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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Niederrhein-Mittelterrassen-Formation
ID: 1000010
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: G. SCHOLLMAYER, erstmals für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: vorläufig mitgeteilt
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Mittelpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Obere Mittelterrasse: 1-3 (OMT), Mittlere Mittelterrasse: (MMT, Rinnenschotter), Untere Mittelterrasse: (UMT), Krefelder Mittelterrasse: (QUITZOW 1956, KAISER 1961, SCHIRMER 2003); Untere Mittelterrasse: UMT (WINTER 1968), Mittelterrasse I-IV (BRUNNACKER et al. 1978; BOENIGK 1995; Mittelterrasse I-VI: MT 1-6 (BOENIGK & FRECHEN 2006); Obere Mittelterrasse 1-3, Mittlere Mittelterrasse, Untere Mittelterrasse 1-4 (KLOSTERMANN 1992), Ältere Mittelterrasse: (ÄMT 1-3), Mittlere Mittelterrasse: (MMT), Jüngere Mittelterrasse: (JMT1-4), KLOSTERMANN (1995), Ältere Mittelterrasse: Mä 1-4, Jüngere Mittelterrasse: Mj 1-2 (JANSEN & SCHOLLMAYER 2009, 2014).
Lithologie: Die Sedimente der Niederrhein-Mittelterrassen-Formation bestehen aus kaltzeitlichen fluviatilen Sanden und Kiesen, die warmzeitlichen Ablagerungen (Niederaußem Interglazial, Frimmersdorf Interglazial, Krefeld-Schichten) aus limnischen, meist humosen Schluffen und Tonen mit einzelnen Torflagen, sowie aus Fein- bis Mittelsanden. Charakteristisch ist eine Wechsellagerung von feinkiesigen Mittel- und Grobsanden, die häufig Eisen- und Manganhydroxidkrusten haben. Im liegenden Teil der Abfolge tritt eine Grobkieslage mit einer Steinsohle auf; dazu kommen Einschaltungen syngenetischer Eiskeilpseudomorphosen und Kryoturbationen mit Driftblöcken und Sandschollen (KLOSTERMANN 1992, JANSEN 2001).
Charakteristische Schwerminerale der Niederrhein-Mittelterrassen-Formation sind: braune Hornblende, Klinopyroxen und grüne Hornblende (VINKEN 1959, BRUNNACKER et al. 1978, KLOSTERMANN 1992, JANSEN & SCHOLLMAYER 2009, 2014).
Untergeordnete Einheit: Die Niederrhein-Mittelterrassen-Formation lässt sich im Niederrheingebiet in mehrere Terrassenkörper (s.o.) mit zwischengelagerten Interglazialbildungen aus der Holstein-Warmzeit unterteilen (v. d. BRELIE et al. 1959, KEMPF 1966, URBAN 1980 und 2007, KLOSTERMANN 1992, BOENIGK 1995, URBAN 2007). Die Niederrhein-Mittelterrassen-Formation lässt sich durch teilweise eingeschaltete Interglazialablagerungen des Holsteins (Krefeld-Schichten, i.w. humose Schluffe, gelegentlich Torf) in die Ältere und Jüngere Mittelterrassen-Subfomation untergliedern. Die Ältere Mittelterrassen-Subformation ist als Terrassentreppe ausgebildet. Die einzelnen Terrassenkörper (Mä 1-4) liegen nicht konkordant übereinander, sondern sind durch eine Tiefenerosionsphase voneinander getrennt. Die Jüngere Mittelterrassen-Subformation ist dagegen als Terrassenstapel ausgebildet. Beide Subformationen weisen eine ähnliche Geröllzusammensetzung auf: Quarz 30-50 %, Quarzit 10-15 %, Grauwacke, Sandstein, Silt- und Tonstein 40 – 60 %, Eruptiva bis 3 % (VINKEN 1959, MAARLEVELD 1956, BRUNNACKER et al. 1978, KLOSTERMANN 1992, LANSER 1983).
Liegendgrenze: Die Sedimente der Älteren Niederrhein-Mittelterrassen-Subformation (Ältere Mittelterrasse 1-4) liegen diskordant über Schichten des Tertiärs. Die Ablagerungen der Jüngeren Niederrhein-Mittelterrassen-Subformation (Jüngere Mittelterrassen 1-2) liegen diskordant über Schichten des Tertiärs, über interglazialen Krefeld-Schichten oder über der Älteren Mittelterrasse 4.
Hangendgrenze: Die Sedimente der Niederrhein-Mittelterrassen-Formation werden von mittel- bis oberpleistozänen äolischen Ablagerungen (Flugsand, Löss/Lösslehm), Niederterrassen-Ablagerungen, lokal von eemzeitlichen Weeze-Schichten, periglazialen Deckschichten (Fließerden, Kolluvien), glazifluviatilen oder glazialen Ablagerungen der Saale-Kaltzeit sowie von Auenablagerungen überlagert.
Mittlere Mächtigkeit: Die Mächtigkeit der jeweiligen Niederrhein-Mittelterrassen-Subformationen schwankt zwischen wenigen dm und 25 m. Die Angaben wurden aus langjährigen Beobachtungen sowie Aufnahmen zahlreicher Profile in Kies- und Sandgruben ermittelt und sind durch Dokumentation von Bohrungen und Auswertung von Schichtenverzeichnissen u.a. im Archiv des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen dokumentiert.
Maximale Mächtigkeit: bis 30 m, in Rinnen lokal bis über 50 m.
Typusprofile, etc.: Niederrhein-Mittelterrassen-Subformation: Regelrechte Typprofile der älteren Niederrhein-Mittelterrassen-Subformation sind nicht aufgeschlossen, Hauptverbreitungsgebiete liegen nördlich von Straelen und im Bereich der Hochfläche von Twisteden (Geldern), im Gebiet der nördlichen Ville zwischen Köln, Bergheim und Grevenbroich; Gebiete beiderseits des Rheins bei Köln (Pulheim, Frechen, Köln-Mülheim); Hauptverbreitungsgebiete der jüngeren Niederrhein-Mittelterrassen-Subformation: Kempen-Krefelder Platte, Aldekerker Platte (Kerken), Osthang der Ville zwischen Köln und Bonn; rechtsrheinisch: Wahner Heide bis Duisburg, z.B. R 2564381, H 5635504, TK 25 Blatt 5107 Brühl, Sand- u. Kieswerk Bischoff & Sohn (Photo 1 und Photo 2, Ausschnitt)
Verbreitung (Bundesländer): Nordrhein-Westfalen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Norddeutsches Tiefland, Niederrheinische Bucht
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: Zeitgleiche Bildungen stellen die Mittelterrassen-Formationen der Nebenflüsse des Rheins dar (Sieg, Wupper, Ruhr, Emscher, Lippe) sowie die Mittelrhein-Mittelterrassen-Formation (WEIDENFELLER 2013). Die Korrelationen beruhen im Wesentlichen auf der Höhenlage der Schotterkörper über dem heutigen Flussniveau sowie auf dem Grad ihrer Verwitterung (Quarzzahl nach SCHNÜTGEN et al. 1975).
Korrelation mit Ablagerungen in den Niederlanden:
Ältere Niederrhein-Mittelterrassen-Subformation: Urk-Formation (tieferer Abschnitt), Jüngere Niederrhein-Mittelterrassen-Subformation: Urk-Formation (höherer Abschnitt) WESTERHOFF et al. (2003).
Alterseinstufung: Einstufung anhand von:
- Magnetostratigraphie:
sämtliche Terrassenkörper der Niederrhein-Mittelterrassen-Formation zeigen normale Magnetisierung und werden der Brunhes-Chrone zugerechnet (KLOSTERMANN 1992).
- eingeschaltete Interglaziale:
Krefeld- Schichten (Holstein), lokal Niederaußem- und Frimmersdorf-Interglazial (Cromer). Die interglazialen Sedimente lassen sich teilweise anhand tierischer sowie pflanzlicher Fossilien wie Mollusken, Ostrakoden und makroskopische Pflanzenreste (Früchte und Samen) biostratigraphisch zuordnen (v. d. BRELIE 1959, KEMPF 1966 und URBAN 1980).
- Sequenzstratigraphie:
Die Niederrhein-Mittelterrassen-Formation zeigt eine fluviatile Sequenz, die häufig mit der Ablagerung eines grobkörnigen Basisschotters beginnt und mit der Sedimentation von Hochflutsedimenten ausklingt. Dieser Zyklus kann sich innerhalb der Formation mehrfach wiederholen.
Kommentar: Die Einstufung erfolgt i. W. auf Basis von schwermineralogischen Analysen der fluviatilen Sedimente (BOENIGK 1995), stellenweise auch mit Hilfe physikalischer Altersdatierungen (U-Pb detrische Zirkon Alter; KRIPPNER & BAHLBURG 2010) sowie pollenanalytischen Untersuchungen (v. d. BRELIE 1959, URBAN 1980) der zwischengeschalteten warmzeitlichen Ablagerungen.
Versch./Sonstiges: Unterschiedliche Liefergebiete können eine unterschiedliche petrographische Zusammensetzung zeitgleich gebildeter Schotterkörper bedingen (VINKEN 1959).
Eine Modellierung und Visualisierung der Mittel- und Niederterrassen in der südlichen Niederrheinischen Bucht ist bei YOO 2008 veröffentlicht.
Literatur: BOENIGK, W. (1995): Terrassenstratigraphie des Mittelpleistozän am Niederrhein und Mittelrhein. – Mededelingen Rijks Geologische Dienst, Nederland, 52: 71-81.
BOENIGK, W. & FRECHEN, M. (2006): The Pliocene and Quaternary fluvial archives of the Rhine system. – Quaternary Science Reviews, 25(5-6): 550-574.
BRELIE, von der, G., KILPPER, K. & TEICHMÜLLER, R. (1959): Das Pleistozän-Profil von Frimmersdorf an der Erft. – Fortschritte in der Geologie von Rheinland und Westfalen, 4: 179-196.
BRUNNACKER, K., BOENIGK, W., DOLEZALEK, B., KEMPF, E. K., KOCI, A., MENTZEN, H., RAZI RAD, M. & WINTER, K.-P. (1978): Die Mittelterrassen am Niederhein zwischen Köln und Mönchengladbach. – Fortschritte in der Geologie von Rheinland und Westfalen, 28: 277-324.
JANSEN, F. (2001): Erl. zu Blatt 4305 Wesel. – Geol. Kt. Nordrh.-Westf. 1:25.000; Krefeld.
JANSEN, F. & SCHOLLMAYER, G. (2009): Die Mittelterrassen des Rheins zwischen Kamp-Lintfort, Viersen, Kaarst und Krefeld. – Natur am Niederrhein, 24(1): 15-26.
JANSEN, F. & SCHOLLMAYER, G. (2014): Mittelterrassen von Bonn bis Bocholt (Niederrhein; Nordrhein-Westfalen). – Decheniana (Bonn) 167, 67-106.
KAISER, K. (1961): Gliederung und Formenschatz des Pliozäns und Quartärs am Mittel- und Niederrhein sowie in den angrenzenden Niederlanden unter besonderer Berüchsichtigung der Rheinterrassen. – In: Köln und die Rheinlande. – Deutscher Geographentag, 33., 1960, Köln, Festschrift: 236-278; Wiesbaden.
KEMPF, E. K. (1966): Das Holstein-Interglazial von Tönisberg im Rahmen des niederrheinischen Pleistozäns. – Eiszeitalter und Gegenwart, 17: 5-60.
KLOSTERMANN, J. (1992): Das Quartär der Niederrheinischen Bucht. – GLA NRW, 200 S., Krefeld.
KLOSTERMANN, J. (1995): IV. Nordrhein-Westfalen. – In: BENDA, L. (Hrsg.): Das Quartär Deutschlands: 67-82; Stuttgart (Borntraeger).
KRIPPNER, A. & BAHLBURG, H. (2010): U-Pb detrial zircon ages of Rhine river Middle Terrace sands between Freiburg and Cologne – An actualistic test of provenance interpretations applied to ancient deposits. – Schriftenreihe der Deutschen Geologischen Gesellschaft, 72: 58.
LANSER, K.-P. (1983): Die Krefelder Terrasse und ihr Liegendes im Bereich Krefeld. – Dissertation Universität zu Köln, 241 S. [unveröffentlicht].
MAARLEVELD, G.C. (1956): Ergebnisse von Kies-Analysen im Niederrheingebiet. – Geologie en Mijnbouw, 18: 411-415.
QUITZOW, H. W. (1956): Die Terrassengliederung im niederrheinischen Tieflande. – Geologie en Mijnbouw, 18: 357-373.
SCHIRMER, W. (2003): Stadien der Rheingeschichte. – Geo Archaeo Rhein, 4: 21-80.
SCHNÜTGEN, A., BRUNNACKER, M., KOCI, A. & BRUNNACKER, K. (1975): Der Übergang von der Hauptterrassenfolge zur Mittelterrassenfolge am Niederrhein. – Decheniana, 128: 67-86.
URBAN, B. (1980): Zur Stratigraphie des Frimmersdorf-Interglazials und Krefeld-Interglazials in der Niederrheinischen Bucht. – Decheniana 133: 224-228.
URBAN, B. (2007): Stratigraphische Begriffe für das Quartär des Periglazialraums in Deutschland. – Eiszeitalter und Gegenwart, 56/1-2: 84-95.
VINKEN, R. (1959): Sedimentpetrographische Untersuchungen der Rheinterrassen im östlichen Teil der Niederrheinischen Bucht. – Fortschritte in der Geologie von Rheinland und Westfalen, 4: 127-170.
WEIDENFELLER, M. (2013): Mittelrhein-Mittelterrassen-Formation. – In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 07.05.2013). [cited 29.04.2014]. Record No. 1000030). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex
WESTERHOFF, W.E., WONG, T.E. & GELUK, M.C. (2003): De opbouw van de ondergrond. In: DE MULDER, E.F.G., GELUK, M.C., RITSEMA, I., WESTERHOFF, W.E. & WONG, T.E. (eds): De ondergrond van Nederland. – Nederlands Instituut voor Toegepaste Geowetenschappen TNO. Geologie van Nederland, 7, 247-352.
WINTER, K.-P. (1968): Die Untere Mittelterrasse im Südteil der Niederrheinischen Bucht. – Sonderveröffentlichung des Geologischen Instituts der Universität Köln, 15: 138 S.
YOO, Y (2008): Computer gestützte Auswertung, Modellierung und Visualisierung der quartären Mittelterrassen und Niederterrassen in der südlichen Niederrheinischen Bucht durch Programmierung von Arc View. – Diss. Univ. Köln, 277 S.
Autor des Datenblattes: Schollmayer, Georg
Erstellt am: 06.04.2009
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 08.05.2014
Änderung Datensatz: 04.12.2014
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Litholex Recherche vom 24.05.2017, 09:53:48.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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