litholex_logo

Lithostratigraphische Einheiten Deutschlands



verlauf_blau

Name der Einheit: Haupt-Mosbach-Subformation
ID: 1000001
Hierarischer Rang: Subformation (Member)
Erstbeschreibung: C. HOSELMANN, erstmals für LithoLex definiert
Gültigkeit des Namens: gültig
Übergeordnete Einheit: --
Chronostratigraphie: Cromerium-Komplex (Mittelpleistozän, Pleistozän, Quartär, Känozoikum)
Synonyme: Graues Mosbach und Mosbach III (BRÜNING 1974; KELLER 1999a)
Mosbach-2 und Mosbach-3 (KOENIGSWALD & TOBIEN 1987)
T6 (KANDLER 1970)
Lithologie: Die Haupt-Mosbach-Subformation besteht aus fluviatilen, carbonatführenden grün-grauen Fein- bis Mittelsanden. Der insgesamt einheitliche Aufbau wird von einigen räumlich nicht weit verbreiteten Grobkieslagen unterbrochen. Nach BRÜNING (1974) zeigen die Sande eine markante Kreuzschichtung. Dazu kommen Sande mit Rippelschichtung, die eine relativ konstante Strömungsrichtung anzeigen.
Untergeordnete Einheit: In der Literatur sind wiederholt, meist auf Grund paläontologischer Untersuchungen, Untergliederungen der Haupt-Mosbach-Subformation vorgenommen worden (z.B. KOENIGSWALD & TOBIEN 1987). Diese Untergliederungen konnten bisher nicht bestätigt werden (KELLER 1999a, SEMMEL 2003).
Liegendgrenze: Die Liegendgrenze wird meist durch einen Hochflutlehm gekennzeichnet, der auch als „Feinkörniges Mosbach“ bezeichnet wird (BOENIGK 1977/78).
Hangendgrenze: Die Hangendgrenze bildet der t2 Schotterkörper des Mains (SEMMEL 1968, 2003).
Mittlere Mächtigkeit: Die Mächtigkeit wird mit 10 bis 14 Metern angegeben (BRÜNING 1974, BOENIGK 1977/78, KELLER 1999b).
Maximale Mächtigkeit: >14 m
Typusprofile, etc.: Der Begriff Haupt-Mosbach-Subformation mit seinen charakteristischen Fein- bis Mittelsanden und seiner typischen Fossilführung soll nur für das Rheingauer Feld, einem Bereich zwischen Wiesbaden-Biebrich und Wiesbaden-Erbenheim verwendet werden. Das erstmals beschriebene Vorkommen lag bei dem ehemals selbständigen Ort Mosbach nördlich des Biebricher Schlossparks (KELLER 1999a). Der geographische Mittelpunkt des Abbaugebietes liegt bei R 3448000 und H 5546000 auf Blatt 5915 Wiesbaden.
Verbreitung (Bundesländer): Hessen
Verbreitung (Geogr. Einheit): Mittelgebirge, Oberrheinisches Tiefland
Verbreitung (Ergänzung): Die regionale Verbreitung der Haupt-Mosbach-Subformation beschränkt sich auf das unter (10) beschriebene Rheingauer Feld.
Zeitgleiche Einheiten: Im Rhein-Main-Gebiet, im Rheingau und am Mittelrhein werden faziell ähnlich ausgebildete Sande als Mosbach-Sande bzw. Hönningen-Sande (BIBUS 1980) bezeichnet. Auch wird eine Korrelation der Frankenbach-Sande im Heilbronner Becken (ADAM 1975) und den Sandablagerungen von Mauer am unteren Neckar mit der Haupt-Mosbach-Subformation vorgenommen. Die Korrelationen berufen sich im Wesentlichen auf den paläontologischen Befund sowie die petrographische Ausprägung der Sande. Weiterhin muss für die überregionale Korrelation die Wirbeltierfundstelle Süßenborn bei Weimar genannt werden (KAHLKE 2002).
Alterseinstufung: auf Basis von:- Biostratigraphie: Zur Haupt-Mosbach-Subformation existieren umfangreiche paläontologische Bearbeitungen. Die biostratigraphische Einstufung ist aber umstritten (KOENIGSWALD & TOBIEN 1987, KELLER 1999a). Fundstellen von Kleinsäugern sind bei KELLER 1999b verzeichnet. Die „Hauptfauna / Mosbach II“ gehört eindeutig zu den älteren /Arvicola-cantianus/ Faunen, die wegen des Vorkommens bestimmter Arten, als älter als das Elster-Glazial angehen wird (KOENIGSWALD & HEINRICH 1999). Umfangreiche paläontologische Fundstücke befinden sich in den naturwissenschaftlichen Sammlungen von Mainz, Darmstadt und Wiesbaden.- Magnetostratigraphie: Im Hochflutlehm unterhalb der Haupt-Mosbach-Subformation wurde eine paläomagnetische Umkehr von normal zu invers gemessen, die dem Ende der Jaramillo-Subchron 1,04±0,02 Ma (GUILLOU et al. 1996) zugerechnet wird (BOENIGK 1977/78). Die Haupt-Mosbach-Subformation zeigt nur normale Magnetisierung und wird der Brunhes-Chron zugerechnet.- Sequenzstratigraphie: Nach KELLER (1999a) zeigt die Haupt-Mosbach-Subformation zwei fluviatile Sequenzen unterschiedlicher Architektur, die durch einen Hiatus getrennt sind. Eine dritte und jüngste, wiederum diskordant einschneidende Sequenz, schließt den Sedimentationszyklus nach oben hin ab.
Kommentar: Die direkte chronostratigraphische Einstufung erfolgt im Wesentlichen auf Grund paläontologischer Befunde. Das Maximalalter wird durch die paläomagnetische Messung eingeschränkt. Offene Fragen bestehen bezüglich der Magnetostratigraphie, in wieweit die stratigraphische Zuordnung zur Jaramillo-Subchron schlüssig ist. An dieser Zuordnung hängt die chronostratigraphische Zuordnung der Subformation. Weiterhin konnten bisher auf Grund fehlenden geeigneten Probenmaterials keine radiometrischen Datierungen durchgeführt werden. Eine moderne sedimentologische Bearbeitung des Aufschlusses wäre wünschenswert.
Versch./Sonstiges: Fossilien, die in der Haupt-Mosbach-Subformation in einer großen Funddichte vorliegen, belegen oftmals scheinbar widersprüchliche Aussagen. Die mittelpleistozäne Säugetierfauna zeigt Elemente verschiedener Zeiten an, was wahrscheinlich auch für die Molluskenfauna gilt (KELLER 1999a).
Literatur: ADAM, K. D. (1975): Pleistozäne Säugetier-Funde aus der Umgebung von Heilbronn.- In: Wild, H: Erl. GK 25 Baden-Württemberg, Bl. 6821 Heilbronn: 183 S.; Stuttgart.
BIBUS, E. (1980): Zur Relief-, Boden- und Sedimententwicklung am unteren Mittelrhein.- Frankfurter Geowissenschaftliche Arbeiten, Serie D, 1: 296 S.; Frankfurt/Main.
BOENIGK, W. (1977/78): Zur petrographischen Gliederung der Mosbacher Sande im Dyckerhoff-Steinbruch, Wiesbaden/Hessen.- Mz. Naturw. Arch., 16: 91-126; Mainz.
BRÜNING, H. (1974): Das Quartär-Profil im Dyckerhoff-Steinbruch Wiesbaden/Hessen.- Rhein-Main. Forsch., 78: 57-81; Frankfurt/Main.
GUILLOU, H., CARRACEDO, J.C., FEREZ TORRADO, F.J. & RODRIGUEZ BADIOLA, E. (1996): K-Ar ages and magnetic stratigraphy of a hotspot-induced, fast grown oceanic island: El Hierro, Canary Islands.- Journal of Volcanology and Geothermal Research, 73 (1-2): 141-155.
KAHLKE, R.-D. (2002): The Quaternary large mammal faunas of Thuringia (Central Germany). In: MEYRICK R. A. & SCHREVE, D. C. (ed.): The Quaternary of Central Germany (Thuringia & Surroundings). Field Guide.- Quaternary Research Association, London.
KANDLER, O: (1970): Untersuchungen zur quartären Entwicklung des Rheintales zwischen Mainz/Wiesbaden und Bingen/Rüdesheim.- Mainzer Geographische Studien, 3: 92 S.; Mainz.
KELLER, T. (1999a): Halt 1: Wiesbaden, Mosbach-Sande.- In: DERSCH-HANSMANN, M. et al.: Geotope in Hessen.- Schriftenreihe dt. geol. Ges., 8: 75-77; Hannover.
KELLER, T. (1999b): Fundstellen von Kleinsäugern in den mittelpleistozänen Mosbach-Sanden.- Jb. nass. Ver. Naturkde., 120: 167-171; Wiesbaden.
KOENIGSWALD, W. v. & HEINRICH, W.D. (1999): Mittelpleistozäne Säugetierfaunen aus Mitteleuropa - der Versuch einer biostratigraphischen Zuordnung.- Kaupia, 9: 53-112; Darmstadt.
KOENIGSWALD, W. v. & TOBIEN, H. (1987): Bemerkungen zur Altersstellung der pleistozänen Mosbach-Sande bei Wiesbaden.- Geol. Jb. Hessen, 115: 227-237; Wiesbaden.
SANDBERGER, F. (1870-1875): Die Land- und Süßwasser-Conchylien der Vorwelt.- VIII + 1000 S.; Wiesbaden.
SEMMEL, A. (1968): Die Lößdecke im Dyckerhoff-Steinbruch bei Wiesbaden-Biebrich.- Mz. Naturw. Arch., 6: 74-79; Mainz.
SEMMEL, A. (1974): Der Stand der Eiszeitenforschung im Rhein-Main-Gebiet.- Rhein-Main. Forsch., 78: 9-56; Frankfurt/Main.
SEMMEL, A. (2003): Dolinen-Füllungen im Mainzer-Becken.- Geol. Jb. Hessen, 130: 49-60; Wiesbaden.
Autor des Datenblattes: Hoselmann, C.
Erstellt am: 27.04.2007
Zuständige Subkommission: Subkommission Quartär
Freigabe Subkommission: Ja
Freigabe am: 08.11.2007
Änderung Datensatz: 07.07.2009


Zurück zum Such - Ergebnis        Zurück zur einfachen Suche        Zurück zur erweiterten Suche        Diese Seite drucken

Logo Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Logo Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart Logo Geologischer Dienst NRW Logo Deutsche Statigraphische Kommission

© Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

Litholex Recherche vom 27.03.2017, 22:29:31.

Die BGR und die DSK gestatten die Übernahme von Datensätzen in Datenbestände, die ausschließlich für den privaten Gebrauch eines Nutzers bestimmt sind. Die Übernahme und Nutzung der Daten zu anderen Zwecken bedarf der schriftlichen Zustimmung der BGR.

Beispiel zum Zitieren eines Datensatzes:

HISS, M.1): Aachen-Formation2). In LithoLex [Online-Datenbank]. Hannover: BGR. Last updated 22.06.20063). [cited 05.07.2006]4). Record No. 20080025). Available from: http://www.bgr.bund.de/litholex

1) Autor des Datenblattes
2) Name der Einheit
3) Änderung Datensatz
4) Datum der Recherche
5) ID