litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Mittelrhein-Hauptterrassen-Formation
ID: 1000004
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: M. WEIDENFELLER, erstmals für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Unterpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Hochtalboden-Terrassen (KAISER 1961), Flurterrassen (STICKEL 1927), Talrand-Terrassen (MORDZIOL 1926)
Lithologie: Die Mittelrhein-Hauptterrassen-Formation setzt sich aus fluviatilen, braungrauen bis rötlich-braunen sandigen Mittel- bis Grobkiesen zusammen. Lokal treten die Terrassen in karbonatischer Fein- bis Mittelsand-Fazies auf. Die Kiese zeigen Schrägschichtung, kleinräumig tritt Parallel- und Kreuzschichtung auf. Im Vergleich zu den pliozänen Terrassen zeichnen sich die Hauptterrassensedimente durch ein vielfältiges Schotter- und Schwermineralspektrum aus. Gegenüber den Sedimenten der Mittelterrassen enthalten sie keine vulkanischen Schwerminerale des Osteifelvulkanismus (BOENIGK 1978).
Untergeordnete Einheit: In der Literatur sind wiederholt Untergliederungen, meist auf Grund unterschiedlicher Höhenlage der Terrassenbasis, vorgenommen worden: z.B. tR1-tR6 (BIBUS 1980, SEMMEL 1999), Unterpleistozäne Terrassenfolge, ältere und jüngere Hauptterrasse, Unterstufe der Jüngeren Hauptterrasse (HOSELMANN 1996).
Liegendgrenze: Chronostratigraphisch liegt die Mittelrhein-Hauptterrrassen-Formation zwischen der pliozänen Kieseloolith-Terrasse und der Mittelrhein-Mittelterrassen-Formation.Die Liegendgrenze wird von paläozoischen Gesteinen des Rheinischen Schiefergebirges gebildet. Untergeordnet bilden tertiäre Tone, Sande und Kiese das Liegende der Hauptterrassen.
Hangendgrenze: Die Handendgrenze bilden mittelpleistozäne äolische oder periglaziale Deckschichten.
Mittlere Mächtigkeit: Die Mächtigkeit eines Hauptterrassen-Sedimentkörpers schwankt zwischen 2 und 30 m. Als mittlerer Wert wird 10-15 m angegeben.
Maximale Mächtigkeit: Summiert man die Mächtigkeiten der Sedimente aller Hauptterrassen, ergibt sich eine Gesamtmächtigkeit von 60-100 m.
Typusprofile, etc.: Der Begriff Mittelrhein-Hauptterrassen-Formation soll nur für Terrassensedimente im Rheinischen Schiefergebirge verwendet werden. Die von HOSELMANN (1996) beschriebenen Vorkommen liegen im Raum Remagen, Bad Breisig, Sinzig am unteren Mittelrhein: Profil Leilenkopf (untere pleistozäne Terrassenfolge: R 259260 H 559435), Profil NE des Waschbergs bei Linz (ältere Hauptterrasse: R 259220 H 560460), Profil Kiesgrube Mönchsheide (jüngere Hauptterrasse: R 258845 H 559780), Profil Leidenberg (Unterstufe der jüngeren Hauptterrasse, tR6: R 258810 H 560825). Für das obere Mittelrheintal können die Aufschlüsse SW Trechtingshausen als Typusprofile herangezogen werden (SEMMEL 1999): tR1 (R 3417240, H 5541560), tR2 (R 3417360 H 5541680). Im Neuwieder Becken werden die Profile der Tongrube Kärlich (R 2604480 H 5584320) von BOENIGK et al. (1974) und BOENIGK & FRECHEN (2001) beschrieben.
Verbreitung (Bundesländer): Hessen
Nordrhein-Westfalen
Rheinland-Pfalz
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Rheinisches Schiefergebirge
Verbreitung (Ergänzung): Charakteristisch und Namen gebend für die Mittelrhein-Haupterrassen-Formation ist ihre flächenhafte Verbreitung zu beiden Seiten des Mittelrhein-Engtals zwischen Mainzer Becken und Niederrheinischer Bucht.
Zeitgleiche Einheiten: Zeitgleiche Bildungen stellen die Hauptterrassen-Komplexe der Nebenflüsse des Rheins dar: Mosel, Lahn, Sieg und Nahe. Die Korrelationen beruhen im Wesentlichen auf der Höhenlage der Schotterkörper über dem heutigen Flussniveau, auf ihrer Verbreitung über den Engtälern, auf vergleichbaren Spektren vulkanischer Schwerminerale sowie auf dem Grad ihrer Verwitterung (Quarzzahl). Die Mittelrhein-Hauptterrassen finden ihre Fortsetzung in den Hauptterrassen der Niederrheinischen Bucht. Im Oberrheingraben werden sandig-kiesige Sedimente des Rheins zeitgleichen Alters als
Alterseinstufung: auf Basis von:- Magnetostratigraphie: In Kiesen der Mittelrhein-Hauptterrassen-Formation wurde eine paläomagnetische Umkehr von invers zu normal gemessen, die dem Ende der Matuyama-Chron 790 ka vor heute zugerechnet wird (BOENIGK et al. 1974, FROMM 1987). Die Hauptterrassensedimente des Unterpleistozäns sind invers magnetisiert, die jüngeren Hauptterrassen zeigen normale Magnetisierung und werden der Brunhes-Chron zugerechnet.- Sequenzstratigraphie: Die Mittelrhein-Hauptterrassen-Formation zeigt eine fluviatile Sequenz, die häufig mit der Ablagerung eines grobkörnigen Basisschotters beginnt und mit der Sedimentation von Hochflutsedimenten ausklingt. Dieser Zyklus kann sich innerhalb der Formation mehrfach wiederholen.
Kommentar: Die direkte chronostratigraphische Einstufung erfolgt im Wesentlichen auf Basis paläomagnetischer Messungen und schwermineralogischer Untersuchungen. Radiometrische Altersbestimmungen sind derzeit aus methodischen Gründen nicht möglich.
Versch./Sonstiges: Auf Grund des Fehlens von Fossilien kann i.d.R. keine biostratigraphische Zuordnung vorgenommen werden. Auch die Datierung der überlagernden Lösse in dem Zeitabschnitt > 200 ka ist methodisch kritisch zu beurteilen. Eine Korrelation auf der Basis der Höhenlage der Terrassen über NN bereitet Probleme, da zeitgleich gebildete Terrassen in Folge tektonischer Bewegungen in unterschiedliche Höhenniveaus gelangt sein können. Unterschiedliche Liefergebiete können eine unterschiedliche petrographische Zusammensetzung zeitgleich gebildeter Schotterkörper bedingen. Die paläomagnetische Chronengrenze Brunhes/Matuyama fällt nicht mit der Liegend- oder Hangendgrenze der Mittelrhein-Hauptterrassen-Formation zusammen.
Literatur: BIBUS, E. (1980): Zur Relief-, Boden- und Sedimententwicklung am unteren Mittelrhein.- Frankfurter Geowissenschaftliche Arbeiten, Serie D, 1: 296 S.; Frankfurt/Main.
BIBUS, E. & SEMMEL, A. (1977): Über die Auswirkung quartärer Tektonik auf die altpleistozänen Mittelrhein-Terrassen.- Catena, 4: 385-408, Gießen.
BOENIGK, W. (1978): Gliederung der altquartären Ablagerungen in der Niederrheinischen Bucht.- Fortschr. Geol. Rheinld. u. Westf., 28: 135-212, Krefeld.
BOENIGK, W. & FRECHEN, M. (2001): Zur Geologie der Kärlich Hauptwand.- Mainzer geowiss. Mitt. 30: 123-194; Mainz.
BOENIGK, W., HEYE, D., SCHIRMER, W. & BRUNNACKER, K. (1974): Paläomagnetische Messungen an vielgliedrigen Quartär-Profilen.- Mainzer naturwiss. Archiv, 12: 159-168, Mainz.
BRUNNACKER, K. (1978): Neuere Ergebnisse über das Quartär am Mittel- und Niederrhein.- Fortschritte in der Geologie von Rheinland und Westfalen, 28: 111-122, Krefeld.
FROMM, K. (1987): Paläomagnetische Bestimmungen zur Korrelation altpleistozäner Terrassen.- Mainzer geowiss. Mitt., 16: 7-29, Mainz.
HOSELMANN, C. (1996): Der Hauptterrassenkomplex am unteren Mittelrhein.- Z.dt. geo. Ges. 147/4: 481-497, Stuttgart.
KAISER, K. (1961): Gliederung und Formenschatz des Pliozäns und Quartärs am Mittel- und Niederrhein sowie in den angrenzenden Niederlanden unter besonderer Berücksichtigung der Rheinterrassen.- Festschr. Dt. Geogr.-Tag Köln: 236-278, Wiesbaden.
KLOSTERMANN, J. (1992): Das Quartär der Niederrheinischen Bucht.- 200 S., Krefeld (Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen).
MORDZIOL, C. (1926): Flußterrassen und Löß am Mittelrhein.- Festschr. naturwiss. Ver. Koblenz: 24-56, Koblenz.
PHILIPPSON, A. (1899): Entwicklungsgeschichte des Rheinischen Schiefergebirges.- Verh. VII Int. Geogr.-Kongr. Berlin = Sitz.-Ber. niederrhein. Ges. Natur- u. Heilkde. Bonn: 48-50, Bonn.
SEMMEL, A. (1999): Landschaftsentwicklung am Oberen Mittelrhein.- Schriftenreihe Dt. Geol. Ges., 8: 127-149; Hannover.
STICKEL, R. (1927): Zur Morphologie der Hochflächen des linksrheinischen Schiefergebirges und angrenzender Gebiete.- Beitr. Landeskde. Rheinld., 5: 104 S., Leipzig.
Autor des Datenblattes: Weidenfeller, M.
Erstellt am: 02.05.2007
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 08.11.2007
Änderung Datensatz: 07.07.2009


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 24.06.2017, 19:13:21.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID