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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Untermain-Mittelterrassen-Formation
ID: 1000006
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: C. HOSELMANN, erstmals für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: vorläufig mitgeteilt
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Mittelpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: •t(2)-Terrasse (u.a. SEMMEL 1969, 1999a, SCHEER 1976, RENFTEL 1998), E-Terrasse (KÖRBER 1962), M2-Stufe (BAKKER 1930), 30-m-Terrasse (STREIT 1971)
•t(3)-Terrasse (u.a. SEMMEL 1969, 1999b, SCHEER 1976, RENFTEL 1998), Obere Mittelterrasse (KÖRBER 1962), M3-Stufe (BAKKER 1930), 25-m-Terrasse (STREIT 1971)
•t(4)-Terrasse (u.a. SEMMEL 1969, 1999b, SCHEER 1976, RENFTEL 1998), Mittlere Mittelterrasse (KÖRBER 1962), 18-m-Terrasse (STREIT 1971), Mittelterrasse (MICHELS 1930)
•t(5)-Terrasse (u.a. SEMMEL 1969, 1999b, SCHEER 1976, RENFTEL 1998), Untere Mittelterrasse (KÖRBER 1962), M4-Stufe (BAKKER 1930), 12-m-Terrasse (STREIT 1971), Mittelterrasse (MICHELS 1930)
Lithologie: Die Untermain-Mittelterrassen-Formation besteht im Wesentlichen aus fluviatilen kiesigen Sanden, in die untergeordnet limnisch-fluviatile zum Teil humose Ton- und Schlufflagen eingeschaltet sind. Die Basis der Aufschüttungen wird meist durch eine Grobblocklage gekennzeichnet. Die Kiese bestehen hauptsächlich aus Sandstein des Buntsandsteins, Quarz, Quarzit, Hornstein, Lydit sowie Grauwacke und vereinzelt Basalt. Kalksteine des Muschelkalks treten in der Geröllfraktion, im Gegensatz zur Untermain-Niederterrassen-Formation, nicht auf.
Untergeordnete Einheit: Die Untermain-Mittelterrassen-Formation kann im Untermaingebiet in vier Subformationen unterteilt werden. Eine Untergliederung aufgrund einer petrographischen Differenzierung ist nicht möglich und erfolgt nur mit Hilfe der Verbreitung der Terrassensedimente sowie der Höhenlage der Terrassenbasis. Eine weitere Untergliederung wurde von SEIDENSCHWANN (1995) vorgenommen.
Liegendgrenze: Die Sedimente der Untermain-Mittelterrassen-Formation lagern häufig diskordant auf fluviatilen unterpleistozänen Ablagerungen der Untermain-Hauptterrassen-Formation oder Gesteinen tertiären Alters.
Hangendgrenze: Im Hangenden der Formation treten meist Flugsande, Fließerden oder Abschwemmmassen auf.
Mittlere Mächtigkeit: Die Mächtigkeiten der einzelnen Subformationen schwanken zwischen 1 und 12 m und ergeben in der Addition eine Gesamtmächtigkeit der Untermain-Mittelterrassen-Formation von rund 10 bis 35 m (RENFTEL 1998, SCHEER 1976 und SEMMEL 1969, 1980, 1999a, b). Dabei muss beachtet werden, dass im Untermaingebiet durch die Hebung im Mittel- und Oberpleistozän die Schotterakkumulationen als Staffel vorliegen und somit nicht übereinander gestapelt sind. Die Mächtigkeiten schwanken aufgrund unterschiedlichen tektonischen Verhaltens einzelner Teilgebiete in der Untermain-Ebene (ANDERLE 1968). Die Mächtigkeiten sowie lithologischen Eigenschaften leiten sich aus Beobachtungen in einer Vielzahl von Kiesgruben sowie aus diversen Bohrungen ab, die u.a. im Archiv des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie dokumentiert sind.
Maximale Mächtigkeit: maximal 35 m (summarisch)
Typusprofile, etc.: Profile mit quartären Lockersedimenten sind meist nur temporär aufgeschlossen. Lange Zeit zugänglich sind Teilabschnitte der fluviatilen Sedimente der Untermain-Mittelterrassen-Formation in den „Weilbacher Kiesgruben“ (R 3460900/H 5546100; TK Blatt 5916 Hochheim am Main; SEMMEL 2005), im Dyckerhoff-Steinbruch (R 3448700/H 5545400; TK Blatt 5915 Wiesbaden; SEMMEL 2005) sowie in der Tongrube Katzenbuckel westlich von Hainstadt (R 3494200/H 5548300; TK Blatt 5919 Seligenstadt; SCHEER 1976). Immer wieder werden die Terrassensedimente durch Kernbohrungen aufgeschlossen, die im Rahmen von wasserwirtschaftlichen Erkundungen und Baugrunduntersuchungen abgeteuft werden.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Hessen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Oberrheinisches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Die Sedimente der Untermain-Mittelterrassen-Formation treten mit dem Eintritt des Mains in das Senkungsgebiet des Hanauer Beckens auf. Die Vorkommen sind dort weit verbreitet und auf verschiedenen Blättern der GK 25 auskartiert (z.B. 5819 Hanau, 5916 Hochheim, 5917 Kelsterbach, 5918 Neu-Isenburg und 6020 Aschaffenburg). Die westlichsten Vorkommen sind im Stadtgebiet von Wiesbaden zu beobachten.
Zeitgleiche Einheiten: Mittelterrassen-Sedimente aus dem Mittelpleistozän sind auch aus dem Rheinsystem und seinen Nebenflüssen bekannt. Allerdings unterscheidet sich der petrographische Inhalt aufgrund verschiedener Liefergebiete. Signifikante Leithorizonte sind nicht nachgewiesen. Eine Korrelation mit Ablagerungen aus dem Mainengtal ist möglich (KÖRBER 1962).
Alterseinstufung: auf Basis von:
- Biostratigraphie: In den feinklastischen Lagen sind bisher keine Funde gemacht worden, die eine sichere biostratigraphische Einstufung ermöglicht hätten. Paläobotanische Untersuchungen an humosen Tonlagen weisen auf ein warmzeitliches Klima hin (SCHEER 1976); weiterhin sind von v. d. BRELIE (1974) in Tonlagen der Untermain-Mittelterrassen-Formation Hinweise zu Floren gefunden worden, die in den Cromerium-Komplex zu stellen sind. In der jüngsten Subformation der Untermain-Mittelterrassen-Formation ist eine Übergangsform von Elephas trogontherii zu Elephas primigenius beschrieben worden, die ein weichselzeitliches Alter der Sedimente ausschließt.
- Paläopedologie: Über die Paläoböden der Deckschichten ist indirekt das Alter der einzelnen Terrassen zu bestimmen. Die älteste Subformation ist demnach in der fünft- oder sechstletzten Kaltzeit vor heute akkumuliert worden (SEIDENSCHWANN 1993). Der jüngste Abschnitt der Untermain-Mittelterrassen-Formation wird wiederholt von Deckschichten mit einem fossilen Bt überlagert, so dass eine Korrelation mit der vorletzten Kaltzeit als gesichert angesehen werden kann.
- Sedimentpetrographie: Systematische schwermineralogische Untersuchungen haben gezeigt, dass die Anteile der extrem stabilen Schwerminerale (Zirkon, Turmalin und Rutil) von den älteren zu den jüngeren Terrassen abnehmen (SCHEER 1976). Die Zuordnung zur Untermain- Haupt-, Mittel- oder Niederterrassen-Formation scheint aufgrund von Schwermineralanalysen möglich.
- Klimatostratigraphie: Wiederholt wurden in den Sedimenten der Untermain-Mittelterrassen-Formation Driftblöcke beobachtet (z.B. RENFTEL 1999, SEMMEL 1999b). Diese Driftblöcke sind Hinweise auf kaltklimatische Umweltbedingungen zur Zeit ihrer Ablagerung.
Kommentar: Die paläogeographische Entwicklung des Untermain-Gebiets sowie paläopedologische Untersuchungsergebnisse lassen nur den Schluss zu, dass die Untermain-Mittelterrassen-Formation im Mittelpleistozän akkumuliert worden ist. Da die Untermain-Hauptterrassen-Formation vermutlich nicht in das Mittelpleistozän reicht und die Untermain-Niederterrassen-Formation im Oberpleistozän abgelagert worden ist, deckt die Untermain-Mittelterrassen-Formation diskontinuierlich das gesamte Mittelpleistozän ab.
Versch./Sonstiges: Als künftige Untersuchungsschwerpunkte wären systematische paläobotanische Untersuchungen von feinklastischen Sedimenten, die eine bessere stratigraphische Zuordnung und Untergliederung des Terrassenkomplexes ermöglichen würden, sinnvoll. An jüngeren Altersabschnitten der Untermain-Mittelterrassen-Formation sind Lumineszenz-Datierungen des fluviatilen Akkumulationsalters wünschenswert.
Literatur: ANDERLE, H. J. (1968): Die Mächtigkeiten der sandig-kiesigen Sedimente des Quartärs im nördlichen Oberrhein-Graben und der östlichen Untermain-Ebene. – Notizblatt des Hessischen Landesamtes für Bodenforschung zu Wiesbaden, 96: 185-196; Wiesbaden.
BAKKER, J. P. (1930): Einige Probleme der Morphologie und der jüngsten geologischen Geschichte des Mainzer Beckens und seiner Umgebung. – Geogr. Geol. Meded., Phys., Geol. Reeks, 3: 112 S.; Utrecht.
BRELIE, G. v. d. (1974): Pollenanalytische Untersuchungen an warmzeitlichen Sedimenten in den Terrassen des Untermain-Gebietes. – Rhein-Mainische Forschungen, 78: 83-99; Frankfurt a. M.
KÖRBER, H. (1962): Die Entwicklung des Maintals. – Würzburger geographische Arbeiten, 10: 170 S.; Würzburg.
MICHELS, F. (1930): Erläuterungen zur geologischen Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern, Blatt Frankfurt/Main-Ost-Offenbach: Lieferung 300: 88 S.; Berlin.
RENFTEL, L.-O. (1998): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1 : 25000, Blatt Nr. 5819 Hanau, 2. Aufl.: 278 S.; Wiesbaden.
SCHEER, H.-D. (1976): Die pleistozänen Flußterrassen in der östlichen Mainebene. – Geologisches Jahrbuch Hessen, 104: 61-86; Wiesbaden.
SEIDENSCHWANN, G. (1993): Quartär. – In: KÜMMERLE, E. & SEIDENSCHWANN, G.: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1 : 25000, Blatt Nr. 5818 Frankfurt a. M. Ost, 3. Aufl.: 48-72; Wiesbaden.
SEIDENSCHWANN, G. (1995): Die fluviatilen Sedimente in den Baugruben des Wohnparks Mühlheim zwischen Ebertstraße und Offenbacher Straße in Mühlheim/Main. – Jahresberichte der Wetterauischen Gesellschaft für die gesamte Naturkunde, 146-147: 71-86; Hanau.
SEMMEL, A. (1969): Quartär. – In: KÜMMERLE, E. & SEMMEL, A.: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1 : 25000, Blatt Nr. 5916 Hochheim am Main, 3. Auflage: 51-99; Wiesbaden.
SEMMEL, A., (1980): Quartär.- In: GOLWER, A. & SEMMEL, A.: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1 : 25000, Blatt Nr. 5917 Kelsterbach, 3. Auflage: 25-49; Wiesbaden.
SEMMEL, A. (1999a): Die pleistozänen Terrassen des Mains in der Isenburger Pforte südlich Frankfurt am Main. – Frankfurter geowissenschaftliche Arbeiten Serie D, 25: 237-255; Frankfurt a. M.
SEMMEL, A. (1999b): Quartär. – In: KOWALCZYK, G., KÜMMERLE, E. & SEMMEL, A.: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1 : 25000, Blatt Nr. 5918 Neu-Isenburg, 3. Aufl.: 48-72; Wiesbaden.
SEMMEL, A. (2005): Vom oligozänen Laterit zur altholozänen Schwarzerde – Paläoböden an Rhein und Main. – Exkursionsführer zur 24. Jahrestagung des Arbeitskreises für Paläopedologie der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft: 51 S.; Hofheim a. Ts. (Selbstverlag).
STREIT, R. (1971): Quartär. – Geologische Karte von Bayern 1:25000 - Erläuterungen zum Blatt Nr. 6020 Aschaffenburg: 150-186; München.
Autor des Datenblattes: Hoselmann, Christian
Erstellt am: 20.06.2008
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 26.06.2008
Änderung Datensatz: 25.11.2008


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Litholex Recherche vom 24.06.2017, 12:16:23.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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