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Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



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Name der Einheit: Untermain-Hauptterrassen-Formation
ID: 1000003
Hierarischer Rang: Formation
Erstbeschreibung: C. HOSELMANN, erstmals für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Unterpleistozän (Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: t(1)-Terrasse (u.a. Semmel 1969, 1999, SCHEER 1974), A-Terrasse (KÖRBER 1962), Ältere Mittelterrasse (MICHELS 1930), M1-Stufe (BAKKER 1930), Altquartäre Aufschüttung (STREIT 1971)
Lithologie: Die Untermain-Hauptterrassen-Formation besteht im Wesentlichen aus fluviatilen kiesigen Sanden, in die limnisch-fluviatile Ton- und Schlufflagen eingeschaltet sind. Innerhalb der verschiedenen Sedimentpakete können verschiedene fining-upward-Zyklen ausgehalten werden. Die Basis der gesamten Aufschüttung wird überwiegend durch eine Grobblocklage gekennzeichnet. Die einzelnen Zyklen enden meist mit feinklastischen Schluff- bis Tonlagen. Die Kiese bestehen hauptsächlich aus Sandstein des Buntsandsteins, Quarz, Quarzit, Hornstein sowie Lydit.
Untergeordnete Einheit: Im Bereich der Isenburger Pforte (SEMMEL 1999) und weiter westlich (u.a. SEMMEL 1980) konnte die Untermain-Hauptterrassen-Formation in mindestens sechs weitere Subformationen (a-e) untergliedert werden. Allerdings ist eine Untergliederung aufgrund einer petrographischen Differenzierung nicht möglich und erfolgte nur mit Hilfe der Höhenlage der Terrassenbasis.
Liegendgrenze: Meist lagert die Untermain-Hauptterrassen-Formation diskordant auf tertiären Sedimenten.
Hangendgrenze: Die Untermain-Hauptterrassen-Formation kann oberflächlich anstehen bzw. wird diskordant von jüngeren fluviatilen Sedimenten des Mains bzw. äolischen Decksedimenten überlagert.
Mittlere Mächtigkeit: Die Mächtigkeitsangaben des Terrassenkomplexes schwanken zwischen 0,5 und 40 m (ANDERLE 1968, SCHEER 1974). Häufig sind Mächtigkeiten von rund 30 m zu beobachten. Die Mächtigkeiten schwanken aufgrund unterschiedlichen tektonischen Verhaltens einzelner Teilgebiete in der Untermain-Ebene (ANDERLE 1968). Die Mächtigkeitsangaben sowie Aussagen zu lithologischen Eigenschaften sind aus Beobachtungen in einer Vielzahl von Kiesgruben sowie aus tausenden von Bohrungen hergeleitet, die u.a. im Archiv des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie dokumentiert sind.
Maximale Mächtigkeit: maximal 40 m (summarisch)
Typusprofile, etc.: Profile mit quartären Lockersedimenten sind meist nur temporär aufgeschlossen. Lange Zeit zugänglich sind Teilabschnitte der fluviatilen Sedimente der Untermain-Hauptterrassen-Formation in den „Weilbacher Kiesgruben“ (R 3460900 H 5546100; TK Blatt 5916 Hochheim am Main) sowie in der Kiesgrube Schüttler bei Nieder-Roden (R 3490500 H 5541750; TK Blatt 5919 Seligenstadt). Kernbohrungen werden immer wieder im Rahmen von wasserwirtschaftlichen Erkundungen und Baugrunduntersuchungen abgeteuft.
Verbreitung (Bundesländer): Bayern
Hessen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Oberrheinisches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Die Sedimente der Untermain-Hauptterrassen-Formation treten mit dem Eintritt des Mains in das Senkungsgebiet des Hanauer Beckens auf. Die Vorkommen beschränken sich dann auf das Gebiet zwischen dem Sprendlinger Horst im Süden und dem Sachsenhäuser/Bieberer Berg im Norden. Weiter westlich verzahnen sie sich südlich des Frankfurter Flughafens mit den fluviatilen Sedimenten des nördlichen Oberrheingrabens. Die westlichsten Vorkommen sind dann im Stadtgebiet von Wiesbaden zu beobachten.
Zeitgleiche Einheiten: Hauptterrassen-Sedimente aus dem Unterpleistozän sind auch aus dem Rheinsystem und seinen Nebenflüssen bekannt. Allerdings unterscheidet sich der petrographische Inhalt aufgrund verschiedener Liefergebiete. Signifikante Leithorizonte sind nicht bekannt. Eine Korrelation mit Ablagerungen aus dem Mainengtal ist möglich.
Alterseinstufung: auf Basis von:
- Biostratigraphie: In den feinklastischen Lagen sind bisher keine Funde gemacht worden, die eine sichere biostratigraphische Einstufung ermöglicht hätten. Paläobotanische Untersuchungen weisen auf eine interstadiale Nadelwaldflora hin (SEMMEL 1999); weiterhin sind von v. d. BRELIE (1974) in Tonlagen der Untermain-Hauptterrassen-Formation Hinweise zu vier verschiedenen unterpleistozänen warmzeitlichen Floren gefunden worden.
- Magnetostratigraphie: Paläomagnetische Untersuchungen an den feinklastischen Sedimenten der Untermain-Hauptterrassen-Formation sind von FROMM (in SEMMEL & FROMM 1976) durchgeführt worden. Die Ergebnisse lassen keine paläomagnetostratigraphische Zuordnung zu, da die untersuchten Zeitabschnitte zu kurz sind und somit keine charakteristische paläomagnetischen Änderungen enthalten. Auch paläomagnetische Hinweise, nach denen die Formation bis in die Brunhes-Chron und somit in das Mittelpleistozän reicht, sind unsicher.
- Klimatostratigraphie: Wiederholt wurden in den Sedimenten der Untermain-Hauptterrassen-Formation Sandstein-Driftblöcke beobachtet. Diese Driftblöcke sind Hinweise auf kaltklimatische Bedingungen zur Zeit der Ablagerung. Ein Abschnitt der Untermain-Hauptterrassen-Formation ist nach SEMMEL (1999) mit Solifluktionsschutt verknüpft.
Kommentar: Die paläogeographische Entwicklung des Untermain-Gebiets sowie paläobotanische Untersuchungsergebnisse lassen nur den Schluss zu, dass die Untermain-Hauptterrassen-Formation im Unterpleistozän akkumuliert worden ist. Ältere unterpleistozäne Sedimente des Mains sind nicht bekannt.
Versch./Sonstiges: Wünschenswert wären paläobotanische Untersuchungen der feinklastischen Sedimente, die eine bessere stratigraphische Zuordnung und Untergliederung des Terrassenkomplexes ermöglichen würden. Auch weitere paläomagnetische Messungen ebenso wie absolute Altersbestimmungen an diesen Sedimenten wären sinnvoll.
Literatur: ANDERLE, H. J. (1968): Die Mächtigkeiten der sandig-kiesigen Sedimente des Quartärs im nördlichen Oberrhein-Graben und der östlichen Untermain-Ebene.- Notizbl. hess. L.-Amt Bodenforsch., 96: 185-196; Wiesbaden.
BAKKER, J. P. (1930): Einige Probleme der Morphologie und der jüngsten geologischen Geschichte des Mainzer Beckens und seiner Umgebung.- Geogr. Geol. Meded., Phys., Geol. Reeks, 3: 112 S.; Utrecht.
BRELIE, G. v. d. (1974): Pollenanalytische Untersuchungen an warmzeitlichen Sedimenten in den Terrassen des Untermain-Gebietes.- Rhein-main. Forsch., 78: 83-9;, Frankfurt a. M.
KÖRBER, H. (1962): Die Entwicklung des Maintals.- Würzburger geogr. Arb., 10: 170 S.; Würzburg.
MICHELS, F. (1930): Erläuterungen zur geologischen Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern, Blatt Frankfurt/Main-Ost-Offenbach: Lieferung 300: 88 S.; Berlin.
SCHEER, H.-D. (1974): Pleistozäne Entwicklung in der östlichen Untermainebene.- Diss. Univ. Frankfurt a. M.: 173 S.; Frankfurt a. M.
SEMMEL, A. (1999): Die pleistozänen Terrassen des Mains in der Isenburger Pforte südlich Frankfurt am Main.- Frankfurter geowiss. Arb. Serie D, 25: 237-255; Frankfurt a. M.
SEMMEL, A. (1969): Quartär. – In: KÜMMERLE, E. & SEMMEL, A.: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1 : 25000, Blatt Nr. 5916 Hochheim am Main, 3. Auflage: 51-99; Wiesbaden.
SEMMEL, A., (1980): Quartär.- In: GOLWER, A. & SEMMEL, A.: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen 1 : 25000, Blatt Nr. 5917 Kelsterbach, 3. Auflage: 25-49; Wiesbaden.
SEMMEL, A. & FROMM, K. (1976): Ergebnisse paläomagnetischer Untersuchungen an quartären Sedimenten des Rhein-Main-Gebietes.- Eiszeitalter u. Gegenwart: 27: 18-25; Öhringen.
STREIT, R. (1971): Quartär. – Geologische Karte von Bayern 1:25000 - Erläuterungen zum Blatt Nr. 6020 Aschaffenburg: 150-186; München.
Autor des Datenblattes: Hoselmann, C.
Erstellt am: 02.05.2007
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 08.11.2007
Änderung Datensatz: 07.07.2009

Anzahl Litho alt: 1

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Litholex Recherche vom 26.04.2017, 11:54:37.

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HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

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