimente der Dürmentingen-Sfm und der Illmensee-Beckensedimente (Sfm, beide über der D2-Haupt-Diskontinuität), gefolgt von Eem-zeitlichen Sedimenten oder Bodenbildungen und, nur selten vorhanden, Sedimenten der Zwischenzyklen zwischen Eem-Hiatus und der Eis-Transgressionsfläche des Aussenwallwürm-Vorstosses;
2.aus dem Außenwallwürm-Eisvorstoß Sedimente der Kisslegg-Sfm zwischen Eis-Transgressionsfläche und D1-Haupt-Diskontinuität.
Weitere untergeordnete Einheiten (Fazieskörper) sind Beckensedimente (a); (Altmoränen-) Till der Drumlinfelder, (Jungmoränen-) Till und Eiszerfallssedimente (b); Sedimente am Innenwallriß-Eisrand und am Außenwallwürm-Eisrand (b); Schotter und Deltasedimente (c).
Liegendgrenze: Liegendgrenze der Illmensee-Fm ist die D2-Hauptdiskontinuität. Sie ist im Bereich der tiefen Becken als subglaziale Erosionsfläche (Referenz LGRB Bo 8122/411 bei 54,7 m), im Bereich der Moränen- und Endmoränen-Hochfläche als Eis-Transgressionsfläche ausgebildet.
Darunter liegen Sedimente der Dietmanns-Fm oder älteres Quartär oder Molasse.
Hangendgrenze: Die Illmensee-Fm reicht außerhalb der Innenwallwürm-Randlage bis an die Geländeoberfläche, innerhalb wird ihre Hangendgrenze durch die D1-Haupt-Diskontinuität gebildet, darüber Sedimente der Hasenweiler-Fm. In beiden Fällen können äolische Deckschichten und/oder Umlagerungssedimente folgen.
Mittlere Mächtigkeit: (a) 40 m; (b) und (c) 10 m.
Maximale Mächtigkeit: (a) 100 m; (b) 50 m; (c) 30 m.
Typusprofile, etc.: Haupt-Diskontinuität D2 (a); Sedimentsukzession (b); Becken-Architektur (c):
•Illmensee-Becken, Bohrung LGRB Bo 8122/411, R 3529006, H 5301490,
•Hoßkircher Becken, Bohrung LGRB Bo 8022/474, R 3532750, H 5311260 (ELLWANGER et al. 1995, 1999, HAHNE 2010),
•Waldburg Becken, Bohrung „Tennisplatz“ LGRB Bo 8224/186, R 3554140, H 5291320 (a, c) (FIEBIG 1995, 2003)
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Verbreitung (Geogr. Einheit): Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): Die Illmensee-Fm ist flächenhaft mit wechselnden Mächtigkeiten innerhalb des Inneren Walls der Doppelwallriß-Endmoränen (Innenwallriß) verbreitet.
Zeitgleiche Einheiten: Oberrheingraben: Unterer Teil der Neuenburg-Fm (Nambsheim-Sfm)
Alpenvorland und Hochrheintal: Rheingletscher-Niederterrassenschotter.
Alterseinstufung: Mittel- bis Oberpleistozän laut klimaeventstratigraphischer Interpretation durch ELLWANGER et al. (2003).
Biostratigraphische Zeitmarken: Eem im Wurzacher Becken, GRÜGER & SCHREINER (1993), fragliches Eem im Hoßkircher Becken, HAHNE (2010), vgl. ELLWANGER et al. (2011a, 2011b).
Physikalische Altersbestimmungen an Sandlagen der Hochrhein-Niederterrassenschotter ergeben widersprüchliche Alter: Die OSL-Datierungen von KOCK et al. (2008) und FRECHEN et al. (2010), die an Proben aus den gleichen Aufschlüssen unabhängig voneinander aber nicht parallel genommen wurden, ergeben Ablagerungsalter zwischen 35 ka und 15 ka, je nachdem welche statistische Methode Anwendung findet, vgl. Diskussion in FRECHEN 2011).
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Im landschaftsübergreifenden Szenario (ELLWANGER et al. 2003) wird die Haupt-Diskontinuität an der Basis der Illmensee-Fm mit der Groblage an der Basis der unteren Neuenberg-Schichten verknüpft. Die am Alpenrand im Zuge der Bildung der übertieften glazialen Becken mobilisierten Sedimente sollen durch das Hochrhein-Engtal durchtransportiert und sodann im südlichen Oberrheingraben abgelagert sein. Chronostratigraphisch entspricht das der Abschmelzphase der vorletzten großen Vergletscherung (Riß).
Literatur: ELLWANGER, D. (2003), unter Mitarbeit von NEEB, I. & LÄMMERMANN-BARTHEL, J.: Eine landschaftsübergreifende Lockergesteinsgliederung vom Alpenrand zum Oberrhein. – In: SCHIRMER, W. (ed.): Landschaftsgeschichte im europäischen Rheinland. – GeoArchaeoRhein, 4, 81–124; Münster.
ELLWANGER, D., KIMMIG, B., SIMON, T. & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2011): Quartärgeologie des Rheingletscherge-biets. – Jber. Mitt. oberrhein. Geol. Ver., N.F., 93, 387-417; Stuttgart. (2011a)
ELLWANGER, D., WIELANDT-SCHUSTER, U., FRANZ, M. & SIMON, T. (2011): The Quaternary oft the southwest German alpine foreland (Bodensee-Oberschwaben, Baden-Württemberg, Southwest Germany). – Quaternary Science Journal (Eiszeitalter u. Gegenwart), 60/2, Greifswald. (2011b)
FIEBIG, M. (1995): Pleistozäne Ablagerungen im süddeutschen und im neuseeländischen Alpenvorland – ein Vergleich. – Inaug. Diss. Univ. Freiburg, 122 S.; Freiburg.
FIEBIG,, M. (2003): Lithofazielle Untersuchungen an pleistozänen Sedimenten im östlichen Rheingletschergebiet. – Z. dt. geol. Ges., 154/2-3, 301–342; Stuttgart.
FRECHEN, M., ELLWANGER, D., HINDERER, M., LÄMMERMANN-BARTHEL, J, NEEB, I. & TECHNER, A. (2009): Late Pleistocene fluvial dynamics in the Hochrhein Valley and in the Upper Rhine Graben: chronological frame. -- International Journal of Earth Sciences (im Druck) -- Internet-Publ.: http://www.springerlink.com/content/a35q457277028703/
GEYER, M., NITSCH, E. & SIMON, T. (2011): Geologie von Baden-Württemberg, begründet von O.F. GEYER & M.P. GWINNER, 627 S., Stuttgart (Schweizerbart).
GRÜGER, E. & SCHREINER, A. (1993): Riss-Würm und würmzeitliche Ablagerungen im Wurzacher Becken (Rheingletschergebiet). – N. Jb. Geol. Paläont., Abh., 189, 81–117; Stuttgart.
HABBE, K.H., unter Mitarbeit von ELLWANGER, D. & BE-CKER-HAUMANN, R. (2007): Stratigraphische Begriffe für das Quartär des süddeutschen Alpenvorlandes. – Eiszeitalter und Gegenwart / Quaternary Science Journal, 56/1-2, 66–83; Hannover.
HAHNE, J. (2010): Kommentare zu Pollendiagrammen von W. Bludau. – Interner Bericht, Az. 4762//10_2414, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau im Regierungspräsidium Frei-burg; Freiburg.
LGRB (2004): Symbolschlüssel Geologie – Verzeichnis Geologischer Einheiten – Aktualisierte Ausgabe. - Internet-Publ.: http://www.lgrb.uni-freiburg.de.
Autor des Datenblattes: Ellwanger, Dietrich
Erstellt am: 08.06.2011
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 12.05.2011
Änderung Datensatz: 08.06.2011
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Litholex Recherche vom 26.04.2017, 12:01:45.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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