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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Laacher See Tephra-Formation
ID: 1000005
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: M. WEIDENFELLER, erstmals für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: vorläufig mitgeteilt
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Weichselium (Oberpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Laacher See-Bims, Laacher See-Tuff.
Die Bezeichnung "Laacher See Tephra" (LST) wird seit BOGAARD und SCHMINCKE (1984, 1985) von den meisten Bearbeitern verwendet. Namen gebend ist der Laacher See, der sich nach dem Ausbruch im Eruptionszentrum bildete. Neuere zusammenfassende Darstellungen z.B. SCHMINCKE (2000, 2009).
Lithologie: Die Laacher See Tephra-Formation umfasst Falloutablagerungen, die bis nach Schweden und Norditalien nachgewiesen wurden, sowie kleinere Volumina von Ignimbriten und Surgeablagerungen. Die phonolithischen Ablagerungen sind chemisch und mineralogisch stark zoniert, von extrem hoch differenzierten hellen kristallarmen Phonolithen an der Basis bis zu extrem kristallreichen dunklen mafischen Phonolithen am Top (WÖRNER & SCHMINCKE 1984 a,b). Die Ablagerungen bestehen aus Bimslapilli, bzw. Aschen (< 2mm Körngröße) und variablen Anteilen an Gesteinsfragmenten, überwiegend devonischen Schiefern und Sandsteinen. Die Einsprenglinge umfassen überwiegend Sanidin und Plagioklas, daneben Amphibol, Klinopyroxen, Hauyn, Titanit, Apatit, Phlogopit und Fe/Ti-Oxide. Proximale ballistische Blöcke können über 2 m Durchmesser erreichen. Mächtige unverschweisste Ignimbrite sind in den radialen Tälern rings um den Laacher See verbreitet und wurden früher als Trass bezeichnet (z.B. Brohltal-Trass, Nettetal-Trass).
Untergeordnete Einheit: SCHMINCKE (2009) untergliedert die Laacher See Tephra in Lower (LLST-A,B,C), Middle (MLST-A,B,C) und Upper (ULST-A,B,C) Laacher See Tephra. Diese Unterteilung spiegelt die markantesten Änderungen in den Eruptions- und Transportmechanismen, Hiaten während der Eruption und in der Zusammensetzung des eruptierten Magmas wider.
Liegendgrenze: Die Liegendgrenze wird häufig von weichselzeitlichem Löss oder spätglazialem Hochflutlehm der Niederterrasse gebildet.
Hangendgrenze: Kleinräumig überlagern jüngere Decksedimente wie spätglaziale und holozäne Flugsande, periglazial umgelagerte Sedimente der Jüngeren Dryas oder holozäne Abschwemmmassen die Laacher See Tephra.
Mittlere Mächtigkeit: Die Mächtigkeit nimmt mit der Entfernung vom Eruptionszentrum ab. In östlicher Richtung beträgt die Mächtigkeit in einer Entfernung von 60 km immer noch 1 m, während sie 5 km westlich des Laacher Sees sehr schnell auf unter 3 m abnimmt. Millimeter-dicke Ablagerungen finden sich noch in Entfernungen von über 500 km.
Maximale Mächtigkeit: Am Wingertsberg, unmittelbar südlich des Eruptionszentrums, erreicht die LST eine Maximalmächtigkeit von 35 m.
Typusprofile, etc.: Die meisten der in der Literatur beschriebenen Profile lagen in heute verschütteten Aufschlüssen, die im Zuge der Rohstoffgewinnung entstanden sind. Die von SCHMINCKE (2000) beschriebenen Vorkommen liegen südlich und südöstlich des Laacher Sees sowie 2 km nördlich von Mendig: Profil Wingertsberg (R 2590680 H 5584750), Profil Krufter Ofen (R 2591580 H 5585390), Profil Nickenich (R 2594540 H 5586110).
Verbreitung (Bundesländer): Hessen
Rheinland-Pfalz
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Rheinisches Schiefergebirge
Verbreitung (Ergänzung): Die Hauptverbreitung der Laacher See Tephra-Formation konzentriert sich rund um den Laacher See sowie die nordöstlich (Westerwald) und südlich angrenzenden Teile des Rheinischen Schiefergebirges (Eifel und Hunsrück). Aschen der LST wurden in Südwest-, Südost- und Ostdeutschland, Österreich, Schweden, Polen, Westschweiz und Oberitalien nachgewiesen.
Zeitgleiche Einheiten: -
Alterseinstufung: Die meisten Alterseinstufungen basieren auf biostratigraphischen und radiometrischen Altern (Dendrochronologie, Palynologie, 14C-Datierungen). Moderne Datierungsverfahren mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen führen zu einer sehr präzisen Alterseinstufung der LST und Rekonstruktion des Eruptionsverlaufes des Laacher See Vulkans.
Klimatostratigraphie: Warvenchronologische Untersuchungen in Seesedimenten (LITT & STEBICH 1999, MERKT & MÜLLER 1999). Radiometrische Altersbestimmung (14C) an Pflanzenresten (BAALES et al. 2002, FRIEDRICH et al. 1999, HAJDAS et al. 1995) und eine 40Ar/39Ar-Datierung an Sanidinen (BOGAARD 1995) führten zu einem allgemein anerkannten absoluten Alter von 12 900 a BP ±20 a . Biostratigraphie: Pollenanalyse und Untersuchung pflanzlicher Makroreste (BITTMANN 2007).
Kommentar: Die Laacher See Tephra-Formation hat als Leithorizont des Allerød eine überregionale Bedeutung.
Versch./Sonstiges: Die Laacher See Tephra-Formation beinhaltet nicht fein verteilte vulkanische Aschen der Laacher See Eruption in Böden ("Lockerbraunerde") oder periglaziale Lagen ("Hauptlage").
Auf dem Foto ist die Laacher See Tephra-Formation nördlich von Mendig abgebildet.
Literatur: BAALES, M., JÖRIS, O., STREET, M., BITTMANN, F., WENINGER, B. & WIETHOLD, J. (2002): Impact of the Late Glacial Eruption of the Laacher See Volcano, Central Rhineland, Germany.- Quaternary Research 58: 273-288.
BITTMANN, F. (2007): Reconstruction of the Allerød vegetation of the Neuwied Basin, western Germany, and ist surroundings at 12,900 cal B.P..- Veget. Hist. Archaeobot. (2007) 16: 139-156.
BOGAARD, VAN DEN, P. (1995): 40Ar/39Ar ages of sanidine phenocrysts from Laacher See Tephra (12,900 yr BP): Chronostratigraphic and petrological significance.- Earth and Planetary Science Letters 133: 163-174.
BOGAARD VAN DEN, P. & SCHMINCKE, H.-U. (1984): The eruptive center of the late Quaternary Laacher See tephra.- Geologische Rundschau 73: 935-982.
BOGAARD VAN DEN, P. & SCHMINCKE, H.-U. (1985) Laacher See Tephra: A widespread isochronous late Quaternary tephra layer in central and northern Europe.- Geol. Soc. Am. Bull. 96: 1554-1571.
FRECHEN, J. (1976): Siebengebirge am Rhein - Laacher Vulkangebiet - Maargebiet der Westeifel.- Sammlung geol. Führer 56.
HAJDAS, I., ZOLITSCHKA, B., IVY-OCHS, S.D., BEER, J., BONANI, G., LEROY, S.A.G., NEGENDANK, J.F.W., RAMRATH, M.& SUTER, M. (1995): AMS radiocarbon dating of annually laminated sediments from Holzmaar, Germany.- Quaternary Science Reviews 14: 137-143.
LITT, T. & STEBICH, M. (1999): Bio- and chronostratigraphy of the lateglacial in the Eifel region, Germany.- Quaternary International 61: 5-16.
MERKT, J. & MÜLLER, H. (1999): Varve chronology and palynology of the Lateglacial in Northwest Germany from lacustrine sediments of Hämelsee in Lower Saxony.- Quaternary International 61: 41-59.
SCHMINCKE, H.-U. (2000): Vulkanismus.- 264 S., Darmstadt (Wiss. Buchgesellschaft).
SCHMINCKE, H.-U. (2009): Die Vulkane der Eifel.- 171 S., Spektrum-Verlag.
SCHMINCKE, H.-U., Park, C. & Harms, E. (1999): Evolution and environmental impacts of the eruption of Laacher See Volcano (Germany) 12 900 a BP.- Quaternary International 61: 61-72.
WÖRNER, G. & SCHMINCKE, H.-U. (1984a): Mineralogical and Chemical Zonation of the Laacher See Tephra Sequence.- J. Petrol. 25: 805-835.
WÖRNER, G. & SCHMINCKE, H.-U. (1984b): Petrogenesis of the Zoned Laacher See Tephra.- J. Petrol. 25: 836-851.
Autor des Datenblattes: Weidenfeller, M.
Erstellt am: 02.05.2007
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 07.05.2009
Änderung Datensatz: 06.07.2009
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Litholex Recherche vom 23.06.2017, 10:36:40.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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