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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Lohner Boden
ID: 1000008
Hierarischer Rang: nicht klassifiziert
Erstbeschreibung: A. Semmel; Überarbeitung durch Birgit Terhorst
Gültigkeit des Namens: revisionsbedürftig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Weichselium (Oberpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Brauner Verwitterungshorizont (BRUNNACKER 1954 und 1956); Arktische Kalkbraunerde (LIEBEROTH 1962); Hahnstätter Boden (SEMMEL 1963); Gleinaer Boden (HAASE et al. 1970).
Lithologie: Brauner, oft olivbraun getönter Lösslehm, im oberen Teil etwas heller und mit knötchen- oder röhrenartigen Fe-Konkretionen. Feinplattige Struktur (1 - 2 mm Durchmesser). Auf den Aggregaten dunkle Anflüge von Fe und Mn. Wenn sekundär aufgekalkt, dann auch weiße CaCO3-Beläge. Höherer Tongehalt als der liegende unverwitterte Löss, nicht bei tonigerem Untergrund (fossiler Bt etc.).
Untergeordnete Einheit: Zwischenlagen von kalkhaltigem oder nur angewittertem Löss möglich.
Liegendgrenze: --
Hangendgrenze: Hangendgrenze besteht aus kalkhaltigem Löss oder umgelagertem, oft hydromorphem (grauem) Löss.
Mittlere Mächtigkeit: mittlere Mächtigkeit ca. 50 cm, sehr oft durch syn- oder postgenetische Abtragung reduziert. Die Mächtigkeitsangaben beruhen auf zahlreichen Lössgruben (vgl. u.a. ROHDENBURG & MEYER 1966; SEMMEL 1968, Zitat in 2003).
Maximale Mächtigkeit: ca. 1 m
Typusprofile, etc.: a) Westrand des Sportplatzes an der B 450 nördlich Lohne SW Kassel (R 351850; H 567216), TK 25 Blatt 4821 Fritzlar
b) Nordwand ehemalige Ziegeleigrube „Am Bingert“ an der B 455 N Wiesbaden (R 344870; H 555235), TK 25 Blatt 5815 Wehen.
Verbreitung (Bundesländer): Baden-Württemberg
Bayern
Hessen
Niedersachsen
Sachsen
Sachsen-Anhalt
Thüringen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge
Alpenvorland
Verbreitung (Ergänzung): --
Zeitgleiche Einheiten: Hainerberger Boden im engeren Rhein-Main-Gebiet; Arktische Braunerde B3 c des PK I in Tschechien; fragliche Korrelation mit Stillfried B in Niederösterreich, Braunerde (Lohner Boden-Äquivalent) in Oberösterreich.
Alterseinstufung: Zahlreiche Lumineszenzdatierungen des Ausgangssubstrates des Lohner Bodens ergaben ein durchschnittliches Alter von ca. 30.000 BP, allerdings mit erheblicher Streubreite (RADTKE et al. 1998).
Kommentar: Der Lohner Boden wird als Hangendgrenze des Mittelweichsel-Lösses angesehen. Wahrscheinlich Bildung des Denekamp-Interstadials.
Versch./Sonstiges: Wegen Abtragsphasen zu Beginn des Oberweichsels fehlt der Lohner Boden in vielen Lössprofilen, die ansonsten andere Leithorizonte der Weichsellöss-Gliederung enthalten. Der Lohner Boden tritt als Pedokomplex auf und umfasst unterschiedliche pedo- und morphogenetische Phasen.
Im Profil Nußloch bei Heidelberg ist ein jüngerer Nassboden ähnlich ausgebildet (BIBUS et al. 2007; Diskussion zur Altersstellung bei KADEREIT et al. 2013). Dort liegt der charakteristische Lohner Boden im Sinne der Typuslokalität nicht vor. In hochaufgelösten Lössprofilen weichen die pedostratigraphischen Einheiten von den Definitionen der Typuslokalitäten im Allgemeinen sehr stark ab.
Der Lohner Boden wird als informeller Begriff definiert. Für hochaufgelöste Lössprofile liegt derzeit keine vergleichbare pedostratigraphische Definition vor.
Literatur: ANTOINE, P., ROUSSEAU, D.-D., MOINE, O., KUNESCH, S., HATTÉ, C., LANG, A., TISSOUX, H. & ZÖLLER, L. (2009): Rapid and cyclic aeolian deposition during the Last Glacial in European loess: a high-resolution record from Nussloch, Germany.– Quat. Sci. Rev. 28: 2955-2973.
BIBUS, E., FRECHEN, M., KÖSEL, M. & RÄHLE; W. (2007): Das jungpleistozäne Lößprofil von Nußloch (SW-Wand) im Aufschluss der Heidelberger Zement AG.– Eiszeitalter und Gegenwart (Quaternary Science Journal), 56/4: 227-255.
BRUNNACKER, K. (1954): Löß und diluviale Bodenbildungen in Südbayern.– Eiszeitalter und Gegenwart, 4/5: 43-48.
BRUNNACKER, K. (1956): Das Lößprofil in Kitzingen (Unterfranken).– Germania, 34: 3-11.
HAASE, G., LIEBEROTH, I. & RUSKE, R. (1970): Sedimente und Paläoböden im Lößgebiet.– Pet. Geogr. Mitt., Ergänzungsheft 274: 99-212, Gotha.
KADEREIT, A., KIND, C.-J. & WAGNER, G.A. (2013): The chronological position of the Lohne Soil in the Nussloch loess section — re-evaluation for a European loess-marker horizon.– Quat. Sci. Rev. 59: 67-86.
LIEBEROTH, I. (1962): Ein Beitrag zum Klima und zur Chronologie des Jungpleistozäns.– Forsch. Und Fortschr., 36: 73-77.
MEYER, B. & ROHDENBURG, H. (1982): Paläoböden südniedersächsischer Lößgebiete.– Geol. Jb., F. 14: 298-309.
RADTKE, U., JANOTTA, A. & SEMMEL, A. (1998). Lumineszenzdatierungen des Lößprofils „Am Bingert“ (bei Wiesbaden).– Kölner geogr. Arb., 70: 59-64.
ROHDENBURG, H. & MEYER, B. (1966): Zur Feinstratigraphie und Paläontologie des Jungpleistozäns nach Untersuchungen an südniedersächsischen und nordhessischen Lößprofilen.– Mitt. dt. bodenkdl. Ges., 5: 1-135.
SCHÖNHALS, E., ROHDENBURG, H. & SEMMEL, A. (1964): Ergebnisse neuerer Untersuchungen zur Würmlößgliederung in Hessen.- Eiszeitalter und Gegenwart, 15: 199-206.
SEMMEL, A. (1963): Mitteilung über ein Pleistozänprofil bei Hahnstätten (Limburger Becken).– Notizbl. Hess. L.-Amt Bodenforsch., 91: 359-365.
SEMMEL, A. (2003): Deutsche und österreichische Lößforschung – ein Rückblick mit persönlichen Erinnerungen.– Tübinger geowiss. Arb. D09: 6-24.
TERHORST, B., FRECHEN, M. & REITNER, J. (2002): Chronostratigraphische Ergebnisse aus Lößprofilen der Inn- und Traun-Hochterrassen in Oberösterreich.– Zeitschrift für Geomorphologie N.F., Suppl.-Bd. 127: 213-232.
TERHORST, B., SEDOV, S., SPRAFKE, T., PETICZKA, R., MEYER-HEINTZE, S., KÜHN, P. & SOLLEIRO REBOLLEDO, E. (2014): Austrian MIS 3/2 loess-paleosol records - Key sites along a W-E transect.– Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology 418: 43-56.
Autor des Datenblattes: Semmel, Arno
Erstellt am: 28.11.2008
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 23.04.2015
Änderung Datensatz: 30.11.2015
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Litholex Recherche vom 30.04.2017, 09:00:56.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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