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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Iffezheim-Formation
ID: 1000014
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: WIRSING & LUZ (2007)
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Unterpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Pliozän (Neogen, Känozoikum)
Synonyme: Jungtertiär 2 (SCHAD 1964), Pliozän (BARTZ 1982), Iffezheim Schichten (HAGEDORN 2004)
Lithologie: Die Iffezheim-Formation gilt im gesamten Oberrheingraben als älteste Einheit der Lockersedimente. Die Abfolge besteht aus mehreren fluvialen Schüttungszyklen mit grauen kalkfreien, oft kaolinitisierten Sanden („weißes Pliozän“), und aus Feinsedimenten aus pedogen überprägten, palustrischen Bunttonen, die im Wesentlichen karbonatfrei sind, allerdings mit vereinzelten Karbonatanreicherungen in Form von Nestern. Häufig sind die Bunttone resedimentiert, teilweise sind Komponenten (Feinkies, Grobsand) zugemischt, so dass eine diamiktische Kornzusammensetzung resultiert, dazu kommen Spurenfossilien (Bioturbation). Stellenweise sind humose Feinsedimente erhalten, eher selten innerhalb der Feinsediment-Abfolgen, öfter als aufgearbeitete Feinsediment-Platten in den Bedload-Sanden. Diese Bereiche können reich an Holzresten werden. Kieskomponenten sind nur selten vorhanden, z.B. Quarzgerölle oder Buntsandstein mit Halos.
Die Provenienz der Sedimente ist aus den Schwermineralspektren ersichtlich. Hier dominiert das stabile Spektrum mit Zirkon, TiO2-Mineralen und Turmalin, das für die lokalen Einzugsgebiete charakteristisch ist, also für die Mittelgebirgs-Liefergebiete entlang des Oberrheingrabens. Untergeordnet treten auch instabile Schwerminerale auf. Nur in einzelnen Lagen sind auch Granate und Hornblenden in höheren Prozentsätzen vorhanden. – Heute geht man daher davon aus, dass die Sedimente der Iffezheim-Formation aus den lokalen Einzugsgebieten herzuleiten sind (u.a. HAGEDORN & BOENIGK 2008 und HOSELMANN 2008). Nicht ganz auszuschließen ist, dass ursprünglich vorhanden gewesene instabile Schwerminerale alpiner Provenienz durch intensive Verwitterungsprozesse zerstört wurden, in diesem Fall würden die Alpen ebenfalls zum Liefergebiet gehören.
Untergeordnete Einheit: nicht definiert
Liegendgrenze: Die Iffezheim-Formation wird im größten Teil des Oberrheingrabens durch einen zeitlichen Hiatus von den älteren tertiären Einheiten im Liegenden getrennt, die häufig aus Feinsedimenten bestehen und in der Regel kalkig ausgebildet sind. Im Subsidenzzentrum im nördlichen Oberrheingraben, wo die vermutlich vollständigste Abfolge in konformer Lagerung vorhanden ist, bilden kalkige Mergel des „Jungtertiär 1“ das Liegende, in der Bohrung Weinheim deutet sich eine Verzahnung von kalkigen und kalkfreien Sedimenten an. Weiter südlich trennt eine Winkeldiskordanz die söhlig lagernden Schichten der Iffezheim-Formation von unterschiedlich verstellten Schichten älterer Tertiäreinheiten. Hier wird die Liegendgrenze der Iffezheim-Formation mitunter durch grobe Gerölle markiert, z.B. durch Grobkies und Steine in den Kernbohrungen Haftelhof südlich Bad Bergzabern. Die Grobsedimente können Mächtigkeiten von mehreren Metern erreichen, z.B. bei Rastatt (MOOS 1934) und bei Bruchsal (WIRTH 1950).
Hangendgrenze: Das Einsetzen von meist grobkörnigen und kalkigen Sedimenten alpiner Provenienz mit vorherrschend instabilen Schwermineralen und alpinen Komponenten markiert die Hangendgrenze der Iffezheim-Formation: im Südgraben folgt im Hangenden die Breisgau-Formation, im mittleren Graben die Ortenau-Formation, und im Nordgraben die Viernheim-Formation (HOSELMANN et al. 2010).
Gelegentlich wird die Hangendgrenze mithilfe von Gammalogs definiert, wobei der Kontrast zwischen der hohen Strahlung der Bunttone im Vergleich zur geringen Strahlung der alpinen kalkigen Sande verwendet wird. Hohe Strahlungswerte in feinkörnigen Lagen oberhalb der Provenienzgrenze treten jedoch auch in der Bohrung P35 (Parkinsel) auf (WEIDENFELLER & KNIPPING 2008).
Mittlere Mächtigkeit: Die Mächtigkeit schwankt zwischen wenigen Metern am Beckenrand und mehreren hundert Metern im Subsidenzzentrum des Heidelberger Beckens. Der Mächtigkeitsverlauf entlang des Rheins ist in WIRSING et al. (2007) dargestellt.
Maximale Mächtigkeit: Die nach heutigem Kenntnisstand rekonstruierte maximale Mächtigkeit im Subsidenzzentrum beträgt 750 m (Kombination der „Radium-Sol-Therme“, einer Thermalwasserbohrung aus den 1920er-Jahren, und den Forschungsbohrungen UniNord in Heidelberg, ELLWANGER et al. 2008).
Typusprofile, etc.: Bohrungen Iffezheim (R 3460666 H 5481069) (BLUDAU 1995, HAGEDORN 2004, WIRSING & LUZ 2007), Radium-Sol-Therme (BARTZ 1953, SALOMON 1927), Kehl-Marlen (BROST & ELLWANGER 1991), Heidelberg UniNord 2: R 3475632 H 5476508 (ELLWANGER et al. 2008), Haftelhof Süd (R 3427128, H 5435368), Haftelhof Nord (R 3426916, H 5436769) (beide Haftelhof-Bohrunen im Kernlager des LGB Rheinland-Pfalz zugänglich).
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Hessen
Rheinland-Pfalz
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Oberrheinisches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Die Iffezheim-Formation ist flächenhaft mit wechselnden Mächtigkeiten im gesamten Oberrheingraben verbreitet (WIRSING et al. 2007).
Zeitgleiche Einheiten: Oberrheingraben: Sundgau-Schotter (z. T.); Viernheim-Formation (z. T.); Breisgau-Formation (z. T.); Ortenau-Formation (z. T.)
Mittel- und Niederrhein: Kieseloolith-Formation
Schichtstufenland: pliozäne und unterpleistozäne Flusssedimente
Alpenvorland: Deckenschotter
Die Korrelation beruht auf biostratigraphischen Zeitmarken und der eventstratigraphischen Interpretation der Einheiten.
Alterseinstufung: Biostratigraphie: Der obere Teil der Iffezheim-Formation reicht bis in das Tegelen und Eburonium (ELLWANGER et al. 2008) bzw. bis ins Bavelium (BROST & ELLWANGER 1991, BLUDAU 1995). Pliozänes Alter ist durch zahlreiche Pollenbestimmungen nachgewiesen (z.B. BARTZ 1982, BOENIGK 1987, WEIDENFELLER & KNIPPING 2008).
Magnetostratigraphie: In Verbindung mit den biostratigraphischen Befunden wird eine Einstufung in die Gauss- und die Matuyama-Epoche vorgeschlagen (ROLF in BROST & ELLWANGER 1991, ROLF et al. 2008, WEIDENFELLER & KNIPPING 2008).
Physikalische Altersbestimmungen sind bisher nicht vorhanden.
Kommentar: --
Versch./Sonstiges: Die Iffezheim-Formation wurde hier durch D. ELLWANGER, G. GABRIEL, M.C. GRIMM, C. HOSELMANN, M. HOTTENROTT, T. SIMON, M. WEIDENFELLER & U. WIELANDT-SCHUSTER erstmals für das LithoLex definiert.

Übergeordnete Einheit: Ried-Gruppe bei GRIMM 2010
Literatur: BARTZ, J. (1953): Revision des Bohrprofils der Heidelberger Radium-Sol-Therme. – Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N.F., 33, 101-125; Freiburg.
BARTZ, J. (1982), mit Beiträgen von Brelie, G. von der und Maus, H.: Quartär und Jungtertiär II im Oberrheingraben im Großraum Karlsruhe. – Geologisches Jahrbuch, A 63: 3-237.
BLUDAU, W. (1995): Biostratigraphische Untersuchungen an Sedimenten aus dem mittleren Oberrheingraben – Vorläufige Ergebnisse. – Jh. Geol. Landesamt Baden-Württemberg, 35, 395-406; Freiburg.
BOENIGK, W. (1987): Petrographische Untersuchungen jungtertiärer und quartärer Sedimente am linken Oberrhein. – Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N.F., 69, 357-394; Stuttgart.
BROST, E. & ELLWANGER, D. (1991): Einige Ergebnisse neuerer geoelektrischer und stratigraphischer Untersuchungen im Gebiet zwischen Kaiserstuhl und Kehl. – Geol. Jb., E 48, 71-81; Hannover.
ELLWANGER, D., GABRIEL, G., SIMON, T., WIELANDT-SCHUSTER, U., GREILING, R.O., HAGEDORN, E.-M., HAHNE, J. & HEINZ, J. (2008): Long sequence of Quaternary Rocks in the Heidelberg Basin Depocentre. – Quaternary Science Journal (Eiszeitalter und Gegenwart), 57/3-4: 316-337.
GRIMM, K.I. [Hrsg.] (2010): Stratigraphie von Deutschland IX. Tertiär: Oberrheingraben mit angrenzenden Teilbecken und Mittelgebirgen. – Schr.-R. Dt. Ges. Geowiss. (im Druck).
HAGEDORN, E.-M. (2004): Sedimentpetrographie und Lithofazies der jungtertiären und quartären Sedimente im Oberrheingebiet. – Inaugural-Dissertation, Geologisches Institut der Universität zu Köln: 248 pp.; (online-publication – URL: http://kups.ub.unikoeln.de/volltexte/2004/1253/).
HAGEDORN, E.-M. & BOENIGK, W. (2008): New evidences of the Pliocene and Quaternary sedimentary and fluvial history in the Upper Rhine Graben on basis of heavy mineral analyses. – Netherlands Journal of Geosciences, 87(1): 19-30.
HOSELMANN, C. (2008): The research borehole at Viernheim (Heidelberg Basin). – Quaternary Science Journal (Eiszeitalter und Gegenwart), 57/3-4: 286-315.
HOSELMANN, C., ELLWANGER, D., GABRIEL, G., WEIDENFELLER, M., & WIELANDT-SCHUSTER, U. (2010): Viernheim-Formation. – In: LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR (in Vorbereitung).
KNIPPING, M. (2008): Early and Middle Pleistocene pollen assemblages of deep core drillings in the northern Upper Rhine Graben, Germany. – Netherlands Journal of Geosciences, 87(1): 51-65.
MOOS, A. (1934): Die Erdölbohrungen im nördlichen Rheintalgraben bei Bruchsal 1921-1926. – Deutsches Erdöl. II: 12-76.
ROLF, C., HAMBACH, U. & WEIDENFELLER, M. (2008): Rock and palaeomagnetic evidence fort he Plio-Pleistocene palaeomagnetic change recorded in Upper Rhine Graben sediments (Core Ludwigshafen-Parkinsel). – Netherlands Journal of Geosciences – Geologie en Mijnbouw, 87-1, 41-50, Utrecht.
SALOMON, W. (1927): Die Erbohrung der Heidelberger Radium-Sol-Therme und ihre geologischen Verhältnisse. – Abh. Heidelberger Akad. Wiss. Math.-Nat. Kl., 14, 1-105; Heidelberg.
SCHAD, A. (1964): Feingliederung des Miozäns und die Deutung der nacholigozänen Bewegungen im mittleren Rheingraben. – Abh. geol. Landesamt Bad.-Württ., 5, Freiburg.
WEIDENFELLER, M. & KNIPPING, M. (2008): Correlation of Pleistocene sediments from boreholes in the Ludwigshafen area, western Heidelberg Basin. – Quaternary Science Journal (Eiszeitalter und Gegenwart), 57/3-4: 270-285.
WIRSING, G. & LUZ, A., unter Beteiligung von ELLWANGER, D., ENGESSER, W., GEERDS, P., HESS, M., KILGER, B., OHNEMUS, J., PLUM, H., SCHWARZ, M., STOBER, I. & WATZEL, R. (2007): Hydrogeologischer Bau und Aquifereigenschaften der Lockergesteine im Oberrheingraben (Baden-Württemberg). – LGRB_Informationen, 19, 130 S., Freiburg.
WIRSING, G., LUZ, A., ENGESSER, W. & KOCH, A. mit Gastautoren ELSASS, P. & PERRIN, J. (2007): Hochauflösende Reflexionsseismik auf dem Rhein und dem Rheinseitenkanal zwischen Mannheim und Rheinfelden. – LGRB-Fachbericht, 1/07, 60 S.; Freiburg.
WIRTH, E. (1950): Die Erdölvorkommen von Bruchsal in Baden. – Geol. Jb., 65, Hannover.
Autor des Datenblattes: Ellwanger, Dietrich
Erstellt am: 03.09.2010
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 23.09.2010
Änderung Datensatz: 03.11.2010


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Litholex Recherche vom 30.03.2017, 10:50:56.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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